{"Signatur": "CH_VB_010", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1995-06-30", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_010_JAAC-60-85--_1995-06-30.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003215.pdf?ID=150003215", "Checksum": "bec75fff46890cb12f8ea3c20950abf3"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 60.85 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI 30.06.1995 JAAC 60.85 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Autorité indépendante d’examen des plaintes (radio-télé), AIEP 30.06.1995 JAAC 60.85 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva, AIRR 30.06.1995 JAAC 60.85 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Autorité indépendante d’examen des plaintes (radio-télé), AIEP"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva, AIRR"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Autorité indépendante d'examen des plaintes en matière de radio-télévision"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:28:57", "Checksum": "ac16a675876c057d78b81b979f1cb5a9", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI 30.06.1995 JAAC 60.85 \r\n\n 7\num eine Programmbestimmung, die von der UBI als negative Präzisierung\ndes kulturellen Mandats im Sinne von Art. 55bis Abs. 2 BV und Art. 3 RTVG zu\nprüfen ist.\n7. Die Beschwerdeführer begründen die behauptete Verletzung von Art. 6\nAbs. 1 Satz 2 RTVG mit dem Argument, der Interviewgast Dekker habe\nsich in der «Sternstunde Religion» über das religiöse Gebot «Du sollst\nnicht töten» unwidersprochen hinweggesetzt. Damit habe er ebenfalls das\nverfassungsmässig und völkerrechtlich garantierte «Recht auf Leben» verletzt.\n7.1. In ihrer bereits erwähnten Praxis zum kulturellen Mandat des\nVeranstalters zählt die UBI die in Art. 49 BV mitgeschützte Glaubensfreiheit\nzum Ensemble unbestrittener Grundelemente eines demokratischen\nVerfassungsstaates (VPB 59.66, S. 552 f.) und gesteht religiösen Gefühlen\neine besondere Empfindlichkeit zu (VPB 54.47, S. 300 ff.; 53.48, S. 345). Sie\nzählt das Religiöse in seinen verschiedenen Erscheinungsformen zu den\nsensiblen Bereichen, in denen zwar kein positiver Beitrag zur Erfüllung des\nKulturauftrags verlangt wird, die Schwelle zur Programmrechtsverletzung\njedoch tiefer liegt. Entsprechend wird in diesen Fragen eine besondere\nSorgfalt des Veranstalters gefordert (VPB 59.66, S. 553).\nDieser erhöhten Sorgfaltspflicht hat der Veranstalter mit der in diesem\nZusammenhang gerügten Sendung «Sternstunde Religion» entsprochen.\nHinsichtlich der cura in eligendo bei der Wahl eines holländischen Theologen\nund Pfarrers als Interviewgast ist auf die Ausführungen in E. 5.1 zu verweisen.\nAls Sendegefäss wurde die «Sternstunde Religion» dem heiklen Thema gerecht.\nDie Diskussion wurde von einem kompetenten Gesprächsleiter geführt, der es\nverstand, in den in ethischer und religiöser Hinsicht entscheidenden Punkten\nmit kritischen Fragen nachzuhaken. Die grundsätzlichen Vorbehalte, die ein\nChrist der Euthanasie entgegenbringen kann, sind im Gespräch zum Ausdruck\ngekommen.\n7.2. Das Bundesgericht schützt das Recht auf Leben im Rahmen des\nGrundrechts der Persönlichen Freiheit (BGE 98 Ia 514), die EMRK anerkennt\nes in Art. 2 als selbständige Grundrechtsposition. Die Umschreibung des vom\nRecht auf Leben geschützten Bereichs bietet in der Praxis Schwierigkeiten,\ndie sich namentlich bei Problemen der Sterbehilfe manifestieren (vgl. Jörg\nPaul Müller, Die Grundrechte der Schweizerischen Bundesverfassung,\n2. Aufl., Bern 1991, S. 35). Aktive Sterbehilfe verstösst nach schweizerischem\nRecht grundsätzlich gegen das strafgesetzliche Verbot absichtlicher Tötung,\nwobei die Abgrenzung zur passiven Sterbehilfe aufgrund neuer technischer\nMöglichkeiten zur Überwindung von Krisensituationen in gewissen Fällen\nschwierig ist (vgl. Müller, a. a. O., S. 37 f.). Dagegen existiert - entgegen der\nAuffassung der Beschwerdeführer - kein grundsätzliches Verbot, die Frage der\n(aktiven) Sterbehilfe auch in den Sendungen des Fernsehens zu diskutieren.\nEinem solchen Verbot, ein Thema von öffentlichem Interesse zur Sprache zu\nbringen, steht das für eine freiheitliche Demokratie entscheidende, in der\nBV und der EMRK geschützte Prinzip der Meinungsfreiheit auch unter den\nBedingungen von Radio und Fernsehen kategorisch entgegen (VPB 60.24, E. 5).\n\n8\n7.3. Somit ist die gerügte Verletzung von Art. 6 Abs. 1 Satz 2 RTVG nicht\nbegründet.\n8. Zusammenfassend ergibt die Würdigung der beiden Sendungen als Ganzes,\ndass die Beschwerde in sämtlichen Punkten nicht begründet ist. Deshalb ist sie\nabzuweisen.\n[138] Oben S. 763.\n\n9\nSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften\nArchives fédérales suisses, Publications officielles numérisées\nArchivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali\n\nJAAC 60.85 - Entscheid der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen\nvom 30. Juni 1995; b.301\n\nIn Verwaltungspraxis der Bundesbehörden\nDans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération\nIn Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione\n\nJahr 1996\nAnnée\nAnno\n\nBand 60\nVolume\nVolume\n\nSeite ---\nPage\nPagina\n\nRef. No 150 003 215\n\nDas Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.\nLe document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.\nIl documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.\n"}