{"Signatur": "CH_VB_010", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1991-11-08", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_010_JAAC-57-45--_1991-11-08.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001802.pdf?ID=150001802", "Checksum": "a149195e3682455091708ca68852419f"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 57.45 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI 08.11.1991 JAAC 57.45 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Autorité indépendante d’examen des plaintes (radio-télé), AIEP 08.11.1991 JAAC 57.45 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva, AIRR 08.11.1991 JAAC 57.45 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Autorité indépendante d’examen des plaintes (radio-télé), AIEP"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva, AIRR"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Autorité indépendante d'examen des plaintes en matière de radio-télévision"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:32:05", "Checksum": "3c02a8b5b6a03bb43f1cb7dd8221a687", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI 08.11.1991 JAAC 57.45 \r\n\n 4\nbekannt. Namentlich auch dieser Umstand rechtfertigt eine kritische\nThematisierung der Ereignisse und Auseinandersetzungen im Zusammenhang\nmit der Kammgarnspinnerei Interlaken.\n3.5. Neben der inhaltlichen Programmfreiheit geniesst der Veranstalter\nauch in der Art und Weise der Bearbeitung und Darstellung eines Themas\nweitgehende Autonomie. So darf beispielsweise eine Sendung auch Ausdruck\nund Ergebnis eines engagierten oder gar polemischen Journalismus sein (zu\nverschiedenen zulässigen Stilformen: vgl. u.a. Entscheid der UBI vom 6. Juli\n1990, «Patt», VPB 55.37).\n3.6. Können allerdings Aussagen einer Sendung eine voraussehbar\nschädigende Folge für einen Betroffenen haben - diese Gefahr besteht\nnamentlich bei einer polemisch gehaltenen Thematisierung -, muss sich\nder Autor der Sendung im Detail vergewissern, dass die Informationen\nwahr sind oder er sie zumindest im guten Glauben als wahr auffassen kann.\nDazu hat er der Recherche und der Kontrolle der Ergebnisse der Recherche\nbesondere Aufmerksamkeit zu schenken. Im Falle eines Zweifels an der\nWahrheit der erhaltenen oder recherchierten Informationen hat der Autor\nin der Präsentation der Informationen diesem Umstand Rechnung zu tragen\nund sich auch im Stil die gebotene Zurückhaltung aufzuerlegen; er darf nicht\ndas Risiko eingehen, einen anderen durch die Verbreitung von unwahren\nbeziehungsweise nicht hinreichend gesicherten Informationen zu schädigen.\n4. Art. 4 Abs. 2 der Konzession für die Schweizerische Radio- und\nFernsehgesellschaft vom 5. Oktober 1987 (Konzession SRG, BBl 1987 III 813 f.)\nverlangt unter anderem, dass Ereignisse sachgerecht darzustellen sind.\n4.1. (Sachgerechtigkeit, vgl. VPB 56.27, VPB 56.14, VPB 51.53)\n…\n4.3. In der Beurteilung von Informationssendungen unter diesem\nkonzessionsrechtlichen Aspekt ist neben der Würdigung jeder einzelnen\nInformation für sich allein auch der allgemeine Eindruck zu beurteilen, der\nsich aus einer Sendung als Ganzes ergibt (BGE 114 Ib 206 E. 3a; VPB 57.48).\nBei der hauptgerügten Sendung «Kassensturz» vom 9. Oktober 1990 kommt\nausserdem spezifizierend der besondere Umstand dazu, dass es unter\nanderem um einen Beitrag über ein hängiges (Straf-)Gerichtsverfahren ging.\n5. Als Grundsatz, der sich aus Art. 55bis Abs. 2 BV ergibt, steht fest: Die\nProgramm- und Programmgestaltungsfreiheit erlauben dem Veranstalter auch,\nüber hängige Strafverfahren zu berichten (Müller Jörg Paul, Die Grundrechte\nder schweizerischen Bundesverfassung, Bern 1991, S. 141).\nIm Entscheid vom 26. April 1979 i.S. Sunday Times (Europäische\nGrundrechte-Zeitschrift [EuGRZ] 1979 386 ff., 390 N. 65) hat der Europäische\nGerichtshof für Menschenrechte (EGMR) festgehalten, dass nicht die Gerichte\nallein das Monopol haben, über Konflikte und deren Lösung nachzudenken,\nsondern dass es auch Aufgabe der Presse sein könne, ein Thema vorab zu\nerörtern. Die Medien hätten nämlich die Aufgabe, solche Informationen zu\nverbreiten und die Öffentlichkeit das Recht, sie zu empfangen (Müller, a. a. O.,\nS. 141; VPB 55.9, E. 4.b).\n\n"}