{"Signatur": "CH_VB_010", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1990-10-05", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_010_JAAC-56-13--_1990-10-05.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001490.pdf?ID=150001490", "Checksum": "60f0d8bbdb0a3ca71d0945fbecef8871"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 56.13 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI 05.10.1990 JAAC 56.13 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Autorité indépendante d’examen des plaintes (radio-télé), AIEP 05.10.1990 JAAC 56.13 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva, AIRR 05.10.1990 JAAC 56.13 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Autorité indépendante d’examen des plaintes (radio-télé), AIEP"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Autorità indipendente di ricorso in materia radiotelevisiva, AIRR"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Autorité indépendante d'examen des plaintes en matière de radio-télévision"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:32:46", "Checksum": "137933674399235a2f2263d6d3ae23d8", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI 05.10.1990 JAAC 56.13 \r\n\nA. Am 23. März 1989 strahlte das Radio der deutschen und der\nrätoromanischen Schweiz (DRS) im Rahmen des Sendegefässes «Z. B.» eine\nSendung mit dem Titel: «Die Villiger-Firmengeschichte; Gratwanderung\nzwischen Wirklichkeit und Wunsch» aus.\nIn der einführenden Moderation wurde nebst der Firma Villiger generell\ndie Geschäftstätigkeit schweizerischer Unternehmen während der Zeit des\nNationalsozialismus in Deutschland erwähnt. Die Firmengeschichte des\nFamilienunternehmens Villiger sei besonders brisant, weil aus diesem Kreis\nein neuer Bundesrat an die Regierungsspitze gerückt sei. Darauf wurde eine\nSequenz des Statements von Bundesrat Kaspar Villiger in der Frühjahrssession\ndes Nationalrates zum Thema der geplanten Mobilmachungsfeierlichkeiten\neingeblendet: «Wir möchten ganz einfach der Aktivdienstgeneration danken,\nund zwar nicht nur den Wehrmännern, sondern auch denen zu Hause, die\ndamals in den Verwaltungen, in den Haushalten, in den Fabriken, den Betrieb\ndes Landes sozusagen aufrecht erhielten. Wir glauben auch, dass die Jungen\neinen gewissen Anspruch auf eine sachliche und ehrliche Information über\ndiese Zeit haben» (in die Sendung eingeblendeter Original-Ton von Bundesrat\nKaspar Villiger in der erwähnten Nationalratsdebatte). Dieser Anspruch auf\noffene Information sei von der Firma Villiger bislang nicht eingelöst worden,\nhielt der Moderator fest. In der Jubiläumsschrift zum 90jährigen Bestehen der\nFirma würden für den Zeitraum von 1933 bis 1945 massgeblich drei Eindrücke\nvermittelt:\n- Die Firmenentwicklung in Deutschland habe nach 1932 stagniert.\n- Vor und insbesondere während des Krieges seien die beiden Firmeninhaber\nMax und Hans Villiger im 3. Reich unerwünschte Personen gewesen und\nhätten deshalb keine Einreisevisa mehr erhalten.\n\n3\n- 1945 sei in Deutschland für die Firma Villiger alles verloren gewesen.\nNach der umgehend anschliessenden Feststellung durch die Moderation, alle\ndrei Eindrücke seien irreführend, wurden im weiteren Verlauf der Sendung\ndie einzelnen Punkte referiert:\n1. Entgegen der Aussage der Festschrift habe sich der Firmenzweig\nin Deutschland auch nach 1932 beachtlich entwickelt; die Zahl der\nArbeitskräfte habe sich zwischen 1932 und 1939 auf 2000 Mitarbeiter nahezu\nverdoppelt. Befragt zur Diskrepanz zwischen der Firmengeschichte und\ndem Rechercheergebnis der Journalisten meinte Heinrich Villiger, unter\ndessen und der Verantwortung von Kaspar Villiger die Jubiläumsschrift 1978\nerschienen ist: «Zwar sei der Absatz der deutschen Firmenniederlassungen in\nder fraglichen Zeit verdoppelt worden, der Marktanteil habe sich indessen von\n1932 bis 1939 von 2,1% nur unerheblich auf 2,8% erhöht.\nDie Sendeautoren hielten fest, dass der Höhepunkt der Firmenentwicklung\nauf das Jahr 1939 hätte gelegt werden müssen und gingen der Frage\nnach, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen (politische\nAnpassung; Judenverfolgung und Übernahme jüdischer Firmen, Teilnahme\nam nationalsozialistischen Leistungswettbewerb) sich ein ausländisches\nUnternehmen im Deutschland der damaligen Zeit doch beachtlich entwickeln\nund die jüdische Cigarrenfabrik Geska erwerben konnte.\n2. Entgegen dem Eindruck, den die Jubiläumsschrift erwecke, sei es Max und\nHans Villiger bis in die ersten Kriegsjahre möglich gewesen, die deutschen\nGeschäftsniederlassungen zu besuchen. Die Frage, bis wann die damaligen\nGeschäftsinhaber ihre Filialen in Deutschland aufgesucht haben, wurde\nvon verschiedenen in der Sendung zu Worte kommenden (ehemaligen)\nMitarbeitern kontrovers beantwortet: Während die einen sich an Besuche\nbis spätestens 1940 erinnern konnten, glaubten andere, Max und Hans Villiger\nhätten die deutschen Niederlassungen bis 1944 aufgesucht.\nHeinrich Villiger, befragt zum Aspekt der persönlichen Geschäftsbeziehungen\nseines Vaters beziehungsweise Onkels zu den Filialen in Deutschland, glaubte\nsich aus Erzählungen seines Vaters erinnern zu können, dass die beiden\ndamaligen Firmeninhaber vermutlich 1940/1941 letztmals nach Deutschland\neinreisen durften; die damaligen Machthaber hätten von seinem Vater\nInformationen über die Schweizer Wirtschaft und Armee verlangt, was dieser\nabgelehnt habe; von da weg sei die Einreise nach Deutschland nicht mehr\nmöglich gewesen. Die Filialen in Deutschland seien dann eigenmächtig von\ndeutschen Mitarbeitern geführt worden.\n3. Gemäss Recherchen der Autoren der Sendung und entgegen der Feststellung\nin der Jubiläumsschrift seien zwar die beiden Fabriken in München Ende des\nKrieges zerstört worden, die übrigen fünf Niederlassungen hätten indessen,\nwenn auch reduziert, bis Kriegsende weiterproduziert.\nHeinrich Villiger gestand zwar zu, dies sei in der Firmenchronik\nwahrscheinlich etwas extensiv ausgelegt worden. Nebst der Zerstörung der\nbeiden Münchner Werke seien indessen die Tabakvorräte von den Franzosen\nbei Kriegsende beschlagnahmt worden.\nAuf die Frage an Heinrich Villiger zu dessen Verhältnis zur\nGeschichtsschreibung, vertrat auch dieser die Auffassung, die Darstellung\nhabe den Fakten zu entsprechen; indessen sei in Rechnung zu stellen, dass\n\n"}