{"Signatur": "CH_VB_008", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2013-07-03", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_008_150000284_2013-07-03.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000284.pdf?ID=150000284", "Checksum": "65597310e8e6f577b13a905dcae9a24d"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000284"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 03.07.2013 150000284"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Conseil fédéral 03.07.2013 150000284"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Consiglio federale 03.07.2013 150000284"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Conseil fédéral"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Consiglio federale"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Conseil fédéral & Commission de recours interne des EPF (CRIEPF)"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:17:37", "Checksum": "6bed28cae008aafa659d2bbe89479b1c", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 03.07.2013 150000284\n\n3.4.3 Gruppenklagen im Ausland\nBekannteste, aber zugleich auch umstrittenste186 Form der Gruppenklage ist die US-amerikanische187\nclass action. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Klage eines einzelnen oder mehrerer Kläger, mit der diese(r) als Repräsentant einer nach bestimmten Merkmalen identifizierten Gruppe von\nMitgliedern (der sogenannten class) einen Prozess führt und dabei sämtliche Ansprüche der Mitglieder gegenüber der beklagten Partei geltend macht. Das Ergebnis dieses repräsentativen Verfahrens\nist für sämtliche Mitglieder der class verbindlich – unter Ausschluss separater Individualklagen der\nMitglieder gegen die beklagte Partei –, ohne dass sie formal am Verfahren beteiligt sind, es sei denn,\ndiese erklärten ausdrücklich ihren Austritt aus dem Verfahren (opt out), soweit und sofern dies zulässig ist.188 Ausgehend von ihrer ursprünglichen hauptsächlichen Anwendung im Bereich der Durchsetzung der sogenannte civil rights finden Sammelklagen heute typischerweise auf dem Gebiet des Konsumentenrechts, der Massenschäden, dem Wettbewerbs- und Lauterkeitsrecht, dem Kapitalmarktrecht, dem Arbeits- und dem Umweltrecht Anwendung.189 Die wohl bekannteste und auch häufigste190\nForm der class action ist die zumeist auf Schadenersatz gerichtete sogenannte common question\nclass action nach Rule 23 (b) Ziffer (3) FRCP191 der bundesrechtlichen Ausgestaltung. In den meisten\nFällen werden Sammelklagen mittels Vergleich erledigt.192 Darin wird denn gerade auch eine grosse\nMissbrauchsgefahr gesehen, indem Beklagte zu Vergleichen genötigt würden (sogenanntes legal\nblackmail).193 Nach herrschender Ansicht hängt das Missbrauchspotential der US class action jedoch\nweniger mit der Natur der Gruppenklage als vielmehr mit den materiell- und prozessrechtlichen Rahmenbedingungen in den USA zusammen, vorab der sogenannten American rule (kein Kostenersatzanspruch der siegreichen Partei), den sogenannten jury trails (Verhandlungen vor einer aus Laien\nzusammengesetzten Richterbank), der Möglichkeit zur Verurteilung zu sogenannten punitive damages\n(Strafschadenersatzzahlungen im Umfang eines Vielfachen des effektiven Schadens) und der Möglichkeit der sogenannten (pretrail) discovery (Beweiserhebung bzw. -ausforschung durch die Parteien\nmit umfassenden Auskunfts-, Einsichts- und Herausgaberechten bzw. -pflichten).194 Dieser rechtliche\nRahmen wird teilweise auch als sogenannter toxic cocktail bezeichnet.195\nRepräsentative Gruppenklagen existieren heute in vielen europäischen Ländern. Im Jahr 2003 ist in\nSchweden als erstem Land des kontinentaleuropäischen Rechtskreises196 ein Gruppenverfahrensgesetz in Kraft getreten,197 das eine repräsentative Gruppenklage mit opt in-Mechanismus vorsieht. Heute bestehen in folgenden Ländern zumindest sektorielle Gruppenklagen zur Geltendmachung von\n\n186 Vgl. zum teilweise zweifelhaften Ruf von US-Sammelklagen bspw. BAUMGARTNER, Class Actions, S. 114 ff.; GORDON-VRBA,\nS. 69 ff. sowie Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006, 7224, 7290 und EUROPÄISCHES PARLAMENT,\nEntschliessung des Europäischen Parlaments vom 2. Februar 2012 zum Thema «Kollektiver Rechtsschutz: Hin zu einem\nkohärenten europäischen Ansatz» (2011/2089[INI]).\n187 Vergleichbare Formen der Sammelklage wie in den USA existieren z.B. in Kanada und Australien, vgl. HESS, Aktuelle\nTendenzen, S. 144 sowie ausführlich MULHERON, Class Action.\n188 Vgl. ausführlich zum Institut der (amerikanischen) Sammelklage BAETGE/EICHHOLTZ, S. 287 ff.; BEUCHLER, S. 27 ff.; EICH-\nHOLTZ, S. 29 ff.; GORDON-VRBA, S. 12 ff.; GOTTWALD, Class Actions S. 1 ff.; GREER, S. 1 ff.; HOHL, S. 14 ff.; KLONOFF, S. 9\nff.; KOCH, Kollektiver Rechtsschutz, S. 1 ff.; PERUCCHI, Class actions, S. 489 ff.; PERUCCHI, Anerkennung und Vollstreckung,\nS. 5 ff.; ROMY, Litiges de masse, S. 87 ff.; ROMY, Class actions, S. 785 ff.; YEAZELL, S. 1 ff.\n189 Vgl. lediglich GORDON-VRBA, S. 27 ff.; BRUNS, S. 402.\n190 Vgl. dazu bspw. GORDON-VRBA, S. 48, wonach über 50 % aller Sammelklagen Schadenersatzklagen nach Rule 23(b)(3)\nFRCP seien.\n191 (US-amerikanische) Federal Rules of Civil Procedure (FRCP).\n192 Über 90 % aller Sammelklagen werden in den USA durch Vergleich erledigt; vgl. z.B. HESS, Anerkennung, S. 373; MUR-\nRAY, S. 98.\n193 So auch Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006, 7290.\n194 Vgl. nur aus der schweizerischen Literatur BÜHLER, S. 21, DOMEJ, S. 444, 449 f. und BOHNET, S. 185 sowie auch EBBING,\nS. 51; STADLER, Wider die Mär, S. 79; BRUNS, S. 407 ff.\n195 Bspw. STADLER, Wider die Mär, S. 79.\n196 Vgl. LINDBLOM, Group litigation, S. 27 und MICKLITZ/STADLER, Gruppenklagen, S. 141. Vgl. jedoch auch die bereits früher in\nKraft getretene Regelung in Portugal (dazu Fn 204 nachfolgend).\n197 SFS 2002:599 Lagen om grupprättegång (abrufbar in Englisch unter http://www.government.\nse/content/1/c6/02/77/67/bcbe1f4f.pdf [31.5.2013]). Vgl. dazu LINDBLOM, Sweden, S. 231 ff.; LINDBLOM, Group litigation,\nS. 7 ff.; VIITANEN, S. 219 ff.; MICKLITZ/STADLER, Gruppenklagen, S. 140 ff.; DROESE, S. 124 f.; GORDON-VRBA, S. 98 ff.\n\nVPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 20. Dezember 2013 88\nBericht Bundesrat\n\n"}