{"Signatur": "CH_VB_007", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2012-09-12", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_007_150000266_2012-09-12.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000266.pdf?ID=150000266", "Checksum": "62352b79813bb5075309cd3242e351b3"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000266"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) ETH-Beschwerdekommission 12.09.2012 150000266"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission de recours interne des EPF 12.09.2012 150000266"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione di ricorso dei PF 12.09.2012 150000266"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) ETH-Beschwerdekommission"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Commission de recours interne des EPF"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Commissione di ricorso dei PF"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Commission de recours interne des EPF (CRIEPF)"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:17:55", "Checksum": "18ed437cc239d135dd0bd7f16e14e691", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) ETH-Beschwerdekommission 12.09.2012 150000266\n\nUmweltschutz berufen11. In der Doktrin wird ferner betont, dass der Gesetzgeber bei der Frage, aus\nwelchem öffentlichen Interesse die Eigentumsgarantie beschränkt werden kann, einen weiten Beurteilungsspielraum habe12. Insbesondere ist er beim öffentlichen Interesse der Gewährleistung der\nSicherheit nicht an die – unter Umständen divergierenden – Meinungen von Fachleuten gebunden,\nmuss diese aber immerhin in Betracht ziehen.\n3. Die Wertgarantie bedeutet, dass bei Enteigungen und Eigentumsbeschränkungen, die einer Enteignung gleichkommen, volle Entschädigung zu leisten ist (formelle und materielle Enteignung). Somit\nstellt sich die Frage, ob ein vorzeitiger Ausstieg aus der Kernenergie zu einer materiellen Enteignung\nführen würde, was den Bund verpflichten würde, die Eigentümer der KKW zu entschädigen.\na. Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts liegt eine materielle Enteignung vor,\nwenn «l’usage actuel d’une chose ou son usage futur prévisible est interdit ou restreint de\nmanière particulièrement grave, de sorte que l’intéressé se trouve privé d’un attribut essentiel\nde son droit de propriété. Une atteinte de moindre importance peut aussi constituer une expropriation matérielle si elle frappe un ou plusieurs propriétaires d’une manière telle que, s’ils\nn’étaient pas indemnisés, ils devraient supporter un sacrifice par trop considérable en faveur de\nla collectivité, incompatible avec le principe de l’égalité de traitement. Dans l’un et l’autre cas, la\nprotection ne s’étend à l’usage futur prévisible que dans la mesure où il apparaît, au moment\ndéterminant, comme très probable dans un proche avenir. Par usage futur prévisible d’un bienfonds, on entend généralement la possibilité de l’affecter à la construction»13.\nIn der Doktrin14 werden die Voraussetzungen der materiellen Enteignung gestützt auf diese\nRechtsprechung (die sich auf Fälle bezieht, in denen ein Grundstück noch nicht genutzt wird)\nwie folgt umschrieben: Erstens muss eine besonders schwere Eigentumsbeschränkung vorliegen oder der betroffene Eigentümer müsste gegenüber der Allgemeinheit ein Opfer erbringen,\ndas mit der Rechtsgleichheit nicht zu vereinbaren wäre. Zweitens muss der künftige Gebrauch\ndes Eigentums, der untersagt oder beschränkt wird, voraussehbar sein. Dabei ist auf alle rechtlichen und tatsächlichen Gegebenheiten abzustellen, um zu beurteilen, ob ein Grundstück in\nnaher Zukunft hätte überbaut werden können15.\nIn Fällen, in denen eine Eigentumsbeschränkung durch ein polizeiliches Interesse motiviert\nwird, ist indessen keine Entschädigung geschuldet16. Darunter fallen z.B. Massnahmen zum\nSchutz der öffentlichen Ordnung und Sicherheit; dazu gehört auch der Schutz von Leben und\nGesundheit. Nach einem Teil der Doktrin17 muss der Begriff der polizeilichen Massnahmen in\ndiesem Zusammenhang restriktiv interpretiert werden; er erfasse nur Massnahmen gegen eine\nkonkrete, ernsthafte und unmittelbar drohende Gefahr. Nach dieser Auffassung wären also\nMassnahmen, die lediglich einer grundsätzlichen, generellen und abstrakten Gefahr zuvorkommen wollen, vom Prinzip der Entschädigungslosigkeit ausgenommen. Die Rechtsprechung lässt\nes jedoch zu, dass gewisse Eigentumsbeschränkungen auch ausserhalb polizeilich motivierter\nSchranken entschädigungslos hingenommen werden müssen; dies gilt namentlich für Massnahmen im Bereich der Raumplanung und des Umweltschutzes18.\nb. Der vorzeitige Ausstieg aus der Kernenergie würde das Eigentum der KKW-Betreiber und der\nEigentümer beschränken, denn sie wären in der Ausübung ihres Eigentums nicht mehr frei,\nsondern müssten die KKW vor dem Ablauf der vorgesehenen Betriebszeit stilllegen.\nSomit stellt sich die Frage, ob der vorzeitige Ausstieg aus der Kernenergie eine materielle Enteignung bewirken würde, was aufgrund der genannten Kriterien eine Entschädigungspflicht\nauslösen würde. Die Beurteilung dieser Frage ist auch davon abhängig, ob der Bau und Betrieb\nneuer KKW erlaubt bliebe oder nicht.\n\n11 Auer/Malinverni/Hottelier, a.a.O., S. 105.\n12 Vgl. Enrico Riva/Thomas Müller-Tschumi, Eigentumsgarantie, in: Thürer/Aubert/Müller, Verfassungsrecht der Schweiz,\nZürich 2011, § 48 N 18.\n13 BGE 131 II 151, E. 2.; vgl. auch BGE 125 II 431 mit weiteren Hinweisen.\n14 Hertig Randall, L’expropriation matérielle, in: La maîtrise publique du sol: expropriation formelle et matérielle, préemption,\ncontrôle du prix, Genève, Zurich, Bâle, 2009, S. 119–124.\n15 BGE 122 II 455, E. 4c.\n16 Auer/Malinverni/Hottelier, a.a.O., S. 398; BGE 122 II 17, E. 7b; BGE 120 Ib 76, E. 5a.\n17 Z.B. Hertig Randall, a.a.O., S. 124; Knapp, Précis de droit administratif, Bâle, 1991, S. 461; vgl. auch BGE 105 Ia 330,\nE. 3b.\n18 BGE 105 Ia 330, E. 3c.\n\nVPB/JAAC/GAAC/PAAF 2013, Ausgabe vom 18. September 2013 6\nGutachten EJPD, Bundesamt für Justiz\n\n"}