{"Signatur": "CH_VB_006", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1995-03-01", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_006_JAAC-60-135--_1995-03-01.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002966.pdf?ID=150002966", "Checksum": "7872df228a16974c61000579f6fa07ae"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 60.135 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 01.03.1995 JAAC 60.135 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public 01.03.1995 JAAC 60.135 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP) 01.03.1995 JAAC 60.135 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP)"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:29:33", "Checksum": "4f8525a2239b294d076b6b2333b853bf", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 01.03.1995 JAAC 60.135 \r\n\n JAAC 60.135\n\nDirektion für Völkerrecht, 1. März 1995; traduction\nfrançaise dans la Revue suisse de droit international\net de droit européen 5/1996, Pratique suisse 1995, N°\n4.2\n\nCadre de droit international public en matière d’octroi de visa et de\nprocédure d’entrée.\n\nVölkerrechtlicher Rahmen im Bereich der Visaerteilung und des\nEinreiseverfahrens.\n\nQuadro di diritto internazionale pubblico in materia di rilascio del\nvisto e di procedura d’entrata.\n\nIm Auftrag der «Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Visaerteilung, des\nErlasses von Fernhaltemassnahmen sowie der Wegweisung unerwünschter\nausländischer Staatsbürger» wurde der Direktion für Völkerrecht die Frage\ngestellt, ob und welche Rechtspflichten bei der Visumerteilung - in bezug\nauf Substanz und Verfahren - qua Völkerrecht einzuhalten seien. Diese\nuntersuchte gewohnheitsrechtliche und vertragliche Quellen und erteilte\nfolgende Stellungnahme.\nGemäss geltendem Völkergewohnheitsrecht besteht grundsätzlich keine\nRechtspflicht auf Gestattung der Einreise (vgl. zum folgenden namentlich:\nKarl Doehring, Aliens, Admission, in: Encyclopedia of Public International\nLaw, Bd. I, Amsterdam 1992, S. 107 f.; Ian Brownlie, Principles of Public\n\n1\nInternational Law, 4. Aufl., Oxford 1990, S. 519 f.; Knut Ipsen, Völkerrecht,\n3. Aufl., München 1990, S. 662 f.; Ignaz Seidl-Hohenveldern, Völkerrecht,\n6. Aufl., Köln 1987, S. 335 f.). Ausnahmen werden in der Lehre allenfalls für\nbestimmte Fälle postuliert, wo die Nichtzulassung zugleich eine Verletzung\nuniversell anerkannter Menschenrechtsstandards bedeutete - was zur Zeit\nlediglich bei klarer und unmittelbarer Bedrohung des Lebens angenommen\nwird (vgl. Doehring, a. a. O.). Anerkannt ist ferner, dass die Gründe zur\nEinreiseverweigerung prohibitiver sein können als die Bedingungen im\nAusweisungsfall (vgl. Seidl-Hohenveldern, a. a. O.). Jeder Staat kann die\nEinreisevoraussetzungen - positiver wie negativer Natur - souverän festlegen\nund souverän über deren Vorliegen entscheiden. Im Verweigerungsfalle\nbesteht insbesondere keine juristisch verbindliche Pflicht zur Begründung;\nimmerhin sind seitens gewisser internationaler Gremien Empfehlungen für\neine solche abgegeben worden (Doehring [a. a. O., S. 108] erwähnt namentlich\ndas «Institut de Droit International»).\nDie vorstehenden Überlegungen wirken analog für die Frage des sogenannten\n«diplomatischen Asyls» bzw. der vorübergehenden Schutzgewährung durch\neine Vertretung (vgl. die einschlägige EDA-Weisung vom 23. Dezember 1987;\nsowie H. Carrie, Das Diplomatische Asyl im gegenwärtigen Völkerrecht,\nDiss. 1993). Ein gewohnheitsrechtlich anerkanntes, universelles Recht\nauf Gewährung diplomatischen Asyls besteht nicht. Lediglich für extreme\nAusnahmefälle und unter strengen Auflagen wird in der Doktrin ein Recht des\nEntsendestaates (nicht aber ein Anspruch des Opfers) zur vorübergehenden\nSchutzgewährung in den diplomatischen Räumlichkeiten postuliert. Ziff. 5\nder erwähnten EDA-Weisung legt dabei folgendes Vorgehen in bezug auf die\nInformation eines Schutz- bzw. Asylsuchenden fest:\n«Wenn die vorübergehende Zuflucht vom Aufgenommenen benützt wird, um ein\nAsylgesuch zu stellen, übermittelt der Missionschef das Begehren zusammen mit\nseinem Bericht dem Delegierten für das Flüchtlingswesen (Art. 17 Asylgesetz[32]).\nEr informiert den Antragsteller, dass die Hinterlegung des Gesuchs ihm weder\nein subjektives Recht auf Aufenthalt in den Räumlichkeiten der Botschaft,\nnoch auf Einreise in die Schweiz gibt, um dort den Ausgang des Verfahrens\nabzuwarten. Er ruft ihm in Erinnerung, dass er die Botschaft verlassen muss,\nsobald die unmittelbare Gefahr aufgehört hat.»\nIm Völkervertragsrecht fallen namentlich die jeweiligen\n«non-refoulement»-Garantien gemäss Art. 33 der Genfer Flüchtlingskonvention\nvom 28. Juli 1951 (SR 0.142.30) sowie gemäss Art. 3 der Europäischen\nMenschenrechtskonvention (SR 0.101) in Betracht (vgl. Walter Kälin, Grundriss\ndes Asylverfahrens, 1. Aufl., Basel / Frankfurt am Main 1990, S. 210 ff.\nbzw. 232 ff.; Arthur Häfliger, Die Europäische Menschenrechtskonvention\nund die Schweiz, 1. Aufl., Bern 1993, S. 63 ff.); eine universelle Entsprechung\nder letztgenannten Wegweisungsschranke findet sich in Art. 3 des Übereink.\ngegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende\nBehandlung und Strafe vom 10. Dezember 1984 (SR 0.105; dazu: Walter Kälin,\nInternationale Menschenrechtsgarantien als Schranke der Revision von\nBundesverfassungsrecht, in: Aktuelle juristische Praxis [AJP] 3/93, S. 243 ff.\n[245 Anm. 21 f.]).\n\n"}