{"Signatur": "CH_VB_006", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1995-06-30", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_006_JAAC-60-134--_1995-06-30.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002963.pdf?ID=150002963", "Checksum": "64b9d03733515c00809ad98f63391067"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 60.134 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 30.06.1995 JAAC 60.134 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public 30.06.1995 JAAC 60.134 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP) 30.06.1995 JAAC 60.134 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP)"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:28:58", "Checksum": "bd657731c08da80a67b3a1ae96913b6e", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 30.06.1995 JAAC 60.134 \r\n\n JAAC 60.134\n\nDirektion für Völkerrecht, 30. Juni 1995; traduction\nfrançaise dans la Revue suisse de droit international\net de droit européen 5/1996, Pratique suisse 1995, N°\n4.1\n\nDroit de la nationalité. Réintégration automatique de personnes, qui\navaient perdu leur nationalité d’origine en acquérant la nationalité\nsuisse, dans leur nationalité d’origine en cas de retour au pays.\nProtection diplomatique.\n\nStaatsangehörigkeitsrecht. Automatische Reintegration von\nPersonen, die ihre ursprüngliche Nationalität bei Erwerb des\nSchweizerbürgerrechts verloren hatten, in ihre ursprüngliche\nNationalität im Falle ihrer Heimkehr. Diplomatischer Schutz.\n\nDiritto della cittadinanza. Reintegrazione automatica nella\ncittadinanza d’origine, in caso di rientro nel proprio Paese, di persone\nche avevano perso la cittadinanza d’origine al momento dell’acquisto\ndella cittadinanza svizzera. Protezione diplomatica.\n\nAufgrund einer Anfrage von Auslandschweizern prüfte die Direktion\nfür Völkerrecht die Frage, ob das Vorgehen eines ausländischen Staates\nvölkerrechtskonform ist, der in seiner Gesetzgebung eine automatische\n\n1\nRückbürgerung von ehemaligen Staatsangehörigen unter gewissen\nVoraussetzungen vorsieht. Die Direktion für Völkerrecht antwortete mit\nfolgender Stellungnahme.\n\n1. Zu den völkerrechtlichen Schranken des Staatsangehörigkeitsrechts\n\nDas Staatsangehörigkeitsrecht war historisch - und ist bis heute - Ausfluss\nder Souveränität der Staaten (Ruth Donner, The Regulation of Nationality\nin International Law, 2. Aufl., Irvington-on-Hudson N. Y. 1994, S. 1 ff.). Jeder\nStaat entscheidet daher grundsätzlich frei, unter welchen Voraussetzungen\ner wem seine Staatsangehörigkeit verleiht oder entzieht (Knut Ipsen,\nVölkerrecht, 3. Aufl., Bochum 1990, S. 300). Kollisionsrechtlich bedeutet dies,\ndass sich der Nachweis von Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit\ngrundsätzlich nach der lex causae, also der Rechtsordnung des fraglichen\nHeimatstaates richtet (Alexander Nikolaevic Makarov, Allgemeine Lehren\ndes Staatsangehörigkeitsrechts, 2. Aufl., Stuttgart 1962, S. 325; Karl Matthias\nMeessen, Encyclopedia of Public International Law, Bd. 8, Amsterdam /\nLondon / New York / Tokyo 1985, S. 425).\nAnerkannt ist andererseits, dass diese Souveränität - weil sie mit derjenigen\nanderer Staaten und unter Umständen auch mit menschenrechtlichen\nMindestgarantien kollidieren kann - völkerrechtlichen Schranken\nunterliegt (Bernhard Dubois, Die Frage der völkerrechtlichen Schranken\nlandesrechtlicher Regelung der Staatsangehörigkeit, 1. Aufl., Bern 1955;\nIgnaz Seidl-Hohenveldern, Völkerrecht, 6. Aufl., Köln 1987, S. 266 ff.). Die\nVölkerrechtspraxis, die sich zu diesem Thema entwickelt hat, ist seit dem\n1. Weltkrieg sehr umfangreich und verästelt geworden. In der neueren\nLiteratur wird sie häufig unter dem Leitprinzip «sufficient link» bzw. «genuine\nconnection» diskutiert (Nottebohm-Fall, Recueil de la Cour internationale\nde justice [CIJ] 1955, S. 4; Ian Brownlie, Principles of Public International\nLaw, 4. Aufl., Oxford 1990, S. 407 ff.). Unter diesem Stichwort werden die\nsachlich legitimen Kriterien der Anknüpfung verstanden, womit ein Staat\nseine Zuständigkeit begründen kann.\nEine der völkerrechtlich umstrittenen Fragen beschlägt die sogenannte\n«Zwangseinbürgerung» (Brownlie, a. a. O., S. 405 f.; Donner, a. a. O., S. 160 ff.;\nMakarov, a. a. O., S. 70 ff.). Die einschlägige Praxis umfasst einerseits Fälle, bei\ndenen die Anknüpfungspunkte für eine Naturalisierung objektiv besonders\nschwach sind (in Mexiko z. B. konnte bereits ein Liegenschaftserwerb genügen;\nvgl. Albrecht Randelzhofer, Encyclopedia of Public International Law, Bd. 8,\nStuttgart 1985, S. 419 f.) - andererseits solche, wo der entgegenstehende Wille\nder Betroffenen besonders ausgeprägt scheint - und überdies politische\nImplikationen eine Rolle spielen (z. B. bei Staatennachfolgen, Annexionen\nudgl.; vgl. Hohenveldern, a. a. O., S. 269 f.). In der jüngeren Gerichtspraxis\nscheint der Wille der Betroffenen tendenziell stärker berücksichtigt zu werden\n(vgl. Donner, a. a. O., S. 161 ff. zur deutschen Rechtsprechung); gleiches gilt für\ndie Doktrin (vgl. z. B. Alfred Verdross / Bruno Simma, Universelles Völkerrecht,\n3. Aufl., Berlin 1984, § 1195).\nDer Wille des einzelnen ist allerdings nur einer unter vielen anerkannten\nGesichtspunkten, und es kann heute nicht gesagt werden, dass ihm eine\nunabdingbare Bedeutung im Völkerrecht zukomme. Viele Leitprinzipien\n\n2\ndes Staatsangehörigkeitsrechts (jus sanguinis, jus soli, Statusänderung durch\nHeirat, Adoption udgl.) berücksichtigen den Willen nicht, oder wenigstens\nnicht primär. Ein Beispiel lieferte bis Ende 1991 die Bürgerrechtsregelung\nder Schweiz, wonach die Verleihung des Schweizer Bürgerrechts von\nder ausländischen Gattin eines Schweizers nicht ausgeschlagen werden\nkonnte (vgl. Ipsen, a. a. O., S. 303 Rz. 12, der die gegenteilige Anordnung des\nUN-Übereinkommens über die Staatsangehörigkeit verheirateter Frauen\nerwähnt, welche aber zur Zeit noch kein Gewohnheitsrecht darstellen dürfte).\nEine eigene Kasuistik hat sich mit der Frage des Widerrufs von\nAusbürgerungserlassen bzw. der kollektiven Ausbürgerungen entwickelt,\ndies namentlich im Anschluss an die Staatsangehörigkeitsbereinigung\ndurch Deutschland nach dem 2. Weltkrieg (Donner, a. a. O., S. 168 ff.). Die\nsogenannte «Rückbürgerung» oder «Reintegration» konnte im Falle der\ndeutschen Gesetzgebung ausgeschlagen werden (Seidl-Hohenveldern, a. a. O.,\nS. 272, Rz. 1334; Ipsen, a. a. O., S. 303 Rz. 11). Ein besonderes Problem bildete\ndabei die Frage, ob solche Rückbürgerungen Rückwirkungen entfalten können.\n\n2. Schlussfolgerungen für den diplomatischen Schutz\n\n"}