{"Signatur": "CH_VB_006", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1994-07-14", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_006_JAAC-59-156--_1994-07-14.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002546.pdf?ID=150002546", "Checksum": "a59b1ab3f1af904d4dd662536aeddedf"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 59.156 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 14.07.1994 JAAC 59.156 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public 14.07.1994 JAAC 59.156 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP) 14.07.1994 JAAC 59.156 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP)"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:29:58", "Checksum": "1fb67c31aeb671ef96e7efb865403b52", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 14.07.1994 JAAC 59.156 \r\n\n JAAC 59.156\n\nDirektion für Völkerrecht, 14. Juli 1994; traduction\nfrançaise dans Revue suisse de droit international et\nde droit européen 5/1995, Pratique suisse 1994, N°\n5.3, p. 38\n\nRelations consulaires. Interdiction des actes de puissance publique sur\nle territoire d’Etats étrangers.\nInadmissibilité de la perception, par l’ambassade de\nBosnie-Herzégovine, d’un impôt sur le revenu de ressortissants\nbosniaques domiciliés en Suisse.\n\nKonsularische Beziehungen. Verbot von Hoheitsakten auf fremdem\nStaatsgebiet.\nUnzulässigkeit der Erhebung einer Steuer auf das Einkommen\nvon in der Schweiz ansässigen Bosniern durch die Botschaft\nBosnien-Herzegowinas.\n\nRelazioni consolari. Divieto d’atti di sovranità sul territorio di uno\nStato estero.\nInammissibilità della riscossione di un’imposta sul reddito dei\ncittadini bosniaci, domiciliati in Svizzera, da parte dell’ambasciata di\nBosnia-Erzegovina.\n\n1\nDie Direktion für Völkerrecht wurde befragt über die Rechtmässigkeit der\nErhebung einer Steuer auf das Einkommen von in der Schweiz ansässigen\nBosniern durch die bosnische Botschaft in Anwendung eines Gesetzes über\nAbwehr und Wiederaufbau der Republik Bosnien-Herzegowina. Die Direktion\nfür Völkerrecht nahm wie folgt Stellung:\n\nI. Verbot von Hoheitsakten auf fremdem Staatsgebiet\n\nAuf der Souveränität der Staaten beruht deren «souveräne Gleichheit»[52].\nAufgrund dieses völkerrechtlichen Prinzips ist ein Staat grundsätzlich\nnicht berechtigt, auf dem Gebiet eines anderen Staates Hoheitsakte zu\nsetzen. Hoheitsakte auf fremdem Staatsgebiet berühren die Staatsgewalt\ndes Territorialstaates, da diesem allein die Ausübung der Herrschaftsgewalt\nin seinem Gebiet zusteht. Der Ständige Internationale Gerichtshof hat diesen\nGrundsatz im sogenannten Lotus-Fall erwähnt: «...la limitation primordiale\nqu’impose le droit international à l’Etat est celle d’exclure - sauf l’existence\nd’une règle permissive contraire - tout exercice de sa puissance sur le territoire\nd’un autre Etat.»[53] Eine Ausnahme von dieser Regel besteht nur in den\nFällen, in denen sich solche Handlungen im Gebiet des betreffenden Staates\nin keiner Weise auswirken. Ein Eingriff jedoch, der sich im Gebiet des\nbetreffenden Staates tatsächlich auswirkt, ist verboten. Die Steuererhebung\nist zweifelsohne ein klassischer Hoheitsakt, der einer Behörde oder einem\nBeamten zukommt und ist somit auf fremden Staatsgebiet völkerrechtlich\nverboten, sofern keine Einwilligung des betroffenen Staates vorliegt.[54]\nDie Ausübung von Zwang bei der Durchführung solcher Hoheitsakte ist\nkeine Voraussetzung der Rechtswidrigkeit. Auch derjenige Staat begeht\neine unerlaubte Handlung, der im fremdem Territorium seine Ziele ohne\nZwangsmittel zu erreichen versucht. Die Einwilligung einer Privatperson, im\nvorliegenden Fall eines in der Schweiz ansässigen bosnischen Staatsbürgers,\nist deshalb irrelevant. Sonst würde die Einwilligung der Privatperson,\ngegenüber der sich die Akte richtet, für die Völkerrechtskonformität einer\nhoheitlichen Handlung im Ausland entscheidend sein. Die Gebietshoheit\nist aber ein Recht des Staates, über das eine Privatperson nicht entscheiden\nkann.[55]\nAuf Grund des oben Gesagten nimmt die Schweiz eine konsequente Haltung\nhinsichtlich ihrer Souveränität ein. Diese konsequente Haltung kommt\nunter anderem in Art. 271 Abs. 1 StGB zum Ausdruck, demzufolge sich\nstrafbar macht, wer auf schweizerischem Gebiet ohne Bewilligung für einen\nfremden Staat Handlungen vornimmt, die einer Behörde oder einem Beamten\nzukommen, oder wer solchen Handlungen Vorschub leistet. Es liegt nicht\nan, uns darüber zu äussern, inwieweit diese Bestimmung im vorliegenden\n\n2\nFall zur Anwendung gelangt. Es ist aber anzuführen, dass die Mitarbeiter\nder bosnischen Botschaft auf Grund der diplomatischen und konsularischen\nImmunität nicht belangt werden könnten.\n\nII. Das Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen\n\n"}