{"Signatur": "CH_VB_006", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2006-11-22", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_006_150000203_2006-11-22.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000203.pdf?ID=150000203", "Checksum": "1401df7c8af0fed73ac15d076b67ebff"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000203"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 22.11.2006 150000203"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public 22.11.2006 150000203"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP) 22.11.2006 150000203"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP)"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:19:50", "Checksum": "567174a2d23459fcd8e67f52de0d159a", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 22.11.2006 150000203\n\n d) Systematische Auslegung ....................................................................... 135\n\ne) Zwischenergebnis ................................................................................... 136\n\n3.2.2 Artikel 98 Absätze 1 und 2 BV (Banken und Finanzdienstleistungen in anderen\nBereichen) .................................................................................................... 136\n\na) Wortlaut................................................................................................... 136\n\nb) Historisch-systematische Auslegung ...................................................... 137\n\nc) Teleologische Auslegung ........................................................................ 138\n\nd) Zwischenergebnis ................................................................................... 138\n\n3.2.3 Artikel 99 BV (Geld- und Währungspolitik).................................................... 138\n\n3.3 Zwischenergebnis ......................................................................................... 138\n\n4. Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit im Sinn von Artikel 94 BV ................. 138\n\n5. Ergebnis ...................................................................................................... 140\n\nVPB/JAAC/GAAC 2009, Ausgabe vom 2. September 2009 131\nGutachten EJPD/Bundesamt für Justiz\n\n1. Fragestellung\nDas Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat das\nBundesamt für Justiz (BJ) gebeten, ein Gutachten zu folgenden zwei Fragen zu erstellen:\n\n1. «Benötigt die Weiterentwicklung der selbständigen Geschäftstätigkeit von PostFinance auf die\nBereiche Aktivgeschäft, Anlage und Vorsorge («Postbank») eine Verfassungsänderung?»\n2. «Benötigt die Weiterentwicklung der selbständigen Geschäftstätigkeit von PostFinance auf das\nHypothekengeschäft eine Verfassungsänderung?»\n\nZur Beantwortung dieser Fragen wird unter 2 die Frage der Zurechenbarkeit des Handelns der Post\n(beziehungsweise einer Postbank) zum Bund untersucht. Unter 3 wird die Fragestellung aus dem\nBlickwinkel der bundesstaatlichen Kompetenzverteilung beleuchtet, unter 4 aus demjenigen der Wirtschaftsfreiheit.\n\nNach den beiden Teilfragen (Aktivgeschäft, Anlage und Vorsorge einerseits, Hypothekengeschäft\nandererseits) differenziert das Gutachten nur dort, wo sich rechtliche Unterschiede ergeben.\n\nDie Beantwortung der Gutachtenfragen beruht auf der Annahme, dass die Schweizerische Post weiterhin eine Anstalt des Bundes sein wird und dass die PostFinance entweder ein Teil der Post bleiben\nwird oder allenfalls in eine nach Kapital und Stimmen mehrheitlich vom Bund kontrollierte Tochter-\nAktiengesellschaft ausgelagert würde1. Es versteht sich jedoch von selbst, dass die verfassungsrechtlichen Fragen sich kaum mehr stellen würden, wenn die PostFinance in eine mehrheitlich von Privaten\nbeherrschte privatrechtliche Aktiengesellschaft umgewandelt würde.\n\n2. Ausgangslage, rechtliche Stellung der\nSchweizerischen Post (Zurechnung des\nHandelns der Post zum Staat)\nArtikel 2 Absatz 1 des Bundesgesetzes über die Organisation der Postunternehmung des Bundes\n(Postorganisationsgesetz, POG, SR 783.1) lautet:\n\nUnter der Firma «Die Schweizerische Post» (Post) besteht eine selbständige Anstalt des öffentlichen\nRechts mit Rechtspersönlichkeit und Sitz in Bern.\n\nWie das Bundesamt für Justiz in seinem Gutachten vom 15. Oktober 2001 zu Handen der Schweizerischen Post ausgeführt hat, ist die Post ein Unternehmen des Bundes, welches unter den Begriff\n«Bund» subsumiert werden kann. Das Handeln der Post muss daher dem Bund zugerechnet werden2.\nDies hat zur Folge, dass die Post nicht nur ans Legalitätsprinzip, sondern auch an die übrigen Grundsätze des Staatshandelns (siehe insb. Art. 5 BV) gebunden ist.\n\nDie PostFinance wiederum ist heute ein rechtlich nicht verselbständigter Geschäftsbereich der Post,\nso dass das Gesagte für die PostFinance ebenfalls zutrifft: Das Handeln der PostFinance ist Handeln\ndes Bundes.\n\nAuch wenn die PostFinance als Aktiengesellschaft aus der Schweizerischen Post ausgegliedert, aber\nnach Kapital und Stimmen von der Post mehrheitlich beherrscht würde3, gälte das Gesagte, da die\nWahl der Rechtsform allein die rechtliche Zuordnung nicht beeinflusst4.\n\n1\nWie es zumindest zum Zeitpunkt der Begutachtung der Fragestellung geplant war.\n2\nVgl. auch Felix Uhlmann, Gewinnorientiertes Staatshandeln, Basel 1997, S. 23.\n3\nVgl. oben Fussnote 1.\n4\nVgl. Ivo Hangartner, St. Galler BV-Kommentar, Zürich etc. 2002, Art. 5 N. 3 (spezifisch zu den Grundsätzen\ndes Staatshandelns); Uhlmann a.a.O.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2009, Ausgabe vom 2. September 2009 132\nGutachten EJPD/Bundesamt für Justiz\n\n3. Bundesstaatliche Kompetenzverteilung im\nSinn der Artikel 3 und 42 Absatz 1 BV\n3.1 Braucht der Bund aufgrund der bundesstaatlichen\nKompetenzverteilung eine Verfassungsgrundlage, um\neine Postbank zu betreiben?\nGemäss Artikel 3 und Artikel 42 Absatz 1 BV bedarf der Bund einer Verfassungsgrundlage für jede Art\ndes Tätigwerdens. Besteht in einem Sachgebiet keine Verfassungsnorm, die dem Bund eine Kompetenz verleiht, so sind die Kantone zuständig5.\n\n"}