{"Signatur": "CH_VB_006", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2009-06-30", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_006_150000173_2009-06-30.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000173.pdf?ID=150000173", "Checksum": "eb545584514055dab6f9e3e733b1e4e2"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000173"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 30.06.2009 150000173"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public 30.06.2009 150000173"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP) 30.06.2009 150000173"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP)"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "DFJP, l’Office fédéral de la justice et Direction du droit international public du DFAE"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:18:53", "Checksum": "37589498f198c6d3544dd2c24a33b637", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 30.06.2009 150000173\n\n277\nOb es bei der Anwendung von Art. 18 Abs. 1 und 2 BWIS stets um eine Rechtsstreitigkeit im Sinne von Art.\n29a BV geht, kann somit offen bleiben.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2009, Ausgabe vom 2. Dezember 2009 316\nGutachten Giovanni Biaggini\n\nGegen die Mitteilung des EDSÖB im Sinne von Art. 18 Abs. 1 BWIS besteht kraft ausdrücklicher gesetzlicher Anordnung kein Rechtsmittel (Art. 18 Abs. 2 Satz 1 BWIS). Gemäss Art. 13 EMRK muss\nnicht ein förmliches Rechtsmittel zur Verfügung stehen. Eine «wirksame Beschwerde» bei einer «innerstaatlichen Instanz» (die kein Gericht zu sein braucht) reicht aus (vgl. vorne 2.b.).\n\nMan kann sich nun die Frage stellen, ob die Möglichkeit, an den EDSÖB und, gegebenenfalls, an den\nPräsidenten der zuständigen Abteilung des Bundesverwaltungsgerichts zu gelangen, eine wirksame\nBeschwerde im Sinne von Art. 13 EMRK darstellt. 278 Angesichts beschränkter Entscheidungskompetenzen ist dies fraglich. 279\n\nDie Frage kann freilich offen gelassen werden. Denn die Garantie gemäss Art. 13 EMRK gilt nicht\nabsolut (vgl. vorne 2.b.). Es stellt sich daher, ähnlich wie bei der Rechtsweggarantie gemäss Art. 29a\nBV, vorweg die Frage, ob der Gesetzgeber im (hier interessierenden) Bereich des Staatsschutzes\neine Ausnahme von der Garantie des Art. 13 EMRK vorsehen kann.\n\nWenn man sich die vorne zitierten Leitentscheidungen des EGMR in Sachen Klass und in Sachen\nRotaru vor Augen führt, dürfte eine Einschränkung, wie sie in Art. 18 BWIS vorgenommen wird,\ngrundsätzlich zu rechtfertigen sein. Für diese Annahme sprechen folgende Überlegungen:\n- Die Auslegung von Art. 13 EMRK «doit être en harmonie» mit der Auslegung der übrigen Bestimmungen. 280 Die Anwendung der Beschwerdegarantie darf nicht darauf hinauslaufen, dass die\nWirksamkeit von konventionsrechtlich zulässigen Geheimhaltungsmassnahmen unterlaufen wird.\n- Im vorliegenden Zusammenhang geht es um grundsätzlich legitime Geheimhaltungsinteressen von\nerheblichem Gewicht, die der Wahrung der nationalen Sicherheit dienen.\n- Die Geheimhaltung erscheint unter dem Aspekt des Art. 8 EMRK als notwendig und prinzipiell gerechtfertigt (vgl. 3.a.).\n- Art. 18 BWIS richtet einen Kontrollmechanismus ein, der eine Überprüfung der Rechtmässigkeit\nder Datenbearbeitung durch unabhängige Instanzen vorsieht (vgl. vorne 1.). 281 Die (rechtsmittelfreie) Mitteilung ermöglicht eine zweite Überprüfung.\n- Die Rechtsprechung des EGRM verlangt, dass wirksame Beschwerdemöglichkeiten greifen, wenn\ndie Geheimhaltungsinteressen bzw. die Geheimhaltung dahingefallen sind. 282 Diese Voraussetzung ist mit dem grundrechtskonform ausgelegten Art. 18 Abs. 6 BWIS erfüllt, der beim Dahinfallen\nder Geheimhaltungsinteressen ein Vorgehen nach Massgabe des DSG vorsieht (vgl. vorne 1.).\n\ndd. Im Urteil vom 6. Juni 2006 in Sachen Segerstedt-Wiberg und andere gegen Schweden – erwähnt\nin der bundesrätlichen Antwort auf die Motion Leutenegger Oberholzer (vgl. vorne 1.c.) – hat der\nEGMR in seinen Erwägungen zu Art. 13 EMRK die beiden Leiturteile Klass und Rotaru als Beleg für\ndie bisherige Rechtsprechung angeführt. 283 Die einschlägige Rechtsprechung wurde dabei, soweit\nersichtlich, in keiner Weise relativiert. Dies hängt auch mit der speziellen Fallkonstellation im Urteil\nSegerstedt-Wiberg zusammen. Dort ging es im Wesentlichen um den Anspruch auf Zugang zu\nStaatsschutzakten. Hinsichtlich vier der fünf beschwerdeführenden Parteien bejahte der EGMR eine\nVerletzung von Art. 8, 10 und 11 EMRK, weil es sich bei den – schliesslich zugänglich gemachten –\nfraglichen Informationen um Daten handelte, die von den Sicherheitsorganen nicht hätten aufbewahrt\nwerden dürfen. 284 In einem anderen Punkt verneinte der EGMR eine Verletzung von Art. 8 EMRK: Die\nschwedischen Behörden seien nicht verpflichtet gewesen, die Dossiers vollständig offen zu legen. 285\nSchliesslich bejahte der EGMR eine Verletzung von Art. 13 EMRK in Bezug auf alle fünf beschwerdeführenden Parteien.\n\n278\nZu dieser Frage vgl. den im Jahr 2006 ergangenen Entscheid der EDSK (Fn. 261), Erw. 5.c (ZBl 2007, 399 f.).\n279\nVon der EDSK offen gelassen (Eingabe beim EDSÖB) bzw. verneint (Eingabe bei der EDSK). Vgl. dazu den\nim Jahr 2006 ergangenen Entscheid (Fn. 261), Erw. 5.c (ZBl 2007, 399).\n280\nEGMR, Urteil vom 6. Juni 1978, Klass (Fn. 27), § 68. Auf diesen Gesichtspunkt geht der vorne (bei Fn. 261)\nzitierte Entscheid der EDSK nicht näher ein.\n281\nVgl. EGMR, Urteil vom 4. Mai 2000, Rotaru (Fn. 78), § 69 («un mécanisme objectif de contrôle peut être suffisant»).\n282\nVgl. EGMR, Urteil vom 6. Juni 1978, Klass (Fn. 27), § 68; EGMR, Urteil vom 6. Juni 2006, Segerstedt-Wiberg\n(Fn. 68), § 117 in fine.\n283\nVgl. EGMR, Urteil vom 6. Juni 2006, Segerstedt-Wiberg (Fn. 68), §§ 116, 121.\n284\nVgl. EGMR, Urteil vom 6. Juni 2006, Segerstedt-Wiberg (Fn. 68), §§ 8 ff., 87 ff., 107.\n285\nVgl. EGMR, Urteil vom 6. Juni 2006, Segerstedt-Wiberg (Fn. 68), §§ 99 ff.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2009, Ausgabe vom 2. Dezember 2009 317\nGutachten Giovanni Biaggini\n\n"}