{"Signatur": "CH_VB_006", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2009-06-30", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_006_150000173_2009-06-30.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000173.pdf?ID=150000173", "Checksum": "eb545584514055dab6f9e3e733b1e4e2"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000173"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 30.06.2009 150000173"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public 30.06.2009 150000173"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP) 30.06.2009 150000173"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP)"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "DFJP, l’Office fédéral de la justice et Direction du droit international public du DFAE"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:18:53", "Checksum": "37589498f198c6d3544dd2c24a33b637", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 30.06.2009 150000173\n\n b. Verfahrensrechtliche Garantien\nNeben den materiellen Garantien (hier insb. Anspruch auf Schutz persönlicher Daten bzw. auf Auskunftserteilung) bieten auch verfahrensrechtliche Garantien Schutz. So vermittelt Art. 29a BV (vgl.\nvorne II.4.i.) bei Rechtsstreitigkeiten einen Anspruch auf richterliche Beurteilung. Erfasst werden auch\nRechtsstreitigkeiten betreffend das Bestehen und den Umfang des Auskunftsanspruchs. Der Anspruch aus der Rechtsweggarantie gilt allerdings nicht absolut (vgl. Art. 29a Satz 2 BV).\n\nArt. 13 EMRK garantiert einen Anspruch auf eine wirksame Beschwerde. Die Bestimmung lautet:\n\nArt. 13 Recht auf wirksame Beschwerde\nJede Person, die in ihren in dieser Konvention anerkannten Rechten oder Freiheiten verletzt worden ist, hat\ndas Recht, bei einer innerstaatlichen Instanz eine wirksame Beschwerde zu erheben, auch wenn die Verletzung von Personen begangen worden ist, die in amtlicher Eigenschaft gehandelt haben.\n\nDas Recht auf eine wirksame Beschwerde gemäss Art. 13 EMRK geht in der Sache weniger weit als\nArt. 29a BV. So garantiert Art. 13 EMRK nicht den Zugang zu einem Gericht. Bei der wirksamen Be-\n265\nschwerde muss es sich zudem nicht zwingend um ein förmliches Rechtsmittel handeln. Entgegen\ndem Wortlaut von Art. 13 EMRK muss die EMRK nicht verletzt worden sein. Es genügt, wenn eine\nVerletzung der EMRK in vertretbarer Weise behauptet wird («grief défendable»).\n\n263\nAuch nicht hinsichtlich der Frage, ob der Gesuchsteller registriert ist oder nicht.\n264\nVgl. z.B. GRABENWARTER, EMRK, § 22 N. 10, 57; EGMR, Urteil vom 6. Juni 2006, Segerstedt-Wiberg und andere gegen Schweden (Fn. 68), §§ 70 ff., 99 ff.\n265\nZu Umfang und Inhalt des Anspruchs vgl. z.B. EGMR, Urteil vom 4. Mai 2000, Rotaru gegen Rumänien (Fn.\n78), §§ 67 ff.; EGMR, Urteil vom 6. Juni 2006, Segerstedt-Wiberg und andere gegen Schweden (Fn. 68), §§\n116 ff. (je mit weiteren Hinweisen); GRABENWARTER, EMRK, § 24 N. 160 ff.; RAINER J. SCHWEIZER, in: Internationaler Kommentar zur Europäischen Menschenrechtskonvention, 4. Lieferung Mai 2000, Art. 13.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2009, Ausgabe vom 2. Dezember 2009 313\nGutachten Giovanni Biaggini\n\nAuch der Anspruch aus Art. 13 EMRK gilt nicht absolut. 266 Eine Einschränkung kann sich unter anderem dann ergeben, wenn legitime staatliche Geheimhaltungsinteressen im Spiel sind. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat sich in seinem im Jahr 1978 ergangenen Leiturteil\nin Sachen Klass (worin es um die Zulässigkeit geheimer technischer Überwachungsmassnahmen\nging) zu dieser Frage wie folgt geäussert (Hervorhebungen hinzugefügt): 267\n\n«La Cour a déjà relevé que c’est le caractère secret des mesures qui rend malaisé, voire impossible pour\nl’intéressé d’exercer un recours, notamment aussi longtemps que dure la surveillance (paragraphe 55 cidessus). La surveillance secrète et ses implications sont des faits que la Cour, bien qu’à regret, a déclarés\nnécessaires, dans une société démocratique et dans la situation actuelle, à la sécurité nationale comme à la\ndéfense de l’ordre et à la prévention des infractions pénales (paragraphe 48 ci-dessus). Ainsi que la\nCommission l’a indiqué dans son rapport, toute interprétation de l’article 13 doit être en harmonie avec\nl’économie de la Convention car il faut lire cette dernière comme un tout. La Cour ne peut interpréter ou\nappliquer l’article 13 (art. 13) de manière à en arriver à un résultat équivalant, en fait, à annuler sa conclusion\nd’après laquelle le défaut de notification aux intéressés est compatible avec l’article 8 pour assurer l’efficacité\ndes mesures de surveillance (paragraphes 58-60 ci-dessus). Elle estime donc, en conformité avec ses\nconclusions au titre de l’article 8, que l’absence de notification n’entraîne pas une violation de l’article 13 dans\nles circonstances de la cause.\n[…] A partir de cette notification, diverses voies de recours – judiciaires – s’ouvrent à l’individu.»\n\nDiese mit legitimen Geheimhaltungsinteressen begründete Einschränkung des Rechts auf eine wirksame Beschwerde ergibt sich, wie man in der Lehre gesagt hat, gewissermassen «aus der Natur der\nSache». 268\n\nDie im Urteil Klass entwickelte Rechtsprechung zu Art. 13 EMRK wurde in späteren Entscheidungen\nbekräftigt, so insbesondere in dem im Jahr 2000 gefällten Urteil in Sachen Rotaru gegen Rumänien.\n\n«En outre, en matière de surveillance secrète, un mécanisme objectif de contrôle peut être suffisant aussi\nlongtemps que les mesures restent secrètes. Ce n'est qu'une fois les mesures divulguées que des voies de\nrecours doivent s'ouvrir à l'individu (ibidem [Urteil Klass], p. 31, §§ 70-71).»\n\nDie im Urteil Klass begründete und im Urteil Rotaru bekräftigte Rechtsprechung bildet nach wie vor\ndie massgebliche Leitlinie. 269 Daran hat sich, soweit ersichtlich, auch mit dem in der bundesrätlichen\nAntwort auf die Motion Leutenegger Oberholzer zitierten Urteil des EGMR vom 6. Juni 2006 in Sachen\nSegerstedt-Wiberg und andere gegen Schweden nichts geändert. 270\n\nZusammenfassend kann somit davon ausgegangen werden, dass der Anspruch auf eine wirksame\nBeschwerde (Art. 13 EMRK) nicht absolut gilt und im Bereich legitimer staatlicher Geheimhaltungsinteressen Einschränkungen erleiden kann. 271\n\n"}