{"Signatur": "CH_VB_006", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2009-06-30", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_006_150000173_2009-06-30.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000173.pdf?ID=150000173", "Checksum": "eb545584514055dab6f9e3e733b1e4e2"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000173"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 30.06.2009 150000173"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public 30.06.2009 150000173"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP) 30.06.2009 150000173"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFAE, Direction du droit international public"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) DFAE Direzione del diritto internazionale pubblico (DDIP)"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "DFJP, l’Office fédéral de la justice et Direction du droit international public du DFAE"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:18:53", "Checksum": "37589498f198c6d3544dd2c24a33b637", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 30.06.2009 150000173\n\n73\nVgl. auch Art. 18c E-BWIS betreffend Überwachung von Einrichtungen usw. Dritter. Ähnlich, aber etwas konziser Art. 4 BÜPF («wenn auf Grund bestimmter Tatsachen angenommen werden muss»). Vgl. auch Art. 270 der\nneuen eidgenössischen StPO.\n74\nDie Verbesserung der Möglichkeiten im Bereich der Früherkennung ist ein erklärtes Ziel der «BWIS II»-\nVorlage. Vgl. Botschaft «BWIS II», BBl 2007 5056, 5063.\n75\nAnders verhält es sich beim Schutz von Mitarbeitenden oder Quellen des Bundesamtes gemäss Art. 18b Bst. a\nund b E-BWIS (Abwehr einer konkreten Gefahr).\n76\nVgl. Botschaft «BWIS II», BBl 2007 5045 ff.\n77\nVgl. BGE 109 Ia 273, 295.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2009, Ausgabe vom 2. Dezember 2009 261\nGutachten Giovanni Biaggini\n\n«La Cour doit aussi se convaincre de l'existence de garanties adéquates et suffisantes contre les abus, car un\nsystème de surveillance secrète destiné à protéger la sécurité nationale comporte le risque de saper, voire de\ndétruire, la démocratie au motif de la défendre (arrêt Klass et autres précité, pp. 23-24, §§ 49-50).\nEn effet, pour que les systèmes de surveillance secrète soient compatibles avec l'article 8 de la Convention,\nils doivent contenir des garanties établies par la loi et qui sont applicables au contrôle des activités des\nservices concernés. Les procédures de contrôle doivent respecter aussi fidèlement que possible les valeurs\nd'une société démocratique, en particulier la prééminence du droit, à laquelle se réfère expressément le\npréambule de la Convention. Elle implique, entre autres, qu'une ingérence de l'exécutif dans les droits de\nl'individu soit soumise à un contrôle efficace que doit normalement assurer, au moins en dernier ressort, le\npouvoir judiciaire, car il offre les meilleures garanties d'indépendance, d'impartialité et de procédure régulière\n(arrêt Klass et autres précité, pp. 25-26, § 55). » 78\n\n3. Anforderungen an das gesetzgeberische Handeln\na. Drohender Funktionsverlust der Verhältnismässigkeitsprüfung\nEine Vorverlagerung des Einsatzes grundrechtsberührender polizeilicher Instrumente in den Bereich\nder (Früh-) Erkennung von Gefahren (Gefahrenerforschung; vgl. II.2.) hat Konsequenzen für die praktische Handhabung des Verhältnismässigkeitsprinzips. Denn die bewährten Kriterien der Verhältnismässigkeitsprüfung (vgl. vorne I.4.e.) drohen ihre Massstabsfunktion einzubüssen:\n- Eignung: Für das frühe Erkennen von Gefahren (vgl. Art. 18a E-BWIS) erscheinen praktisch alle\nerdenklichen Informationen geeignet.\n- Erforderlichkeit: Solange eine konkrete Gefahr als Referenzpunkt fehlt, erscheint es aus präventivpolizeilicher Optik erforderlich, möglichst viele Informationen zu sammeln.\n- Zumutbarkeit: Und wie sollte das Beschaffen und Bearbeiten von Informationen unzumutbar sein,\nwenn es gilt, terroristische Anschläge wie jene von New York, Madrid oder London zu verhindern? 79\n\nUnter diesen Rahmenbedingungen fällt es schwer, die Verhältnismässigkeit einer Massnahme gestützt auf die hergebrachten Kriterien zu verneinen. Dies betrifft nicht nur die Arbeit der vollziehenden\nStellen, sondern auch die präventive Kontrolle (insb. Genehmigungsinstanz) und die nachträgliche\nKontrolle (Rechtsschutz). Die Vorverlagerung des polizeilichen Handelns in ein Vorfeld (blosser Gefahrenverdacht) und die damit einhergehende Herabsetzung der Eingriffsschwelle (vgl. vorne II.1.) hat\nzur Folge, dass das Verhältnismässigkeitsprinzip als wichtiges und bewährtes Mittel zur rechtsstaatlichen Begrenzung staatlichen Handelns an normativer Kraft und Wirksamkeit verliert.\n\nEs ist vor diesem Hintergrund sehr zu begrüssen, dass der Gesetzesentwurf an verschiedenen Stellen\ndie Einhaltung des Verhältnismässigkeitsprinzips bzw. seiner Teilgehalte anmahnt und damit die\nWichtigkeit dieses Grundsatzes unterstreicht (so insbesondere in Art. 18b E-BWIS). Diese zum Teil\nausdrücklichen Bezugnahmen auf das Verhältnismässigkeitsprinzip können freilich nicht ungeschehen\nmachen, dass die Anwendung dieses Grundsatzes unter erheblich erschwerten Bedingungen erfolgt.\nDer Blick auf zwei Regelungen in Art. 18b E-BWIS zeigt dies exemplarisch.\n- Bst. c verlangt, dass «die Informationsbeschaffung nach Artikel 14 erfolglos geblieben ist oder die\nBeurteilung der Gefährdung ohne den Einsatz der besonderen Mittel der Informationsbeschaffung\naussichtslos wäre oder unverhältnismässig erschwert würde». Hier wird zwar der Grundsatz der\nWahl des schonenderen Mittels (Kriterium der Erforderlichkeit) bekräftigt. Näher besehen normiert\ndie Bestimmung aber nur, was sich bereits aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip ergibt.\n- Bst. d verlangt, dass «das gewählte Mittel dem jeweiligen Fall angemessen ist und nur soweit als\nnötig in die Grundrechte Betroffener eingreift». Hier werden gleich zwei Gesichtspunkte der Verhältnismässigkeitsprüfung umschrieben («angemessen», «nur soweit als nötig»); dies allerdings,\nohne dass die Regelung damit (über Art. 36 BV hinaus) an normativer Substanz gewinnen würde.\n\nb. Art. 18b Bst. c E-BWIS als Beispiel\nDer drohende Funktionsverlust des Verhältnismässigkeitsprinzips (und das Dilemma der Rechtsanwendung) wird noch deutlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Überlegungen die rechtsan-\n\n78\nEGMR, Urteil vom 4. Mai 2000, Rotaru gegen Rumänien (Requête no 28341/95), § 59 (Hervorhebung hinzugefügt).\n79\nIn diesem Sinne POSCHER, Eingriffsschwellen, 345 ff., 349.\n\n"}