{"Signatur": "CH_VB_003", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2006-12-28", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_003_150000260_2006-12-28.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000260.pdf?ID=150000260", "Checksum": "79c8285cb3621269adb97ec903ebb2c3"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000260"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 28.12.2006 150000260"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ 28.12.2006 150000260"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG 28.12.2006 150000260"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "DFJP, Office fédéral de la justice"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:19:46", "Checksum": "4ad0bafd6c6a602632cebea1bc288ff8", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 28.12.2006 150000260\n\n3.3.2 Zwingendes Völkerrecht\nDie Botschaft von 1996 zu einer neuen Bundesverfassung gibt, was die Frage der materiellen\nSchranken der Verfassungsrevision betrifft, den damaligen Stand der Lehre wieder 43.\nBereits damals erachteten einige Autorinnen und Autoren das gesamte Völkerrecht, sei es nun zwingend oder vertraglich, als Schranke der Verfassungsrevision 44. Der Bundesrat hat sich dieser Auffassung jedoch sowohl anlässlich der Volksinitiative «für eine vernünftige Asylpolitik» wie auch in seiner\nBotschaft zur Nachführung der Bundesverfassung ausdrücklich nicht angeschlossen.\nSeit dem Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung haben verschiedene Autorinnen und Autoren\ndafür plädiert, nebst dem in der Botschaft des Bundesrates genannten ius cogens weiteres Völkerrecht als materielle Schranke der Verfassungsrevision anzuerkennen.\nYvo Hangartner etwa vertritt die Meinung, dass zu den «zwingenden Bestimmungen des Völkerrechts» im Sinne von Artikel 139 Absatz 2 BV auch die «faktisch zwingenden Bestimmungen des Völkerrechts» zu zählen seien, nämlich völkerrechtliche Verträge von «erheblicher Tragweite», die\nunkündbar oder einem Rücktritt nur beschränkt zugänglich sind, sowie Verträge von erheblicher\nTragweite, die formell zwar kündbar, faktisch aber unkündbar geworden sind 45. Der zwingende Charakter dieser Normen ergibt sich, gemäss Hangartner, aus einer Analogie mit dem zwingenden Charakter des ius cogens: Da sie nicht kündbar sind, hat die Schweiz keine Möglichkeit, sie nicht anzuwenden, wie sie auch keine Möglichkeit hat, das ius cogens nicht anzuwenden.\nWas die faktisch unkündbaren Verträge betrifft, so merkt Hangartner an, dass es sich dabei um\nAbkommen handelt, die aufgrund ihrer Tragweite faktisch unkündbar geworden sind, sodass ausgeschlossen ist, dass man nachträglich Vorbehalte dazu anbringt, und auch für die absehbare Zukunft\nausgeschlossen ist, dass man durch Neuverhandlungen eine Änderung bewirken könnte. Solche\nSchranken gibt es insbesondere bei globalen Abkommen von grosser Tragweite auch für die Schweiz.\nEin Beispiel wäre etwa das WTO-Abkommen 46.\n\n40 Hangartner, supra Fn. 33, Rz. 34.\n41 Vgl. Aldo Lombardi, Vorbemerkungen zu Art. 138-142, in: St. Galler Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 9 mit weiteren Hinweisen.\n42 André Grisel, A propos de la hiérarchie des normes juridiques, ZBl 1987, 377ff., 386. Vgl. auch die Hinweise bei Robert\nBaumann, Der Einfluss des Völkerrechts auf die Gewaltenteilung, Zürich/Basel/Genf 2002, S. 288, Fn. 1316.\n43 Botschaft 1996, S. 445 sowie die Verweise auf die Lehre in der Botschaft zur Volksinitiative «für eine vernünftige Asylpolitik», BBl 1994 III 1495f.\n44 Vgl. die in der Botschaft zur Volksinitiative «für eine vernünftige Asylpolitik» zitierten Autorinnen und Autoren, BBl 1994 III\n1486, 1495f., namentlich: Olivier Jacot-Guillarmod, La primauté du droit internationa face à quelques principes directeurs\nde l’Etat fédéral suisse, ZSR 1985, I. Hb., S. 416f.; Ulrich Häfelin/Walter Haller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht,\n3. Aufl., Zürich 1993, S. 298; Yvo Hangartner, Völkerrecht und Landesrecht, in: Recht, Staat und Politik am Ende des zweiten Jahrtausends, FS zum 60. Geburtstag von Bundesrat Arnold Koller, Bern/Stuttgart/Wien 1993, S. 675ff.\n45 Hangartner, supra Fn. 33, Rz. 29.\n46 Yvo Hangartner, Rechtsprobleme des Schächtverbots, in: AJP/PJA 9/2002 S. 1022ff., 1034.\n\nVPB/JAAC/GAAC/PAAF 2012, Ausgabe vom 1. Mai 2012 66\nBericht EJPD/Bundesamt für Justiz\n\n"}