{"Signatur": "CH_VB_003", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2011-03-18", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_003_150000239_2011-03-18.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000239.pdf?ID=150000239", "Checksum": "7266cac7f1e47819149d630202831376"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000239"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 18.03.2011 150000239"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ 18.03.2011 150000239"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG 18.03.2011 150000239"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "DFJP, Office fédéral de la justice"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:18:24", "Checksum": "352c687282c1f9c6e3fce96486d77acd", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 18.03.2011 150000239\n\nDiese Regelung wurde im Jahr 2009 wieder aufgehoben.57 Weiter wurde 1988 eine Altersgrenze von\n55 Jahren dahingehend eingeführt, dass Ärztinnen und Ärzte ab diesem Alter grundsätzlich nicht mehr\nneu zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen wurden.58 Die letztgenannte Altersgrenze wurde\nvom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) als mit dem Grundgesetz vereinbar erachtet.59 Mit der inzwischen aufgehobenen Höchstaltersgrenze von 68 Jahren (§ 95 Abs. 7, Satz 3 SGB V) befasste sich\ndas BVerfG ebenfalls und befand sie ebenfalls als grundgesetzkonform.60 Der Europäische Gerichtshof (EuGH) befand demgegenüber diese Altersgrenze als eine mit dem EU-Recht unvereinbare Diskriminierung wegen des Alters. Er begründete dies u.a. mit der lückenhaften und inkonsistenten\nBegründung des Höchstalters durch den deutschen Gesetzgeber. Dem Diskriminierungsverbot steht\ninsbesondere entgegen, dass die Altersgrenze, die das einzige Ziel habe, die Gesundheit der Patientinnen und Patienten vor dem Nachlassen der Leistungsfähigkeit von Vertragsärztinnen und -ärzten,\ndie dieses Alter überschritten haben, zu schützen, nur für Vertragsärztinnen und -ärzte der Kassen\nnicht aber generell für alle ärztlichen Tätigkeiten gelte.61\n\n4.1.3 Notarinnen/Notare\nDie Organisation der öffentlichen Beurkundung ist Sache der Kantone; dementsprechend ist das\nNotariatssystem in den Schweizer Kantonen sehr unterschiedlich ausgestaltet. Die Kantone Genf,\nWaadt, Wallis, Freiburg, Neuenburg, Jura, Bern, Aargau, Basel-Stadt, Uri und Tessin kennen das\nlateinische Notariat, d.h. die freiberufliche, regulierte Tätigkeit der Notarinnen und Notare. Das reine\nAmtsnotariat kennen die Kantone Zürich, Thurgau und Appenzell-Ausserrhoden; die übrigen Kantone\nkennen gemischte Systeme, wobei in der Regel die Zuständigkeit nach Sachgebieten getrennt wird\n(Grundbuchgeschäfte sind dem Amtsnotariat vorbehalten) und nicht konkurrierend ist (Ausnahme:\nKanton Graubünden).62 Interessant sind vorliegend nur Altersgrenzen für das freie Berufsnotariat.\nEine Übersicht über solche Altersgrenzen besteht nicht.63 Nach den eigenen Nachforschungen des\nVerfassers kennen nur die Kantone Basel-Stadt (75 Jahre)64 und Neuenburg (70 Jahre)65 Altersgrenzen. Im Kanton Bern wurde eine vom Regierungsrat beantragte Altersgrenze66 von der vorberatenden\nKommission67 und in der Folge vom Grossen Rat klar abgelehnt.\nDas Bundesgericht hat sich sowohl mit der Altersgrenze im Kanton Neuenburg68 wie mit der Altersgrenze im Kanton Basel-Stadt69 befasst und beide als verfassungskonform erachtet. Das Bundesgericht erwog, die körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Menschen nähmen im Alter ab, so dass für\njede Notarin bzw. jeden Notar der Zeitpunkt komme, ab dem sie oder er gesundheitsbedingt nicht\nmehr Gewähr für eine tadellose Ausübung der übertragenen Funktion bieten könne.70 Obwohl sich\ndieser Moment durch eine periodische Überprüfung des körperlichen und geistigen Gesundheitszustands individuell bestimmen liesse, erachtet das Bundesgericht die Einführung einer einheitlichen\nAltersgrenze für alle praktizierenden Notarinnen und Notare als zulässig.71\nDas Bundesgericht ging bei seinem Leitentscheid bezüglich der Altersgrenzen für Notarinnen und\nNotare allerdings davon aus, dass es sich in den betreffenden Kantonen bei den Notarinnen und\nNotaren – anders als bei Anwältinnen und Anwälten oder Ärztinnen und Ärzten – nicht um die Ausübung eines freien, reglementierten Berufs handelt sondern um die Ausübung einer staatlichen Funkti-\n\n57 http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/33325/ (Stand: 15.03.2011).\n58 Gesetz zur Strukturreform im Gesundheitswesen (Gesundheits-Reformgesetz, GRG) vom 20. Dezember 1988\n(BGBl. I S. 2477).\n59 Vgl. BVerfGE 103, 172.\n60 BVerfG, 07.08.2007 – 1 BvR 1941/07.\n61 Urteil der Großen Kammer des Europäischen Gerichtshofs vom 12. Januar 2010 «Richtlinie 2000/78/EG – Art. 2 Abs. 5\nund Art. 6 Abs. 1 – Verbot der Diskriminierung wegen des Alters – Nationale Bestimmung, die das Höchstalter für die\nAusübung des Berufs eines Vertragszahnarztes auf 68 Jahre festlegt – Verfolgtes Ziel – Begriff ‹für den Gesundheitsschutz\nerforderliche Maßnahme› – Kohärenz – Geeignetheit und Angemessenheit der Maßnahme, ABl. 2010, C 179/4.\n62 http://www.schweizernotare.ch/index.cfm?oid=1222&lang=de (Stand: 15.03.2011).\n63 Übereinstimmende Auskünfte des Schweizerischen Notarenverbands und des Instituts für Notariatsrecht der Universität\nBern.\n64 § 8 Abs. 1 des Notariatsgesetzes des Kantons Basel-Stadt vom 18. Januar 2006 (292.100), vom Eidg. Justiz- und Polizeidepartement am 11. Mai 2006 genehmigt.\n65 Art. 62 Loi sur le notariat (LN) du 26 août 1996.\n66 Vgl. Vortrag des Regierungsrates an den Grossen Rat betreffend das Notariatsgesetz (NG), Tagblatt des Grossen Rates\n2005, Beilage 30, S. 8.\n67 Vgl. Medienmitteilung vom 11. Juli 2005.\n68 BGE 124 I 297.\n69 BGE 133 I 259.\n70 Vgl. BGE 124 I 297 E. 4c, S. 301; 133 I 259, E. 4.2.\n71 Vgl. BGE 124 I 297 E. 4c, S. 301; 133 I 259, E. 4.2.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2011, Ausgabe vom 3. August 2011 18\nGutachten Daniel Kettiger\n\non, die jener der Staatsangestellten gleichzustellen sei.72 Insofern ist unklar und wird allenfalls vertieft\nzu prüfen sein, ob und wie weit die Erwägungen des Bundesgerichts auf die Tätigkeit der im Geometerregister eingetragenen Personen übertragen werden können.\n\n"}