{"Signatur": "CH_VB_003", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2011-03-18", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_003_150000239_2011-03-18.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000239.pdf?ID=150000239", "Checksum": "7266cac7f1e47819149d630202831376"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000239"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 18.03.2011 150000239"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ 18.03.2011 150000239"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG 18.03.2011 150000239"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "DFJP, Office fédéral de la justice"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:18:24", "Checksum": "352c687282c1f9c6e3fce96486d77acd", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 18.03.2011 150000239\n\n2.2 Vereinbarkeit mit dem Diskriminierungsverbot\nGesetzliche Altersgrenzen führen dazu, dass Menschen alleine auf Grund ihres Alters (d.h. des\nMerkmals Alter) ungleich behandelt werden.14 Die Verfassungsmässigkeit von Altersschranken beurteilt sich somit hauptsächlich auf der Grundlage des Diskriminierungsverbots von Art. 8 Abs. 2 BV.\nArt. 8 Abs. 2 BV verbietet ausdrücklich die Diskriminierung auf Grund des Alters. Das Merkmal des\nAlters wurde erst während der parlamentarischen Beratungen in die BV aufgenommen.15 Der Diskriminierungsschutz der Bundesverfassung geht diesbezüglich teilweise über den Schutz des Völkerrechts hinaus.16 Das Diskriminierungsverbot soll einerseits den Mitgliedern bestimmter gesellschaftlicher Gruppen (hier ältere Menschen) unmittelbar Schutz vor Ausgrenzung und Herabwürdigung\ngewährleisten und andererseits – in einer längerfristigen Perspektive – verhindern, dass sich gesellschaftliches Denken mit stereotypen Rollenzuteilungen entwickelt, das sich zum Nachteil, dieser\nGruppen in rechtlichen Regelungen niederschlägt.17 Der Schutz von Art. 8 Abs. 2 BV beschränkt sich\nnicht auf das Verbot einer diskriminierenden Behandlung wegen der Gruppenzugehörigkeit im Einzelfall, sondern begründet die Vermutung, dass die Anknüpfung an das Merkmal verbotener Diskriminierung und die damit verbundene Sonderbehandlung auf Grund der Gruppenzugehörigkeit – hier des\nAlters – allgemein unzulässig ist.18\nDie Anknüpfung an ein verpöntes Merkmal ist nicht absolut unzulässig. Die Vermutung der Diskriminierung kann widerlegt und damit eine Sonderbehandlung auf der Grundlage eines Merkmals gerechtfertigt werden.19 Dem Gemeinwesen obliegt in diesem Falle aber eine qualifizierte Begründungs-\npflicht20; sachliche und vernünftige Gründe für den Grundrechtseingriff genügen nicht, es sind «triftige\nund ernsthafte Gründe»21 notwendig: Es muss nachgewiesen werden, dass die Sonderbehandlung\n(kumulativ) «ein überwiegendes Interesse des Gemeinwohls verfolgt und dafür geeignet und erforderlich ist, und dass die im konkreten Fall durch Sonderbehandlung verfolgten Interessen die entgegenstehenden Interessen der Betroffenen an gleicher Behandlung überwiegen»22. Besonders strenge\nAnforderungen gelten bei Merkmalen, die in der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) als «suspect category» bezeichnet werden (z.B. Geschlecht, Herkunft, uneheliche\nGeburt, sexuelle Orientierung, Religion).23 Das Alter als Merkmal gehört nicht dazu.24 Das Verbot der\n\n9 Vgl. Postulat 97.3614 Maury Pasquier, Mitglieder ausserparlamentarischer Kommissionen, Aufhebung der Altersbegrenzung.\n10 Vgl. SCHEFER/RHINOW (Fn. 7), Rz. 62 ff.\n11 Vgl. Motion 97.3381 Rychen, Pensionierung der Ärzte; BERNHARD WALDMANN, Altersgrenzen im Recht, in: Peter Hänni\n(Hrsg.), Mensch und Staat, Festschrift Thomas Fleiner, Freiburg 2003, S. 479 f.; siehe auch nachfolgend Ziffer 4.1.2.\n12 Vgl. nachfolgend Ziffer 4.1.3.\n13 Vgl. BGE 124 I 297; siehe nachfolgend Ziffer 4.1.3.\n14 In diesem Sinne auch WALDMANN (Fn. 11), S. 471.\n15 Vgl. JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 722.\n16 So nennen weder die EMRK noch der UNO-Pakt II das Alter ausdrücklich als verbotenes Diskriminierungsmerkmal, der\nUNO-Menschenrechtsausschuss anerkennt aber das Alter als ungeschriebenen Diskriminierungstatbestand im Rahmen\nvon Art. 26 UNO-Pakt II, vgl. dazu MÜLLER/SCHEFER (Fn. 15), S. 722, mit Hinweisen.\n17 Vgl. MÜLLER/SCHEFER (Fn. 15), S. 687.\n18 Vgl. MÜLLER/SCHEFER (Fn. 15), S. 692; WALDMANN (Fn. 11), S. 472.\n19 Vgl. MÜLLER/SCHEFER (Fn. 15), S. 693; WALDMANN (Fn. 11), S. 472.\n20 Vgl. WALDMANN (Fn. 11), S. 472, mit Hinweis auf BGE 126 II 377, S. 393; GIOVANNI BIAGGINI, Kommentar BV, Zürich 2007,\nArt. 8, Rz. 23, mit Hinweisen; RAINER J. SCHWEIZER, St. Galler Kommentar, 2. Aufl., Art. 8, Rz. 48.\n21 WALDMANN (Fn. 11), S. 472.\n22 MÜLLER/SCHEFER (Fn. 15), S. 693 f.\n23 Vgl. SCHWEIZER (Fn. 20), Art. 8, Rz. 44 und 48.\n24 Vgl. SCHWEIZER (Fn. 20), Art. 8, Rz. 48.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2011, Ausgabe vom 3. August 2011 13\nGutachten Daniel Kettiger\n\n"}