{"Signatur": "CH_VB_003", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2008-03-03", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_003_150000167_2008-03-03.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000167.pdf?ID=150000167", "Checksum": "3787a74f09e641d5ae8e815e20b02f2f"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000167"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 03.03.2008 150000167"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ 03.03.2008 150000167"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG 03.03.2008 150000167"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "DFJP, Office fédéral de la justice"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:19:17", "Checksum": "586e0c7ad9b8552fa26163645b5af814", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 03.03.2008 150000167\n\nRechtliche Grundlagen:\nArt. 92-94 Bundesverfassung (BV, SR 101);\nArt. 2 und 3 Telekommunikationsunternehmungsgesetz (TUG, SR 784.11);\nRadio- und Fernsehgesetz (RTVG, SR 784.40) passim\nBase juridique:\nArt. 92-94 Constitution fédéral (Cst., RS 101);\nArt. 2 et 3 Loi sur l'entreprise de télécommunications (LET, RS 784.11);\nLoi fédérale sur la radio et la télévision (LRTV, RS 784.40)\nBasi legali:\nArt. 92-94 della Constituzoine federale (Cost., RS 101);\nArt. 2 e 2 Legge sull'azienda delle telecomunicazioni (LATC, RS 784.11);\nLegge federale sulla radiotelevisione (LRTV, RS 784.40)\n\nVPB/JAAC/GAAC 2009, Ausgabe vom 2. Dezember 2009 220\nGutachten EJPD/Bundesamt für Justiz\n\n1. Sachverhalt und Fragestellung\nDie X. AG hält 66 % der Teleclub AG. Die Teleclub AG ist Veranstalterin eines kommerziellen Abonnementsfernsehens, das über Leitungen verbreitet wird. Zu prüfen\nist, ob die Swisscom AG eine Mehrheitsbeteiligung an der X. AG erwerben und damit\nindirekt auch die Teleclub AG beherrschen dürfte. Indirekt würde die Swisscom AG\ndamit zu einer (kommerziellen) Programmveranstalterin. Anzumerken ist dabei, dass\ndie Veranstaltung von Fernsehprogrammen, die über Leitungen verbreitet werden\nund für die kein Anteil an den Empfangsgebühren beansprucht wird, nach dem neuen RTVG (SR 784.40) keiner Konzessionspflicht, sondern bloss einer Meldepflicht\nunterliegt. 1 Ob das entsprechende Programm sich auf die Verbreitung von Spielfilmen beschränkt 2 oder im Sinne eines sog. Vollprogramms auch Informations- und\nSportsendungen enthält, ist einerlei. Deshalb wäre es verfehlt, die vorliegende Frage\nnur mit Blick auf das bestehende Programmangebot des Teleclubs zu beantworten.\nVielmehr ist im Auge zu behalten, dass die Swisscom AG, wenn sie den Teleclub\n(indirekt) unter ihre Kontrolle bringen könnte, diesen Kanal durchaus zu einem Vollprogramm oder zu einem Mischprogramm ausbauen könnte, das z.B. die Verbreitung von Spielfilmen mit attraktiven Sportsendungen kombiniert.\n\n2. Die Swisscom AG als spezialgesetzliche Aktiengesellschaft\nIn seinem Gutachten vom 24. März 2006 3 (S. 6 ff.) geht Prof. Forstmoser davon aus,\ndie Swisscom AG sei vom Gesetzgeber dem Privatrecht unterstellt worden. Deshalb\ngelte für sie u.a. die «Verhaltensfreiheit ... in den Schranken des statutarisch verankerten Gesellschaftszwecks.» Der statutarische Zweck der Swisscom AG entspreche\nArt. 3 TUG (SR 784.11). Dort habe der Gesetzgeber den Zweck der Gesellschaft\numschrieben, und zwar «so, wie üblicherweise der Zweck einer privatrechtlichen Gesellschaft festgesetzt wird: In einem ersten Absatz wird die Geschäftstätigkeit grob\nund weit umschrieben (Fernmelde- und Rundfunkdienste, sowohl im In- wie im Ausland, und damit zusammenhängende Produkte und Dienstleistungen). Ein zweiter\nAbsatz enthält eine Catch-all-Klausel, die alles erfasst, was mit dem bereits weit gefassten Gesellschaftszweck zusammenhängt, insbesondere (...) die Beteiligung an\nandern Gesellschaften.» (a.a.O. S. 9) Der Gesellschaftzweck sei «weit auszulegen»\n(a.a.O., Fn 16).\n\nDas Bundesamt für Justiz kann diese Sichtweise nicht teilen. Nach Art. 2 TUG ist die\nTelekommunikationsunternehmung des Bundes eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft (in der französischen Fassung «société anonyme de droit public»). Solche\nGesellschaften sind von privatrechtlichen Aktiengesellschaften zu unterscheiden. 4\nFür sie gilt primär der öffentlichrechtliche Grunderlass; die Vorschriften des OR sind\nsubsidiär – als ergänzendes öffentliches Recht – anzuwenden. 5 Eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft beruht – im Unterschied zur privatrechtlichen Aktiengesellschaft – nicht auf privatautonomer Willensfreiheit der sie gründenden Aktionäre, son-\n\n1\nDies ergibt sich aus Art. 3 in Verbindung mit Art. 38 und 43 RTVG.\n2\nZur Zeit besteht das Programm des Teleclubs zur Hauptsache aus der zeitgebundenen Wiedergabe von Spielfilmen.\n3\nBeteiligung der Swisscom AG an der X. AG. Das Gutachten ist der Swisscom AG erstattet worden.\n4\nVgl. Stefan Vogel, Die spezialgesetzliche Aktiengesellschaft, in: ZBl 2003 418 ff.\n5\nVgl. Vogel, a.a.O., S. 423; BGE 132 III 470, E. 3.3.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2009, Ausgabe vom 2. Dezember 2009 221\nGutachten EJPD/Bundesamt für Justiz\n\ndern sie verdankt ihre Existenz einem Akt des Gesetzgebers. Der Gesetzgeber gibt\nihr einen Zweck vor (eine damit übereinstimmende statutarische Zweckbestimmung\nist höchstens deklaratorischer Natur). Bei der Gründung einer spezialgesetzlichen\nAktiengesellschaft geniesst der Gesetzgeber nicht die gleichen Freiheiten wie die\nGründer einer privatrechtlichen Aktiengesellschaft. Vielmehr muss er dabei verfassungsrechtliche Vorgaben respektieren (siehe dazu sogleich, Ziff. 3 und 4). Weil dies\nso ist, sind diese verfassungsrechtlichen Vorgaben auch bei der Auslegung des untergeordneten Rechts heranzuziehen.\n\n"}