{"Signatur": "CH_VB_003", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2008-01-28", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_003_150000119_2008-01-28.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000119.pdf?ID=150000119", "Checksum": "1832384fc9d2c2fc3e6e031bf80dafe7"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000119"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 28.01.2008 150000119"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ 28.01.2008 150000119"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG 28.01.2008 150000119"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "DFJP, Office fédéral de la justice"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:19:20", "Checksum": "26b63003121f6a84c5780016b5ee0a88", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 28.01.2008 150000119\n\n179\nBGE 130 III 42 E. 3.2.1 S. 44; 129 I 249 E. 3 S. 253.\n180\nBGE 115 V 297 E. 2g/bb S. 304; KIENER/KÄLIN, S. 424 f.\n181\nVgl. vorne Ziff. IV. 6. b. bb. Siehe auch BELLWALD, S. 123 und S. 124.\n182\nBGE 126 I 97 E. 2b S. 102.\n183\nKiener/Kälin, S. 425.\n184\nVgl. auch BELLWALD, S. 130.\n185\nVgl. BGE 129 I 232 E. 3.2 S. 236.\n186\nVgl. dazu die Anforderungen des Bundesgerichts im Zusammenhang mit der Begründung von negativen Einbürgerungsentscheiden BGE 131 I 18 E 3.1.\n187\nSo auch das Bundesgericht im Zusammenhang mit der Begründung von negativen Einbürgerungsentscheiden\nBGE 132 I 196 E 3.1.\n188\nBGE 117 Ib 64 E. 4 S. 86.\n189\nKiener/Kälin, S. 426.\n190\nBei Einreichung eines Beratungsgegenstandes an die Vereinigte Bundesversammlung wird gemäss Art. 23\nAbs. 2 GRN bloss die formale Rechtsmässigkeit geprüft, nicht jedoch der Antragsinhalt. Indem die Herrschaft über die inhaltliche Ausgestaltung des Antrags wie über den Beratungsgegenstand bei der Antragsstellerin oder beim Antragssteller liegt, gilt beim Antragsrecht die Parteimaxime. Beachte dazu VON WYSS, S.\n151.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2008, Ausgabe vom 3. September 2008 379\nGutachten R. Kiener/B. Durrer/St. Fässler/M. Krüsi\n\ndd) Anspruch auf Vertretung und Verbeiständung (Art. 29 Abs. 2 BV)\nAus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) fliesst das Recht, sich in einem Verfahren auf eigene Kosten vertreten oder beraten zu lassen 191. Im Verfahren vor der Gerichtskommission\nist der betroffene Richter oder die betroffene Richterin folglich von Verfassung wegen berechtigt, einen selbst finanzierten Vertreter oder Beistand beizuziehen 192. Im Interesse der Transparenz weist die\nGerichtskommission die betroffene Richterin ausdrücklich auf das Recht zur Vertretung und Verbeiständung hin.\n\nc. Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 29 Abs. 3 BV), Rückerstattung von\nKosten\n\nDer Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege stellt eine prozessrechtliche Konkretisierung des allgemeinen Gleichheitssatzes (Art. 8 Abs. 1 BV) dar und ist zugleich Ausdruck der Verfahrensfairness (Art.\n29 Abs. 1 BV): Niemand soll vom Zugang zur Rechtspflege und von der effektiven Wahrung seiner\nRechte ausgeschlossen bleiben, nur weil die notwendigen finanziellen Mittel fehlen 193.\n\nDas Recht auf unentgeltliche Rechtspflege besteht in allen streitigen und nichtstreitigen staatlichen\nRechtsanwendungsverfahren, d.h. im Zivilprozess ebenso wie in Strafverfahren und in öffentlichrechtlichen Verfahren unter Einschluss der nicht streitigen Verfahren auf Erlass einer Verfügung 194.\nDieser Anspruch ist folglich auch für das Verfahren auf Nichtwiederwahl zu bejahen.\n\nDer Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege (Art. 29 Abs. 3 BV) umfasst einerseits den Anspruch\nauf unentgeltliche Prozessführung (Satz 1), andererseits den Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung (Satz 2).\n\nDer Anspruch auf unentgeltliche Prozessführung ist im parlamentarischen Verfahren ohne praktische Bedeutung:\n195\nIn diesem Verfahren können aufgrund des Legalitätsprinzips im Abgaberecht (Art. 127 Abs. 1 BV) – wie in\njedem anderen Rechtsanwendungsverfahren – nur dann Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn dafür eine\ngesetzliche Grundlage besteht. Da sich jedoch für den Fall einer Nichtwiederwahl eine solche nicht finden lässt,\nist von Kostenlosigkeit des Verfahrens auszugehen.\n\nAuch für die Bevorschussung von Anwaltskosten im Amtsenthebungsverfahren fehlt eine (direkt anwendbare) einfachgesetzliche Grundlage. Allerdings ergibt sich aus analoger Anwendung von Art. 65\nAbs. 1 und 2 VwVG sowie unmittelbar aus der Verfassung ein Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung, vorausgesetzt, die gesuchstellende Person ist bedürftig und das von ihr gestellte\nRechtsbegehren nicht aussichtslos. Die unentgeltliche Verbeiständung muss überdies sachlich notwendig sein, die Rechtssache also eine gewisse Komplexität aufweisen 196. Erforderlich ist sodann ein\nentsprechendes Gesuch der bedürftigen Partei 197. Sind diese Voraussetzungen gegeben, ist die Gerichtskommission zur Bevorschussung der Anwaltskosten verpflichtet. Im Amtsenthebungsverfahren\nwird es allerdings regelmässig an der sachlichen Notwendigkeit einer Verbeiständung fehlen, sind die\nBetroffenen doch Richterinnen und Richter.\n\nDie Verfassung garantiert nur ein Recht auf vorläufige Befreiung von den Kosten der eigenen Rechtsvertretung.\nSobald die bedürftige Partei zu genügendem Einkommen oder Vermögen kommt, besteht ein staatlicher Rückforderungsanspruch 198.\n\n191\nKELLER, § 225 Rz. 43; GRISEL, S. 201 Rz. 454; KIENER/KÄLIN, S. 426.\n192\nVgl. auch Art. 11 VwVG sowie Art. 168 Abs. 4 ParlG (betr. Recht auf Beizug eines Anwalts in Verfahren der\nPUK); BELLWALD, S. 120.\n193\nVgl. BGE 119 Ia 134 E. 4 S. 135; KIENER/KÄLIN, S. 429.\n194\nVgl. BGE 130 I 180 E. 2.2 S. 182 betr. Vormundschaftsverfahren; BGE 128 I 225 betr. Massnahmevollzug;\nKIENER/KÄLIN, S. 430.\n195\nDazu statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 2693 ff.\n196\nJörg Paul Müller, S. 549.\n197\nKiener/Kälin, S. 430.\n198\nBGE 122 I 322 E. 2c S. 324. Siehe KIENER/KÄLIN, S. 430; JÖRG PAUL MÜLLER, S. 545; KELLER, § 225 Rz. 47.\n\nVPB/JAAC/GAAC 2008, Ausgabe vom 3. September 2008 380\nGutachten R. Kiener/B. Durrer/St. Fässler/M. Krüsi\n\n"}