{"Signatur": "CH_VB_003", "Spider": "CH_VB", "Datum": "2006-11-16", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_003_150000002_2006-11-16.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000002.pdf?ID=150000002", "Checksum": "240887a8e80d26875c3acc3981b34a41"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["150000002"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 16.11.2006 150000002"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ 16.11.2006 150000002"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG 16.11.2006 150000002"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  Office fédéral de la justice, OFJ"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Ufficio federale di giustizia, UFG"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "DFJP, Office fédéral de la justice"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:19:50", "Checksum": "79872b955b4789f2be875edb63e5ec33", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesamt für Justiz, BJ 16.11.2006 150000002\n\n11\nDie Wirksamkeit einzelner Massnahmen, namentlich eines Rasseverbots, ist\nveterinärwissenschaftlich umstritten, vgl. bspw. die Pressemitteilung der Veterinärkoordination\nSchweiz, in: NZZ vom 8.11.2006 (Nr. 260), S. 14.\n12\nTierschutzgesetz vom 16. Dezember 2005 (BBl 2006 327) und der zugehörige Entwurf für eine\nTierschutzverordnung vom 12. Juli 2006, einsehbar unter <http://www.bvet.admin.ch/bvet/00297/\n01021/index.html?lang=de>. Gemäss dem federführenden Bundesamt für Veterinärwesen (BVET)\nsollen die beiden Erlasse zu einem gemeinsamen Zeitpunkt in Kraft gesetzt werden (voraussichtlich\n2. Hälfte 2007).\n13\nVgl. exemplarisch dazu die Berichterstattung zu den Vorschlägen des Berner Stadtrates für\nMassnahmen gegen gefährliche Hunde: Der Bund vom 10.11.2006 (Nr. 263), S. 23 und vom\n11.11.2006 (Nr. 264), S. 1, 23; ferner NZZ vom 13.11.2006 (Nr. 264), S. 11 zu den Ergebnissen der\nVernehmlassung zur totalrevidierten Tierschutzverordnung.\n14\nHäfelin/Haller (Anm. 2), N. 1067 f.; Tschannen (Anm. 2), § 20 N. 12.\n15\nTschannen (Anm. 2), § 20 N. 13.\n\nVPB/JAAC/GAAC/PAAF 2007 206\nGutachten\n\nAls Beispiel, die Bundesverfassung von 1848 betreffend, wird die\nBundeskompetenz zur Besorgung der auswärtigen Angelegenheiten\nangeführt16. Gestützt auf Art. 8 aBV stand dem Bund alleine das Recht zu,\n«Krieg zu erklären und Frieden zu schliessen» sowie «Bündnisse und\nStaatsverträge […] mit dem Auslande einzugehen». Die Besorgung der\nauswärtigen Angelegenheiten in umfassender Weise galt als\n(stillschweigende) Bundeszuständigkeit, die sich als Zuständigkeit kraft\nSachzusammenhangs aus Art. 8 aBV ableiten liess. – Art. 54 Abs. 1 BV\nenthält nunmehr eine umfassende ausdrückliche Bundeskompetenz.\n\nFür den Schutz des Menschen gegen gefährliche Tiere kann sich der Bund nun freilich nicht\nauf eine stillschweigende Bundeskompetenz berufen: Der Bund kann gestützt auf Art. 80 BV\ngesetzliche Massnahmen zum Tierschutz ergreifen, völlig losgelöst davon, ob er auch zum\nErlass gesetzlicher Massnahmen zum Schutz des Menschen vor Tieren kompetent ist.\nAnders als im geschilderten Beispiel besteht demnach kein derartiger enger\nSachzusammenhang zwischen dem Grösseren und dem Kleineren. Ein lediglich\nthematischer Sachzusammenhang, wie er auch im vorliegenden Kontext bestehen mag,\ngenügt zur Begründung einer stillschweigenden Bundeskompetenz nicht.\n\nB. Art. 118 BV (Schutz der Gesundheit)\nGestützt auf Art. 118 Abs. 2 lit. a BV erlässt der Bund Vorschriften über den Umgang mit\nOrganismen, welche die Gesundheit (des Menschen) gefährden können. Ob Massnahmen\ngegen Hunde zum Schutze des Menschen in dieser Norm eine Grundlegung finden, hängt\nentscheidend vom verfassungsrechtlichen Organismusbegriff ab. Einen ersten Eindruck über\ndie Konturen dieses Begriffs erhält, wer seinen Blick auf die Bundesgesetzgebung richtet.\n\n1. Der Begriff des Organismus in der Bundesgesetzgebung\n\nLegaldefinitionen des Organismusbegriffs finden sich in verschiedenen Sacherlassen des\nBundes. So bestimmen beispielsweise Art. 7 Abs. 5bis des Umweltschutzgesetzes17 und Art.\n5 Abs. 1 des Gentechnikgesetzes18:\n\n«Organismen sind zelluläre und nichtzelluläre biologische Einheiten, die zur\nVermehrung oder zur Weitergabe von Erbmaterial fähig sind. Ihnen gleichgestellt\nsind Gemische und Gegenstände, die solche Einheiten enthalten.»\n\nDieser Definition liegt die Begriffsbestimmung des Bundesrats in der Botschaft zu einer\nÄnderung des Bundesgesetzes über den Umweltschutz zugrunde. Demnach gelten als\nOrganismen\n\n«nicht nur die typischen Formen von Lebewesen wie Pflanzen, Tiere und\nEinzeller, sondern auch unselbständige, aber vermehrungsfähige Einheiten wie\nViren oder Zellkulturen.»19\n\n16\nHäfelin/Haller (Anm. 2), N. 1068; Tschannen (Anm. 2), § 20 N. 14.\n17\nBundesgesetz vom 7.10.1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01).\n18\nBundesgesetz über die Gentechnik im Ausserhumanbereich vom 21.3.2003 (Gentechnikgesetz,\nGTG; SR 814.91).\n\nVPB/JAAC/GAAC/PAAF 2007 207\nGutachten\n\nDiese Umschreibungen lassen den folgenden Schluss zu: Der Organismusbegriff in den\nerwähnten Erlassen des Bundes ist weit. Er umfasst grundsätzlich auch die Wirbeltiere20.\n\nWer aber die Vorschriften über den praktischen Umgang mit Organismen liest, stellt fest,\ndass diese Bestimmungen überwiegend auf (pathogene) Mikroorganismen zugeschnitten\nsind21. Das macht etwa die Lektüre der Art. 29a–29h USG oder der\nFreisetzungsverordnung22 deutlich. Schliesslich ist ein Hinweis auf das Epidemiengesetz23\naufschlussreich: So gelten laut Art. 2 Abs. 2 EpG als Erreger die Organismen wie Prionen,\nViren, Bakterien, Pilze, Protozoen (Einzeller) und Helminthen (Würmer). Dieser Erlass\nverwendet somit ebenfalls einen engen, auf Mikroorganismen beschränkten\nOrganismusbegriff.\n\n2. Verfassungsrechtlicher Organismusbegriff\n\nFür die Festlegung der Tragweite der Bundeszuständigkeit gemäss Art. 118 Abs. 2 lit. a BV\nist der verfassungsrechtliche Organismusbegriff massgebend. Für seine Inhaltsbestimmung\nmögen die erwähnten Legaldefinitionen ein Indiz sein. Sie helfen aber nur beschränkt weiter,\nda sie in unterschiedliche Richtungen weisen (vgl. Art. 7 Abs. 5bis USG bzw. Art. 2 Abs. 2\nEpG). Notwendig ist daher eine umfassende Auslegung der Verfassungsnorm:\n\n"}