{"Signatur": "CH_VB_002", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1994-01-21", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_002_JAAC-59-26--_1994-01-21.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002591.pdf?ID=150002591", "Checksum": "705bbcdb4793b03673d1cc71d9852337"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 59.26 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) 21.01.1994 JAAC 59.26 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFJP, Département fédéral de justice et police 21.01.1994 JAAC 59.26 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Dipartimento federale di giustizia e polizia DFGP 21.01.1994 JAAC 59.26 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFJP, Département fédéral de justice et police"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Dipartimento federale di giustizia e polizia DFGP"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:30:17", "Checksum": "9c9cef118b6c2f1d8e37b644b2130a68", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) 21.01.1994 JAAC 59.26 \r\n\n JAAC 59.26\n\nGeneralsekretariat des Eidgenössischen Justiz- und\nPolizeidepartements, 21. Januar 1994\n\nArt. 57 Cst. Droit de pétition.\n- Le droit de pétition comprend en règle générale le droit à ce que\nl’autorité examine la pétition et y réponde.\n- Dans des cas d’exception manifeste, le parlement peut se borner\nà prendre connaissance d’une pétition et la transmettre au Conseil\nfédéral afin qu’il en tienne compte lors des travaux préparatifs\nd’éventuels projets de lois.\n\nArt. 57 BV. Petitionsrecht.\n- Das Petitionsrecht schliesst in der Regel den Anspruch ein, dass die\nPetition von der Behörde geprüft und beantwortet wird.\n- In eindeutigen Ausnahmefällen kann das Parlament von einer Petition\nbloss Kenntnis nehmen und sie dem Bundesrat zur Berücksichtigung bei\nder Vorbereitung allfälliger Gesetzgebungsvorhaben zuweisen.\n\nArt. 57 Cost. Diritto di petizione.\n- Il diritto di petizione comprende di norma il diritto a che l’autorità\nesamini la petizione e vi risponda.\n- In casi manifestamente eccezionali, il Parlamento può limitarsi a\nprendere conoscenza di una petizione e a trasmetterla al Consiglio\nfederale affinché ne tenga conto in occasione dell’approntamento di\neventuali progetti di legge.\n\n1\nIm Auftrag der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates hat der\nGeneralsekretär des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes eine\nStellungnahme zur Petition Wälchli (93.48; verschiedene Änderungen des\nZivilrechts) abgegeben. Die Kommission für Rechtsfragen ist den Vorschlägen\nin der Stellungnahme gefolgt und hat die Petition dem Bundesrat zur\nBerücksichtigung bei der Vorbereitung von Erlassen zugewiesen. Hier der\nwesentliche Inhalt dieser Stellungnahme:\n1. Das Petitionsrecht beinhaltet das Recht, sich individuell oder kollektiv\nmit einem Anliegen an eine Behörde zu wenden, ohne deswegen Nachteile\nbefürchten zu müssen (Müller Georg, Kommentar BV, Art. 57, Rz. 1). Das\nBundesgericht umschreibt die Petitionsfreiheit in ständiger Praxis als\nRecht, ungehindert Bitten, Vorschläge, Kritiken oder Beschwerden in\nAngelegenheiten ihres Kompetenzbereiches an Behörden zu richten, ohne\ndeswegen Belästigungen oder Rechtsnachteile irgendwelcher Art befürchten\nzu müssen (BGE 98 I 488). In Abweichung zu förmlichen Rechtsmitteln\nanerkennt die bundesgerichtliche Praxis keinen verfassungsrechtlichen\nAnspruch auf materielle Behandlung oder Beantwortung einer Petition; diese\nmuss von den Behörden lediglich zur Kenntnis genommen werden (Häfelin\nUlrich / Haller Walter, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 3. Aufl., Zürich\n1993, Nr. 1620; Müller, a.a.O., Rz. 8). Die angesprochenen Behörden werden\nnicht zu einem eigentlichen Handeln oder zu besonderen Massnahmen\nverpflichtet, sondern eher zu einem Dulden (Buser Walter, Betrachtungen\nzum schweizerischen Petitionsrecht, in: Festschrift für Bundesrat H.P. Tschudi\nzum 60. Geburtstag, Bern 1973, S. 47; Raissig Jürgen E., Das Petitionsrecht\nin der Schweiz - Relikt oder Chance?, Diss. Zürich 1977, S. 48; VPB 48.25,\nS. 156). Das Petitionsrecht ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts\nein Freiheitsrecht, das kein Recht auf eine positive Leistung einräumt und\ngrundlegend auf der Meinungsäusserungsfreiheit beruht (BGE 104 Ia 437, E. 5).\n2. Die Beschränkung des verfassungsrechtlichen Schutzes auf die Pflicht der\nBehörde, von einer Petition Kenntnis zu nehmen, wird allerdings in der Lehre\nauch kritisiert. Nur wenn die zuständige Behörde sich mit dem Inhalt einer\nPetition auseinandersetze und dem Petitionär antworte, könne die Petition\nihre Funktion als Kommunikationsmittel zwischen privaten Personen und\nstaatlichen Organen erfüllen; den einzelnen als Petenten ernst nehmen, heisse\nauch, seine Anliegen materiell zu prüfen und ihn in geeigneter Weise über\ndie vorgesehene Reaktion auf sein Begehren zu orientieren (Müller, a.a.O.,\nRz. 12/13). Es wäre als eine sinnvolle Weiterentwicklung des Petitionsrechts\nanzusehen, wenn man eine Beantwortungspflicht der zuständigen Behörde\nrechtlich verankern würde (so Art. 22 Abs. 2 des Verfassungsentwurfs von\n1977 der Expertenkommission\nfür die Vorbereitung einer Totalrevision der Bundesverfassung[16]; Schmid\nGerhard, Petitionsrecht / Staatsrechtliche Beschwerde, recht 1984, S. 139 f.).\n3. Folgt man der restriktiven bundesgerichtlichen Interpretation des\nPetitionsrechts, besteht rechtlich kein Behandlungsanspruch. Die zuständige\nKommission könnte sich somit darauf beschränken, von einer Petition\nKenntnis zu nehmen und dies dem Petenten und dem Plenum mitzuteilen.\nVon dieser Möglichkeit sollte jedoch namentlich unter Berücksichtigung\n\n2\nder in der Lehre geäusserten Auffassungen nur sehr restriktiv und nur in\neindeutigen Ausnahmefällen Gebrauch gemacht werden. Im vorliegenden\nFall wäre folgendes Vorgehen möglich: das Parlament nimmt von der\nPetition Kenntnis, ohne sich materiell damit zu befassen. Es übermittelt die\nPetition an den Bundesrat beziehungsweise die Verwaltung mit der Bitte, die\nVorschläge und Anregungen der Petenten bei der Vorbereitung allfälliger\nGesetzgebungsvorhaben, für welche diese Vorschläge von Belang sein könnten,\nin Betracht zu ziehen. Auf diese Weise wird einerseits dem Anliegen der\nPetenten entsprochen und andererseits der Bearbeitungsaufwand des\nParlamentes und der Verwaltung minimiert.\n[16]2 Petitionen müssen von einer zuständigen Behörde innert angemessener\nFrist beantwortet werden.\n\n3\nSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften\nArchives fédérales suisses, Publications officielles numérisées\nArchivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali\n\nJAAC 59.26 - Generalsekretariat des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, 21.\nJanuar 1994\n\n"}