{"Signatur": "CH_VB_002", "Spider": "CH_VB", "Datum": "1993-05-26", "PDF": {"Datei": "CH_VB/CH_VB_002_JAAC-57-59--_1993-05-26.pdf", "URL": "https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001862.pdf?ID=150001862", "Checksum": "ea6fe880f991b374dd6dfed2950dcbcf"}, "Scrapedate": "2026-03-20", "Num": ["JAAC 57.59 \r"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) 26.05.1993 JAAC 57.59 \r"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFJP, Département fédéral de justice et police 26.05.1993 JAAC 57.59 \r"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Dipartimento federale di giustizia e polizia DFGP 26.05.1993 JAAC 57.59 \r"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération (1987-2017)  DFJP, Département fédéral de justice et police"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione (1987-2017) Dipartimento federale di giustizia e polizia DFGP"}], "ScrapyJob": "446973/70/126", "Zeit UTC": "20.03.2026 01:31:13", "Checksum": "5502052fb526cd7f01493eaf0a647c72", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) 26.05.1993 JAAC 57.59 \r\n\n JAAC 57.59\n\nAuszug aus einem Kreisschreiben des Vorstehers des\nEidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement an die\nkantonalen Regierungen vom 26. Mai 1993\n\nArt. 6 § 1 CEDH. Champ d’application en matière civile. Conséquences\nde l’invalidation, par le TF, de la nouvelle déclaration interprétative\ndéposée par la Suisse en 1988.\nLettre du DFJP aux cantons.\n\nArt. 6 § 1 EMRK. Geltungsbereich in Zivilsachen. Folgen der\nUnwirksamerklärung der neuen auslegenden Erklärung, welche die\nSchweiz 1988 abgegeben hat, durch das BGer.\nSchreiben des EJPD an die Kantone.\n\nArt. 6 § 1 CEDU. Campo d’applicazione in materia civile. Conseguenze\ndella dichiarazione di nullità, da parte del TF, della nuova\ndichiarazione interpretativa depositata dalla Svizzera nel 1988.\nLettera del DFGP ai Cantoni.\n\nAuslegende Erklärung des Bundesrates vom 29. April 1988 zu\nArt. 6 § 1 EMRK - Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember\n1992 in Sache F. gegen R. und Regierungsrat des Kantons\nThurgau\n\n1. Am 17. Dezember 1992 hat die II. Zivilabteilung des BGer ein vielbeachtetes\nUrteil gefällt, das für Bund und Kantone von grosser Tragweite ist. Zu\nbeurteilen war unter anderem die (als staatsrechtliche Beschwerde\n\n1\nentgegengenommene) Berufung einer Mutter, die sich gegen einen kantonal\nletztinstanzlichen Entscheid des Regierungsrates des Kantons Thurgau zur\nWehr setzte, welcher dem Vater des gemeinsamen Kindes ein Besuchsrecht\neinräumte[1]. Das BGer kam zum Schluss, dass die im Kanton Thurgau\nfehlende Möglichkeit, diese Streitigkeit von einem Gericht überprüfen zu\nlassen, gegen Art. 6 § 1 EMRK verstosse. Diese Bestimmung garantiert dem\nBetroffenen unter anderem bei Streitigkeiten «über zivilrechtliche Ansprüche\nund Verpflichtungen» («contestations sur ses droits et obligations de caractère\ncivil», «determination of his civil rights and obligations») den Zugang zu einem\nunabhängigen, unparteiischen und auf Gesetz beruhenden Gericht, welches\ndie Angelegenheit in tatsächlicher wie rechtlicher Hinsicht frei überprüft.\n2. Die Bedeutung des Urteils über den zu beurteilenden Fall hinaus liegt darin,\ndass das BGer zu diesem Ergebnis nur gelangen konnte, weil es zuvor die\nauslegende Erklärung des Bundesrates zu Art. 6 § 1 EMRK für unwirksam\nerklärt hat. Der Bundesrat hatte diese Erklärung bekanntlich im Anschluss\nan das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Sachen\nBelilos gegen die Schweiz vom 29. April 1988 (publiziert in VPB 52.65 [1988],\nVPB 52.84, VPB 52.85, VPB 52.86) mit Wirkung ab diesem Datum geändert[2]\nund dem Europarat, den Erwägungen des Urteils des Gerichtshofs Rechnung\ntragend, gestützt auf Art. 64 § 2 EMRK auch eine Liste der Bestimmungen\nübermittelt, die von der neuen auslegenden Erklärung erfasst sein sollten.\nNeben einigen Bestimmungen des Bundesrechts (OG und VwVG) enthält diese\nListe gesamthaft ungefähr 500 Bestimmungen des kantonalen Rechts, welche\ndie kantonalen Justizdepartemente seinerzeit auf Einladung der damaligen\nVorsteherin des EJPD zusammengetragen hatten. Nachdem das BGer nun\nzum Schluss gekommen ist, dass «die auslegende Erklärung des Bundesrates\nvon 1988 als Vorbehalt nicht wirksam ist, weil ein solcher nicht erst nach\nder Ratifikation der Konvention angebracht werden kann und bis 1988 kein\nentsprechender gültiger Vorbehalt bestanden hat» (BGE 118 Ia 488 E. 7d) ist\ndavon auszugehen, dass sämtliche der auf der Liste aufgeführten Materien,\nsoweit sie Streitigkeiten über zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen\nim Sinne von Art. 6 § 1 EMRK betreffen, vom Anwendungsbereich dieser\nKonventionsbestimmung nicht mehr ausgenommen sind. In all diesen\nFällen muss also der Zugang zu einem «Gericht» offen stehen, das den\nAnforderungen von Art. 6 § 1 EMRK genügt.\n3. Gemäss Art. 64 Abs. 3 und Art. 64bis Abs. 2 BV unterstehen die Organisation\nder Gerichte und das gerichtliche Verfahren in Zivil- und Strafsachen der\nKompetenz der Kantone. Andererseits hat aber der Bundesrat, zusammen\nmit den anderen Organen des Staates, für die Einhaltung der EMRK in der\nSchweiz zu sorgen. Diese Verpflichtung beinhaltet insbesondere die Suche\nnach möglichen Unvereinbarkeiten des Verfahrensrechts (auf kantonaler und\nauf Bundesebene) mit dem europäischen Recht (vgl. sinngemäss VPB 53.54\n[1989], S. 423-426).\nVor diesem Hintergrund bittet der Vorsteher des EJPD die Regierungen\nder Kantone zu prüfen, welche Folgen die Ungültigkeit der auslegenden\nErklärung des Bundesrates auf die Gesetzgebung und Praxis ihres Kantons,\ngegebenenfalls auch der Gemeinden ihres Kantons, mit sich bringt. Bei dieser\nPrüfung stellen sich zunächst zwei grundsätzliche Fragen:\n\n"}