{"Signatur": "CH_PATG_001", "Spider": "CH_BPatG", "Datum": "2017-03-09", "PDF": {"Datei": "CH_BPatG/CH_PATG_001_O2015-004_2017-03-09.pdf", "URL": "https://www.bundespatentgericht.ch/fileadmin/entscheide/O2015_004_Urteil_2017-03-09.pdf", "Checksum": "28f8621132f3295a1de6fbdd71fde7f6"}, "Scrapedate": "2026-04-05", "Num": ["O2015_004"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bundespatentgericht 09.03.2017 O2015_004"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Bundespatentgericht 09.03.2017 O2015_004"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Bundespatentgericht 09.03.2017 O2015_004"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Bundespatentgericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Bundespatentgericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Bundespatentgericht "}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Pemetrexed: Feststellungsklage auf Nichtverletzung gutgeheissen, Bindung an Einschränkung im Erteilungsverfahren | Äquivalenz, Berücksichtigung der Erteilungsakten, Fachmann, Fachrichtervotum, Feststellungsinteresse, Feststellungsklage, Örtliche Zuständigkeit international"}], "ScrapyJob": "446973/64/2135", "Zeit UTC": "05.04.2026 03:17:37", "Checksum": "bb423cfee9dbad4c20587f9cb5b1ff24", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bundespatentgericht 09.03.2017 O2015_004\nRegeste:\nPemetrexed: Feststellungsklage auf Nichtverletzung gutgeheissen, Bindung an Einschränkung im Erteilungsverfahren | Äquivalenz, Berücksichtigung der Erteilungsakten, Fachmann, Fachrichtervotum, Feststellungsinteresse, Feststellungsklage, Örtliche Zuständigkeit international\n\nEs ist denn auch seitens des Gerichts kein Anlass zu sehen, von der Regelbesetzung von drei Richtern abzuweichen. Es liegt kein Fall vor, wo\n\"im Interesse der Rechtsfortbildung\" (Art. 21 Abs. 2 PatG) eine Fünferbesetzung angezeigt erschiene. Die von den Beklagten angesprochenen\ndrei Rechtsfragen stellen allesamt kein Neuland dar. Die rechtliche\nGrundlage für die Beurteilung der Äquivalenz – erste Rechtsfrage der Beklagten – ist in der Schweiz seit Jahren gefestigt und in Form der drei\nÄquivalenzfragen des Bundespatentgerichts3 (die neue dritte Frage wurde inzwischen bestätigt vom Bundesgericht4) auch leicht handhabbar\ndargestellt. Auch die zweite und dritte Rechtsfrage der Beklagten, betreffend die Einbeziehung von Vorgängen aus dem Erteilungsverfahren erscheinen nicht als der Fortbildung bedürftig. Jedenfalls kann von einer in\nEuropa \"heftig debattierten Frage\", wie die Beklagten geltend machen,\nkeine Rede sein. Das wird in der Tat in verschiedenen Ländern etwas\nverschieden gehandhabt, führt aber keineswegs zu heftigen Debatten,\nweil die Ergebnisse der Beurteilung, wenn sie denn zwischen den Ländern differieren, dies in der Regel aus anderen Gründen tun.\n\nAbschliessend bleibt anzumerken, dass der von den Beklagten angesprochene zu vermeidende \"Anschein einer Vorbefassung desselben\nSpruchkörpers aufgrund des Massnahmeverfahrens mit Blick auf das or-\n\n3 S2013_001, Urteil vom 21.3.2013 \"Drospirenon\"; O2014_002, Urteil vom\n25. Januar 2016 \"Urinalventil\"\n4 4A_131/2016, Urteil vom 3. Oktober 2016 E. 6.2.2. und 6.2.3\n\nSeite 7\nO2015_004\n\ndentliche Verfahren\" im Lichte von Art. 47 Abs. 2 Bst. d ZPO kein Thema\nist.\n\n3. Sachverhalt, Parteivorbringen\n\nDie Klägerin, Actavis Switzerland AG, ist eine Anbieterin generischer Arzneimittel. Sie beabsichtigte im Zeitpunkt der Klageeinleitung, ein\nPemetrexeddikalium oder Pemetrexedditromethamin oder Pemetrexeddisäure enthaltendes Medikament auf den zu Markt bringen (was inzwischen erfolgt ist5). Die Klägerin war (und ist) der Auffassung, dass mit\ndiesen drei sogenannten Alternativformen keiner der Ansprüche des\nSchweizer Teils des Europäischen Patents EP 1 313 508 B1 der Beklagten 1, Eli Lilly and Co., verletzt werde. Sie befürchtete aber diesbezügliche rechtliche Schritte der Beklagten 1 und allenfalls der Beklagten 2, Eli\nLilly (Suisse) SA, welche in der Schweiz – als Lizenznehmerin der Beklagten 1 – unter der Marke Alimta® ein Medikament mit dem Wirkstoff\nPemetrexeddinatrium zur Behandlung gewisser Krebsformen vertreibe.\nDie Beklagten ihrerseits halten die Alternativformen sehr wohl für verletzend und werfen der Klägerin eine direkte und auch eine mittelbare Verletzung des Streitpatents vor. Auf die Sachverhaltsvorbringen der Parteien im Einzelnen wird nachstehend eingegangen, soweit erforderlich.\n\n4. Beurteilung\n\n4.1 Zur Frage der Patentverletzung hat Richter Dr. rer. nat. Dipl. chem.\nRoland Dux wie erwähnt (oben Ziff. 1.13) ein Fachrichtervotum erstattet.\nDer Spruchkörper schliesst sich diesem Fachrichtervotum an, mit gewissen Ergänzungen, wie nachfolgend darzulegen sein wird.\n\n4.2 Patent und Rechtsbegehren\n\nZur Diskussion steht der Schweizer Teil des Patents EP 1 313 508 B1\n(nachfolgend Streitpatent). Dessen Ansprüche lauten, soweit das hier interessiert, wie folgt:\n\n\"1. Use of Pemetrexed disodium in the manufacture of a medicament for\nuse in combination therapy for inhibiting tumor growth in mammals\nwherein said medicament is to be administered in combination with vitamin B12 or a pharmaceutical derivative thereof, said pharmaceutical derivative of vitamin B12 being hydroxocobalamin, cyano-1-0-\n\n5 vergl. oben Ziff. 2.2.\n\nSeite 8\nO2015_004\n\nchlorocobalamin, aquocobalaminperchlorate, aquo--0-chlorocobalamin\nperchlorate, azidocobalamin, chlorocobalamin or cobalamin.\n\n2. Use according to claim 1 wherein said medicament is to be administered in combination with vitamin B12 or a pharmaceutical derivative\nthereof, said pharmaceutical derivative of vitamin B1 2 being hydroxocobalamin, cyano-1-0-chlorocobalamin, aquocobalamin perchlorate, aquo-\n1-0-chlorocobalamin perchlorate, azidocobalamin, chlorocobalamin or\ncobalamin, and a folic binding protein agent selected from folic acid, (6R)-\n5-methyl-5,6,7,8-tetrahydro folic acid and (6R)-5-forinyl-5,6,7,8-tetrahydro\nfolic acid or a physiologically available salt or ester thereof.\n\n12. A product containing Pemetrexed disodium, vitamin B 12 or a pharmaceutical derivative thereof said pharmaceutical derivative of vitamin\nB12 being hydroxocobalamin, cyano-1-0-chlorocobalamin, aquocobalamin perchlorate, aquo-10-chlorocobalamin perchlorate, azidocobalamin,\nchlorocobalamin or cobalamin, and, optionally, a folic binding protein binding agent selected from the group consisting of folic acid, (6R)-5-methyl-\n5,6,7,8-tetrahydro folic acid and (6R)-5-formyl-5,6,7,8-tetrahydro folic acid, or a physiologically available salt or ester thereof, as a combined\npreparation for the simultaneous, separate or sequential use in inhibiting\ntumor growth.\"\n\nDie Parteien sind sich einig, dass (bezüglich aller drei Ansprüche) einzig\ndie Verwirklichung des Merkmals \"Pemetrexed disodium\" (Pemetrexeddinatrium) strittig ist.\n\n"}