{"Signatur": "CH_BGE_001", "Spider": "CH_BGE", "Sprache": "de", "Datum": "1995-11-13", "HTML": {"Datei": "CH_BGE/CH_BGE_001_BGE-121-I-379_1995-11-13.html", "URL": "https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-I-379%3Ade&lang=de&zoom=&type=show_document", "Checksum": "e49f5531bd8a5d0ba8e26c464ce0a339"}, "Scrapedate": "2026-08-16", "Scrapetime": "22:42:43", "Num": ["BGE 121 I 379"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bundesgericht (BGE) Teil I 13.11.1995 BGE 121 I 379"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Tribunal fédéral (ATF) Partie I 13.11.1995 BGE 121 I 379"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Tribunale federale (DTF) Parte I 13.11.1995 BGE 121 I 379"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Bundesgericht (BGE) Teil I"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conféderation Tribunal fédéral (ATF) Partie I"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Tribunale federale (DTF) Parte I"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "II. öffentlichrechtlichen Abteilung"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Regeste\n<br>Disziplinarbusse (Art. 6 Ziff. 1 EMRK). Eine Disziplinarbusse von Fr. 300.--, die einer Zürcher Beamtin gestützt auf § 4 des zürcherischen Gesetzes betreffend die Ordnungsstrafen von 1866 auferlegt wird, ist keine \"strafrechtliche Anklage\" im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (E. 3)."}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Regeste\n<br>Amende disciplinaire (art. 6 par. 1 CEDH). Une amende disciplinaire de 300 fr., infligée à une fonctionnaire zurichoise sur la base du § 4 de la loi zurichoise de 1866 concernant les sanctions d'ordre, ne constitue pas une \"accusation en matière pénale\" au sens de l'art. 6 par. 1 CEDH (consid. 3)."}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Regesto\n<br>Multa disciplinare (art. 6 n. 1 CEDU). Una multa disciplinare di fr. 300.--, inflitta a una funzionaria zurighese in base al § 4 della legge zurighese del 1866 concernente i provvedimenti disciplinari, non costituisce \"un'accusa penale\" ai sensi dell'art. 6 n. 1 CEDU (consid. 3)."}], "ScrapyJob": "446973/47/3013", "Zeit UTC": "16.08.2026 22:42:43", "Checksum": "1e6b9cb5c05948d65e6a818eb0ff4988", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bundesgericht (BGE) Teil I 13.11.1995 BGE 121 I 379\nRegeste:\nRegeste\n<br>Disziplinarbusse (Art. 6 Ziff. 1 EMRK). Eine Disziplinarbusse von Fr. 300.--, die einer Zürcher Beamtin gestützt auf § 4 des zürcherischen Gesetzes betreffend die Ordnungsstrafen von 1866 auferlegt wird, ist keine \"strafrechtliche Anklage\" im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (E. 3).\n\n\nd) Schliesslich könnten die Natur und Schwere der Sanktion die Strafe zu einer strafrechtlichen werden lassen. Ist eine Widerhandlung bereits nach ihrer Natur (zweites Kriterium) als strafrechtlich zu betrachten, so ändert eine geringe Höhe der streitigen Busse daran nichts (vgl. zit. Urteil Öztürk, wo eine Busse im Betrag von DM 63.90 in Frage stand). Ergibt sich hingegen nicht bereits aus dem zweiten Kriterium die Qualifikation als strafrechtlich, so spielen die Natur und Schwere der Sanktion eine wichtige Rolle. Im Entscheid Ravnsborg hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Maximalstrafe von 1'000 Schwedenkronen nicht als strafrechtlich betrachtet. Dass die Busse in Haft umgewandelt werden konnte, änderte daran nichts, weil die Umwandlung nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig war und vor einer Umwandlung der Betroffene anzuhören war (zit. Urteil Ravnsborg Ziff. 35). Im Lichte dieser Praxis erscheint auch die vorliegend streitige Sanktion nicht als strafrechtlich: ausgesprochen wurde eine Busse von Fr. 300.--; die Maximalstrafe beträgt Fr. 1'000.--. Eine Umwandlung in Haft ist gemäss § 4a des Ordnungsstrafengesetzes nach Massgabe von Art. 49 StGB zulässig, mithin nur unter bestimmten Voraussetzungen und nur in einem Verfahren, in welchem der Betroffene angehört werden muss (Urteil des Bundesgerichts i.S. D. vom 30. September 1994, publiziert in SJ 1995 S. 15).\ne) Gesamthaft erscheint somit die streitige Disziplinarbusse nicht als strafrechtliche Anklage im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Damit sind die Verfahrensgarantien dieser Bestimmung nicht anwendbar, namentlich nicht der Anspruch auf eine Beurteilung durch ein unabhängiges und unparteiisches Gericht. Der angefochtene Bussenentscheid verletzt daher die EMRK nicht."}