{"Signatur": "BL_ZMG_001", "Spider": "BL_Gerichte", "Sprache": "de", "Datum": "2011-09-23", "HTML": {"Datei": "BL_Gerichte/BL_ZMG_001_350-2011-453_2011-09-23.html", "URL": "https://bl.swisslex.ch/api/doc/getAsset?id=36d22252-50c3-4fa5-8bb3-5cd119ef37d0&lang=de&queryLang=De&source=hitlist-search&transactionId=245050976", "Checksum": "6d0a24003b116731712a248b932f8d8a"}, "PDF": {"Datei": "BL_Gerichte/BL_ZMG_001_350-2011-453_2011-09-23.pdf", "URL": "https://bl.swisslex.ch/api/Content/GetFacsimile?facsimileGuid=415ec619-dd33-4eeb-ae1f-6d9bfb10cc92", "Checksum": "c1f7e36c83b6583aa18a7c4abfffe009"}, "Scrapedate": "2026-04-11", "Num": ["350 2011 453", "350 11 453"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Basel-Land Zwangsmassnahmengericht 23.09.2011 350 2011 453 (350 11 453)"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Bâle-Campagne Zwangsmassnahmengericht 23.09.2011 350 2011 453 (350 11 453)"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Basilea Campagna Zwangsmassnahmengericht 23.09.2011 350 2011 453 (350 11 453)"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Basel-Land Zwangsmassnahmengericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Bâle-Campagne Zwangsmassnahmengericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Basilea Campagna Zwangsmassnahmengericht "}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Anordnung Untersuchungshaft Verfahrensrechtliche Fragen"}], "ScrapyJob": "446973/44/2337", "Zeit UTC": "11.04.2026 03:34:46", "Checksum": "7745bf997f78a357517a42caf2f445e9", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Basel-Land Zwangsmassnahmengericht 23.09.2011 350 2011 453 (350 11 453)\nRegeste:\nAnordnung Untersuchungshaft Verfahrensrechtliche Fragen\n\nZwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft www.bl.ch/zmg\n\n23. September 2011\n\nAnordnung Untersuchungshaft\n\nVerfahrensrechtliche Fragen\n\nDie Anordnung von Zwangsmassnahmen durch Untersuchungsbeauftragte ist unzulässig\n(Erw. 1.8). Es ist nicht Aufgabe des Zwangsmassnahmengerichts, ohne Not, d.h. ohne einen\nentsprechenden Antrag, ein konkretes Normenkontrollverfahren durchzuführen und zu\nprüfen, ob § 2 Dekret EG StPO übergeordnetes Rechts verletzt. Folglich hat das\nZwangsmassnahmengericht den Antrag auf Anordnung der Untersuchungshaft, welcher\nallein durch einen Untersuchungsbeauftragten unterzeichnet ist, entgegen genommen, sowie\nsein Auftreten vor dem Gericht erlaubt, da der Fall bei der Staatsanwaltschaft während der\nPikettzeit eingegangen ist und ein Staatsanwalt bei der Anhörung vor der Staatsanwaltschaft\n(Art. 224 Abs. 1 StPO) und der Verhandlung vor dem Zwangsmassnahmengericht physisch\nanwesend gewesen ist.\n\nSachverhalt\n\nA.____ wurde am 20. September 2011, 16:55 Uhr, festgenommen, nachdem die\nStaatsanwaltschaft, vertreten durch die Pikett-Untersuchungsbeauftragte B.____, um 11:55\nUhr, über das polizeiliche Ermittlungsverfahren gegen A.____ informiert worden war und sie\nunverzüglich seine Festnahme angeordnet hatte. Mit Schreiben vom 22. September 2011\nhat die Staatsanwaltschaft, vertreten durch die Pikett-Untersuchungsbeauftragte B.____ die\nAnordnung der Untersuchungshaft beantragt. Anlässlich der Verhandlung vor dem\nZwangsmassnahmengericht ist ebenfalls die Pikett-Untersuchungsbeauftragte B.____\nerschienen.\n\nErwägungen\n\n1.\n\n1.1 (…) Gemäss Art. 219 Abs. 3 2. Satz StPO führt die Polizei die festgenommene\nPerson unverzüglich der Staatsanwaltschaft vor, wenn die Abklärungen den Tatverdacht\nbestätigen. Die Staatsanwaltschaft befragt die beschuldigte Person unverzüglich und erhebt\nunverzüglich jene Beweise, die zur Erhärtung oder Entkräftung des Tatverdachts und der\nHaftgründe geeignet und ohne Weiteres verfügbar sind (Art. 224 Abs. 1 StPO). Bestätigen\nsich der Tatverdacht und die Haftgründe, so beantragt die Staatsanwaltschaft beim\nZwangsmassnahmengericht unverzüglich, spätestens aber innert 24 Stunden seit der\nFestnahme, die Anordnung der Untersuchungshaft oder einer Ersatzmassnahme (Art. 224\nAbs. 2 1. Satz StPO).\n\n1.2 Gemäss Art. 123 Abs. 2 BV i.V.m. Art. 14 Abs. 1 und 2 StPO sind die Kantone für\ndie Organisation der Strafbehörden zuständig, soweit dieses Gesetz oder andere\nBundesgesetze dies nicht abschliessend regeln (HANSPETER USTER, in: Marcel Alexander\nNiggli / Marianne Heer / Hans Wiprächtiger [Herausgeber], Basler Kommentar,\nSchweizerische Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung, Basel 2011, Art. 14 N 1\nund 3; NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, Zürich /\nSt. Gallen 2009 [nachfolgend \"SCHMID, Praxiskommentar\" zitiert], Vor Art. 12-21 RN 1). Den\nKantonen stehen diverse Freiheiten in der Ausgestaltung ihrer Staatsanwaltschaft zu. Sie\nkönnen eine ihren Bedürfnissen entsprechende Organisationsform in ihren\nEinführungsgesetzen bestimmen. Dazu gehört auch, dass die Kantone bestimmen, inwieweit\nUntersuchungshandlungen in Anwendung von Art. 311 Abs. 1 StPO (Beweiserhebung)\nMitarbeitern übertragen werden sollen (NIKLAUS SCHMID, Handbuch des schweizerischen\nStrafprozessrechts, Zürich / St. Gallen 2009 [nachfolgend \"SCHMID, Handbuch\" zitiert], RN\n356 und 359; BBl 2006 1102 und 1134). Zu den wesentlichen Untersuchungshandlungen,\nwelche durch die Staatsanwälte/Staatsanwältinnen durchzuführen sind, gehören unter\nanderem Haftanträge an das Zwangsmassnahmengericht (JÜRG SOLLBERGER, in: Peter\nGoldschmid / Thomas Maurer / Jürg Sollberger [Herausgeber], Kommentierte Textausgabe\nzur Schweizerischen Strafprozessordnung, Bern 2008, S. 302; BBl 2006 1265; NATHAN\nLANDSHUT, in: Andreas Donatsch / Thomas Hansjakob / Viktor Lieber [Herausgeber],\nKommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), Zürich / Basel / Genf 2010,\nArt. 311 RN 10; SCHMID, Praxiskommentar, Art. 311 RN 3; SCHMID, Handbuch, RN 1232;\nESTHER OMLIN, in: Marcel Alexander Niggli / Marianne Heer / Hans Wiprächtiger\n[Herausgeber], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung,\nJugendstrafprozessordnung, Basel 2011, Art. 311 RN 7). Somit ist festzuhalten, dass das\ngesamte Haftverfahren vor der Staatsanwaltschaft gemäss Art. 224 StPO durch die\nStaatsanwälte/Staatsanwältinnen durchzuführen ist und nicht an Untersuchungsbeauftragte\ndelegiert werden kann.\n\n1.3 Gemäss Art. 2 StPO steht die Strafrechtspflege einzig den vom Gesetz bestimmten\nBehörden zu (Abs. 1). Strafverfahren können nur in den dafür vorgesehen Formen\ndurchgeführt werden (Abs. 2). Der Begriff der Strafrechtspflege umfasst neben den\nGerichten auch die Staatsanwaltschaft (PETER STRAUB/THOMAS W ELTERT, in: Marcel\nAlexander Niggli / Marianne Heer / Hans Wiprächtiger [Herausgeber], Basler Kommentar,\nSchweizerische Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung, Basel 2011, Art. 2 N 7).\n\n"}