Obergericht Cour suprême des Kantons Bern du canton de Berne Beschwerdekammer in Chambre de recours pénale Strafsachen Hochschulstrasse 17 Postfach Beschluss 3001 Bern BK 17 109 Telefon +41 31 635 48 09 Fax +41 31 635 48 15 obergericht-straf.bern@justice.be.ch www.justice.be.ch/obergericht Bern, 10. Mai 2017 Besetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichter Trenkel, Oberrich- ter Stucki Gerichtsschreiber Müller Verfahrensbeteiligte A.________ a.v.d. Rechtsanwalt B.________ Beschuldigter/Beschwerdeführer Gegenstand Beschlagnahme Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen das Strassenver- kehrsgesetz Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt- schaft Berner Jura-Seeland vom 28. Februar 2017 (BJS 17 5246) Erwägungen: 1. A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführer) wurde am 27. Februar 2017 auf der Autobahn von der Polizei angehalten. Ihm wird vorgeworfen, mit einem BMW X1, Kennzeichen SO ________, anstelle der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h mit 200 km/h gefahren zu sein. Am 28. Februar 2017 verfügte die Regio- nale Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) die Beschlagnahme des genannten Fahrzeugs. Sie eröffnete die Verfügung dem Fahrzeughalter C.________ sowie dem Beschwerdeführer. Dagegen erhob Letzterer am 13. März 2017 form- und fristgerecht Beschwerde und beantragte was folgt: 1. Die Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Region Berner Jura-Seeland vom 28.02.2017 sei aufzuheben. 2. Das mit Verfügung vom 28.02.2017 beschlagnahmte Auto BMW X1 xDrive20d sei dem Halter, Herr C.________, herauszugeben. - unter Kosten- und Entschädigungsfolge - In ihrer Stellungnahme beantragte die Generalstaatsanwaltschaft, auf die Be- schwerde sei kostenfällig nicht einzutreten. In der Replik vom 2. Mai 2017 hielt der Beschwerdeführer an seinen Rechtsbegehren fest. 2. Die Staatsanwaltschaft begründet die Beschlagnahme folgendermassen: Le prévenu a été interpellé en flagrant délit d'excès de vitesse massif sur autoroute (dépassement net de 80 km/h). Il a admis avoir circulé à plus de 200 km/h. Il a admis également avoir dû dépasser d'autres usagers sur le parcours effectué. Le prévenu a indiqué que le véhicule signale clairement la vitesse autorisé et qu'il émet même un signal sonore en cas d'excès de vitesse. Il a reconnu n'avoir pas tenu compte de ces paramètres, ayant reçu pendant le trajet un appel de sa femme lui faisant part d'un problème avec leur enfant. Le prévenu a indiqué avoir été dès lors pressé de rentrer chez lui et que son attention a été détournée de la circulation pour ce motif. Il a ainsi fait la démonstration d'une dangerosité évidente sur la voie publique. Il a agit sans scrupule, en ne tenant plus compte du tout ni des règles de circulation, ni des informations fournies par le véhicule lui-même. Il a admis avoir été distrait, alors même que sa conduite très rapide aurait justement exigé une attention accrue. Il circulait avec un véhicule prêté par le responsable de l'entreprise dans laquelle il travaille et cela depuis une dizaine de jours. Le détenteur est susceptible de lui prêter à nouveau ledit véhicule en tout temps, s'il n'est pas séquestré. Il est d'ailleurs détenteur d'un deuxième véhicule de même marque tout aussi puissant (BMW X6) que celui faisant l'objet de la présente décision. Il n'a pas intérêt à prêter ce véhicule-là au prévenu, mais il ne peut être garanti que tel ne sera pas le cas. Le prévenu a conduit le véhicule en question sans disposer d'un permis de conduire valable. Il a reconnu rouler vraisemblablement depuis un certain temps déjà de manière régulière dans ces conditions, notamment avec le véhicule détenu par son employeur, puisqu'il n'en détient pas personnellement. Cela étant, le détenteur a lui-même commis un grave impair, en laissant le prévenu conduire son véhicule, alors qu'il savait ou devait savoir ou du moins se douter, en prenant les précautions élémentaires (vérification de l'existence d'un permis de conduire valable), que le prévenu n'avait pas un tel permis. Il ne présente par conséquent aucune garantie non plus, notamment en ce qui a trait à la mise à disposition future du véhicule qui lui reste ou d'autres véhicules, cas échéant. Dès lors, la sécurité routière commande de ne pas restituer, respectivement de ne pas laisser la 2 voiture en question en main du conducteur et du détenteur. Il est manifeste que le séquestre dudit véhicule empêchera le prévenu de conduire à nouveau un véhicule puissant sans permis. Le détenteur, au vu de la situation, sera empêché efficacement de lui prêter son second véhicule. Le véhicule en question représente aussi une certaine valeur. Sa valeur peut également être utilisée pour garantir le paiement des frais de procédure, d'une éventuelle peine pécuniaire, des amendes et des indemnités, qui risquent d'être élevés, sachant que le prévenu doit disposer d'une défense d'office qu'il devra vraisemblablement rembourser et que le prévenu ne dispose vraisemblablement pas de moyens importants, devant notamment assumer des charges familiales. 3. 3.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft kann bei der Beschwerdekammer in Strafsachen innert 10 Tagen schriftlich und begründet Beschwerde geführt werden (Art. 393 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 Schwei- zerische Strafprozessordnung [StPO; SR 312], Art. 35 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisationsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Es bedarf hier einer näheren Prüfung, ob der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung unmittelbar in seinen rechtlich geschützten Interessen be- troffen und somit zur Beschwerdeführung legitimiert ist (Art. 382 Abs. 1 StPO). 3.2 Die Generalstaatsanwaltschaft führt dazu aus, der beschlagnahmte Personenwa- gen stehe im Eigentum von C.________, Geschäftsführer der D.________ GmbH, der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer sei durch die Be- schlagnahme des Fahrzeugs nicht in eigenen rechtlich geschützten Interessen be- troffen. Die Beschlagnahme sei für ihn in keiner Hinsicht nachteilig, sodass er kein Interesse an deren Aufhebung habe (HEIMGARTNER, Strafprozessuale Beschlag- nahme, Wesen, Arten und Wirkungen, 2011, S. 374 mit Hinweisen). Er sei nicht le- gitimiert, quasi zu Gunsten von C.________ Beschwerde zu führen. 3.3 In der Beschwerdeschrift äussert sich der Beschwerdeführer nicht zu seiner Legiti- mation. In der Replik merkt er an, er sei tatsächlich nicht Eigentümer des BMW X1. Eigentümer und Besitzer fielen jedoch beispielsweise dann auseinander, wenn der Eigentümer die tatsächliche Sachherrschaft einem Dritten überlasse (z.B. beim Ausleihen oder Vermieten). Dies sei hier der Fall. Der Beschwerdeführer habe in seinen Aussagen dargelegt, dass er das Auto insbesondere auch für private Zwe- cke praktisch beliebig habe benutzen dürfen. Er habe deshalb ein Interesse daran, dass sein Arbeitgeber es ihm auch künftig zur Verfügung stelle – natürlich unter Berücksichtigung, dass er das Auto während des Führerausweisentzugs nicht sel- ber lenken dürfe. Besitzer im sachenrechtlichen Sinne sei, wer die tatsächliche Gewalt über eine Sache habe (Art. 919 Schweizerisches Zivilgesetzbuch [ZGB; SR 210]). Tatsächliche Gewalt liege vor, wenn man rein faktisch – das heisst un- abhängig von der rechtlichen Verfügungsmacht – über eine Sache verfügen könne. Der Beschwerdeführer habe zum Zeitpunkt der Beschlagnahme das der Beschlag- nahmeverfügung unterliegende Auto gelenkt. Er habe somit die tatsächliche Sach- herrschaft über das Auto ausgeübt und die damit verbundene Verantwortung ge- habt. Ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung der Beschlagnahme liege beim beschuldigten Inhaber (Eigentümer oder Besitzer) des beschlagnahmten 3 Gegenstandes zweifellos vor (Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2014.163 vom 9 Juni 2015 E. 1.2; Urteil des Bundesgerichts 1B_275/2013 vom 28. Oktober 2013 E. 1; BOMMER/GOLDSCHMID, in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, N. 70 zu Art. 263 StPO). Folglich habe der Beschwerdeführer nicht als Eigentümer, aber als Besitzer ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung der Beschlag- nahme. Er sei beschwerdelegitimiert. Ein rechtlich geschütztes Interesse ergebe sich auch aus weiteren Gründen: Der Beschwerdeführer sei im Verfahren, welches der Beschlagnahme zugrunde liege, beschuldigte Person. Die Beschlagnahme des BMW X1 sei eine direkte Folge sei- nes Handelns. Insofern sei er – insbesondere aufgrund seiner Stellung als Verfü- gungsadressat – an einer korrekten Rechtsanwendung interessiert. Er habe ein In- teresse daran, dass eine sein Verfahren betreffende Beschlagnahme – für welche die Voraussetzungen nicht vorlägen – nicht durchgeführt werde. Zudem sei das Verhältnis des Beschwerdeführers zum Eigentümer des Fahrzeugs für seine Legi- timation bedeutsam. Das Auto gehöre dem Arbeitgeber des Beschwerdeführers. Indem der Beschwerdeführer als Arbeitnehmer die Beschlagnahme des Arbeitsau- tos durch ein Strassenverkehrsdelikt verursacht habe, könne die Beschlagnahme wesentliche Auswirkungen auf sein Arbeitsverhältnis, schlimmstenfalls eine Kündi- gung, zur Folge haben. Nicht zuletzt werde der Beschwerdeführer dem Eigentümer gegenüber unter Umständen schadenersatzpflichtig. 3.4 3.4.1 Gemäss Art. 263 Abs. 1 StPO können Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson beschlagnahmt werden, wenn sie vor- aussichtlich als Beweismittel gebraucht werden, zur Sicherstellung von Verfahrens- kosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden, den Ge- schädigten zurückzugeben sind oder wenn sie einzuziehen sind. 3.4.2 Zur Beschwerde gegen eine Beschlagnahme ist legitimiert, wer faktisch betroffen ist und ein rechtlich geschütztes Interesse hat. Die Tatsache allein, dass der Be- schwerdeführer Verfügungsadressat ist, begründet seine Legitimation nicht. Das- selbe gilt für sein generelles Interesse an einer «korrekten Rechtsanwendung». Blosse Reflexwirkungen, welche ebenfalls nicht zur Beschwerde legitimieren, sind zudem, dass die Beschlagnahme wegen eines Strassenverkehrsdelikts Auswirkun- gen auf sein Arbeitsverhältnis – schlimmstenfalls eine Kündigung – zur Folge ha- ben kann, und dass er gegenüber C.________ womöglich schadenersatzpflichtig wird. Ein Besitzer hat gemäss Lehre und Rechtsprechung regelmässig ein rechtlich ge- schütztes Interesse an einer Herausgabe, soweit er Nutzer des Gegenstands ist. Ob der Beschwerdeführer ein solches Interesse hat, ist an seinen Rechtsbegehren zu messen, vorweg also daran, was er verlangt. So ergibt sich, dass er nicht die Herausgabe des BMW X1 an sich selbst beantragt, sondern an den Hal- ter/Eigentümer, also an C.________. Hinsichtlich einer Herausgabe an den Hal- ter/Eigentümer verfügt der Beschwerdeführer – ungeachtet der Frage, ob er im Moment der Beschlagnahme Besitzer im zivilrechtlichen Sinne war – indes über kein eigenes rechtlich geschütztes Interesse. 4 3.4.3 Zusammengefasst beantragt der Beschwerdeführer die Herausgabe an einen Drit- ten und macht damit keine eigenen rechtlich geschützten Interessen geltend (vgl. Beschlüsse des Obergerichts BK 11 56 vom 18. April 2011 E. 3; BK 16 518 vom 13. Februar 2017 E. 2.3). Auf die Beschwerde ist nicht einzutreten. 4. Bei diesem Verfahrensausgang wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die amtliche Entschädigung für Rechtsanwalt B.________ wird am Ende des Ver- fahrens durch die Staatsanwaltschaft oder das urteilende Gericht festgelegt wer- den. 5 Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 800.00, werden dem Be- schuldigten/Beschwerdeführer auferlegt. 3. Die amtliche Entschädigung für Rechtsanwalt B.________ wird am Ende des Verfah- rens durch die Staatsanwaltschaft oder das urteilende Gericht festgelegt. 4. Zu eröffnen: - dem Beschuldigten/Beschwerdeführer, a.v.d. Rechtsanwalt B.________ - der Generalstaatsanwaltschaft Mitzuteilen: - der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, Staatsanwalt E.________ (mit den Akten) Bern, 10. Mai 2017 Im Namen der Beschwerdekammer in Strafsachen Die Präsidentin: Oberrichterin Schnell Der Gerichtsschreiber: Müller Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung gestellt. Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Be- schwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. 6