{"Signatur": "BE_OG_008", "Spider": "BE_ZivilStraf", "Datum": "2017-05-18", "PDF": {"Datei": "BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2016-246_2017-05-18.pdf", "URL": "https://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/BK_2016_246_323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7783922726f1c313d1d6bc3a3c93e53828fbf8620934c7ba1b9f2b43d4fd2adda9f07a0213169858b05df69dd2ab5f26a17?path=323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7783922726f1c313d1d6bc3a3c93e53828fbf8620934c7ba1b9f2b43d4fd2adda9f07a0213169858b05df69dd2ab5f26a17&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=BK_2016_246", "Checksum": "342249ab83e0e39f20a9d08c7157b332"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["BK 2016 246"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "it"], "Text": "Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 18.05.2017 BK 2016 246"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Chambre de recours pénale 18.05.2017 BK 2016 246"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Chambre de recours pénale"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna  Beschwerdekammer in Strafsachen"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Beschwerdekammer in Strafsachen  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Rassendiskriminierung, Nichtanhandnahme (Leitentscheid) | Einstellung/Nichtanhandnahme"}], "ScrapyJob": "446973/22/2112", "Zeit UTC": "04.12.2025 07:24:52", "Checksum": "a5dba4c4553c043a0ac8684c9df57c42", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 18.05.2017 BK 2016 246\nRegeste:\nRassendiskriminierung, Nichtanhandnahme (Leitentscheid) | Einstellung/Nichtanhandnahme\n\nObergericht Cour suprême\ndes Kantons Bern du canton de Berne\n\nBeschwerdekammer in Chambre de recours pénale\nStrafsachen\n\nHochschulstrasse 17\nPostfach\nBeschluss\n3001 Bern BK 16 246\nTelefon +41 31 635 48 09\nFax +41 31 635 48 15\nobergericht-straf.bern@justice.be.ch\nwww.justice.be.ch/obergericht Bern, 18. Mai 2017\n\nBesetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichter Trenkel, Oberrichterin Bratschi\nGerichtsschreiber Kind\n\nVerfahrensbeteiligte Unbekannte Täterschaft (evtl. A.________ AG)\nBeschuldigte 1\n\nA.________ AG\nv.d. Rechtsanwalt B.________\nBeschuldigte 2\n\nC.________\nv.d. Rechtsanwalt D.________\nStraf- und Zivilkläger/Beschwerdeführer\n\nGegenstand Nichtanhandnahme\nStrafverfahren wegen Rassendiskriminierung, Aussetzung, versuchter Nötigung etc.\n\nBeschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 3. Juni 2016 (BJS 16 6377)\nRegeste:\nArt. 261bis Abs. 5 StGB; Zeugen Jehovas; Rassendiskriminierung; Nichtanhandnahme\nEin Spital, das nicht bereit ist, Zeugen Jehovas eine „blutlose“ Chirurgie (Verzicht auf Abgabe von Blut oder Blutprodukten) zu garantieren, erfüllt nicht die Leistungsverweigerungsvariante des Rassendiskriminierungsartikels, wenn es einem Patienten dieser Glaubensrichtung bzw. dessen Operateur (Belegarzt), für einen elektiven operativen Eingriff\neine Absage erteilt (E. 4.5).\n\nErwägungen:\n\n1. C.________, getaufter Zeuge Jehovas, litt an einer Diskushernie und wurde deshalb am 26. September 2015 von Dr. med. E.________ (Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH) bei der\nA.________ (nachfolgend: Beschuldigte 2) zwecks operativer Dekompression eines Lendenwirbels zur Hospitalisation angemeldet. Das Operationsdatum war für\nden 30. September 2015 vorgesehen, mit anschliessendem fünftägigem Klinikaufenthalt. Unter dem Titel «Allergien/Unverträglichkeiten» vermerkte Dr. E.________ auf\ndem Anmeldeformular, dass der Patient Zeuge Jehovas sei, dass «cell saver» (Autotransfusionssystem) erlaubt wäre, aber für diesen Eingriff nicht notwendig sei (Beilage 4 zur Strafanzeige vom 7. März 2016). Am 28. September 2015 traf sich\nC.________ mit med. pract. F.________, Anästhesist bei der Beschuldigten 2, zu\neinem Aufklärungsgespräch. Anlässlich dieses Aufklärungsgesprächs weigerte sich\nC.________, eine von der Beschuldigten 2 für die Behandlung von Patienten der\nGlaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas geschaffene Einverständniserklärung\nzu unterschreiben (Beilage 8 zur Strafanzeige vom 7. März 2016). Im Anschluss an\ndieses Gespräch sandte der Anästhesist einen Fax an Dr. med. E.________, worin\ner diesem mitteilte, dass die Operation aufgrund der Weigerung von C.________,\ndie Einverständniserklärung zu unterzeichnen, nicht wie geplant durchgeführt werden könne. Dr. med. E.________, der auch im Spital G.________ operiert, organisierte daraufhin für C.________ im Spital G.________ einen Operationstermin, so\ndass er schliesslich am vorgesehenen 30. September 2015 dort erfolgreich und\nohne Bluttransfusion operiert werden konnte.\nAm 7. März 2016 reichte C.________ bei der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) eine Strafanzeige gegen unbekannte Täterschaft (evtl. Beschuldigte 2) sowie gegen die Beschuldigte 2 ein\nwegen Rassendiskriminierung, Aussetzung, versuchter Nötigung und Widerhandlung gegen das Spitalversorgungsgesetz (SpVG; BSG 812.11). Die Staatsanwaltschaft nahm das Verfahren mit Verfügung vom 3. Juni 2016 nicht an die Hand.\nDagegen erhob C.________ am 18. Juni 2016 Beschwerde mit den Anträgen, die\nangefochtene Nichtanhandnahmeverfügung sei aufzuheben, es sei eine Strafuntersuchung im Sinne der Strafanzeige vom 7. März 2016 zu eröffnen und die\nStaatsanwaltschaft sei anzuweisen, die beantragten Beweise zu erheben. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Generalstaatsanwaltschaft nahm am\n11. Juli 2016 Stellung zur Beschwerde und beantragte deren kostenfällige Abweisung. Die Beschuldigte 2 nahm nach zweimal erteilter Fristerstreckung am 29. August 2016 Stellung zur Beschwerde. Sie beantragte die Abweisung der Beschwer-\n\n2\nde unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers.\nNach zweimal verlängerter Frist replizierte der Beschwerdeführer am 28. Oktober\n2016 unter Aufrechterhaltung seiner Rechtsbegehren. Mit Eingabe vom 2. November 2016 bat die Beschuldigte 2 um Ansetzung einer Duplikfrist. Nach einmal gewährter Fristerstreckung duplizierte sie am 16. Januar 2017.\n\n"}