{"Signatur": "BE_OG_007", "Spider": "BE_ZivilStraf", "Datum": "2012-03-14", "PDF": {"Datei": "BE_ZivilStraf/BE_OG_007_ABS-2011-262_2012-03-14.pdf", "URL": "https://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/ABS_2011_262_323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7786f9e8a1bc966e39ad05321ec62fc95e1f01ee46864bb162bc14fb9b3153c7794d1af3c522b151cbbe7318a70a0ddd51a?path=323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7786f9e8a1bc966e39ad05321ec62fc95e1f01ee46864bb162bc14fb9b3153c7794d1af3c522b151cbbe7318a70a0ddd51a&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=ABS_2011_262", "Checksum": "8e78c720fb04a381b840c14731ffddeb"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["ABS 2011 262"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "it"], "Text": "Bern Obergericht Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen 14.03.2012 ABS 2011 262"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Autorité de surveillance en matière de poursuite pour dettes et faillite 14.03.2012 ABS 2011 262"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Obergericht Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Autorité de surveillance en matière de poursuite pour dettes et faillite"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna  Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Einvernehmlichen Schuldenbereinigung, Autoritätsstellung des Sachwalters, \\\"gelockerte\\\" Aufsicht des Nachlassrichters | Disziplinarverfahren"}], "ScrapyJob": "446973/22/2112", "Zeit UTC": "04.12.2025 08:48:08", "Checksum": "af98baf4c134a67193acaf47f3776833", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Obergericht Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen 14.03.2012 ABS 2011 262\nRegeste:\nEinvernehmlichen Schuldenbereinigung, Autoritätsstellung des Sachwalters, \\\"gelockerte\\\" Aufsicht des Nachlassrichters | Disziplinarverfahren\n\nABS 11/262, publiziert April 2012\n\nEntscheid der Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen des Kantons\nBern\n\nvom 14. März 2012\n\nBesetzung\nOberrichter Messer (Präsident), Rieder und Bähler sowie Gerichtsschreiber Rüetschi\n\nVerfahrensbeteiligte\nX,\nDisziplinarbeklagte\n\nGegenstand\nDisziplinarverfahren\n\nRegeste:\nIn Schrägschrift:\n Art. 14 Abs. 2 und Art. 335 SchKG\n Der Sachwalter hat im Verfahren der einvernehmlichen Schuldenbereinigung nicht dieselbe Autoritätsstellung wie der Sachwalter bei der ordentlichen Nachlassstundung. Aus diesem Grund ist von einer \"gelockerten\" Aufsicht des Nachlassrichters auszugehen.\n\nRedaktionelle Vorbemerkungen:\nSachwalterin X begleitete den Schuldner Z in einem Verfahren betreffend einvernehmliche\nSchuldenbereinigung (Art. 333 ff SchKG). Nach Abschluss des Verfahrens wurde die Sachwalterin vom Nachlassgericht zur Einreichung der Sachwalterakten aufgefordert (vgl. Kreisschreiben Nr. C 3 der Aufsichtsbehörde vom 6. September 2005). Die Sachwalterin X reichte\ngewisse Akten ein, verweigerte aber mit ausführlicher Begründung die vom Nachlassgericht\nverlangte Aktenergänzung.\n\nDaraufhin zeigte das Nachlassgericht den Sachverhalt der Aufsichtsbehörde an.\n\nAuszug aus den Erwägungen:\n\n(...)\n4. Die positivrechtliche Regelung des materiellen Disziplinarrechts nach SchKG erschöpft sich in Art. 14 Abs. 2 SchKG. In formeller Hinsicht wird einzig die Einsetzung\nder kantonalen Aufsichtsbehörde als Disziplinarbehörde bestimmt (FRANK EMMEL, in:\nStaehelin/Bauer/Staehelin [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Basel 2010, N 5a zu Art. 14 SchKG). Soweit das Bundesrecht\nselbst, wie im Falle des Disziplinarrechts, keine Verfahrensvorschriften aufstellt, ist\ndies gemäss Art. 20a Abs. 3 SchKG Sache der Kantone (FRANCO LORANDI, Betreibungsrechtliche Beschwerde und Nichtigkeit, Kommentar zu den Artikeln 13-30\nSchKG, Basel/Genf/München 2000, N 58 zu Art. 14).\n\n5. Entsprechende kantonale Verfahrensvorschriften finden sich im Einführungsgesetz\nzum SchKG (BSG 281.1) nicht, ebenfalls keine diesbezüglichen Hinweise im Personalgesetz (BSG 153.10) oder der entsprechenden Verordnung (BSG 153.011.1). Das\nrevidierte, auf den 1. Juli 2005 in Kraft getretene Personalgesetz verzichtet gar auf\nein eigentliches Disziplinarrecht. Es ist im Kanton Bern nicht mehr vorgesehen,\nDienstpflichtverletzungen disziplinarisch zu ahnden (MARKUS MÜLLER/RETO FELLER\n[Hrsg.], Bernisches Verwaltungsrecht, Bern 2008, S. 70, N 65). Da das SchKG als\nBundesgesetz weiterhin eine Disziplinierung von Angestellten der Betreibungs- und\nKonkursämter sowie von Sachwaltern vorsieht, das kantonale Personalgesetz jedoch\nnicht mehr beigezogen werden kann, ist nachfolgend die Frage der anzuwendenden\nVerfahrensvorschriften zu klären. In casu rechtfertigt es sich, diese offensichtliche\nGesetzeslücke betreffend Verfahrensrecht durch Beizug der sachbezüglichen Bestimmungen des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)\nzu schliessen. Das Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege diente bereits wiederholt zur Regelung des nur rudimentär normierten betreibungsrechtlichen Aufsichtsverfahrens und auch das Personalgesetz verweist in Art. 108 Abs. 1 auf das VRPG. Zudem ist für das Beschwerdeverfahren (Art. 17 – 21 SchKG) seit der Revision vom 11.\nJuni 2009 ausdrücklich die Anwendung des VRPG vorgesehen (Art. 11 Abs. 3\nEGSchKG).\n\n6. Wie Gerichtspräsident Oberle in seiner Eingabe vom 9. September 2011 zutreffend\nzum Ausdruck bringt, bestehen in der Lehre diverse Ansichten zu Rechtsnatur und\nAusgestaltung des Instituts der einvernehmlichen privaten Schuldenbereinigung.\n\nIn der Lehre wird das (Auftrags-)Verhältnis zwischen Nachlassrichter und Sachwalter\nmehrheitlich als privatrechtliches im Sinne des Auftragsrechts verstanden, da dem\nSachwalter gemäss Art. 335 SchKG keine hoheitlichen Zwangsmittel übertragen werden (ALEXANDER BRUNNER/FELIX H. BOLLER, in: Staehelin/Bauer/Staehelin [Hrsg.],\nBasler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs II, 2. A., Basel\n2010, N 12 zu Art. 334 SchKG). Diese Qualifikation kann in Frage gestellt werden\n(vgl. für die Abgrenzung privatrechtlicher von öffentlich-rechtlichen Verhältnissen im\nAllgemeinen statt vieler BGE 128 III 250), ist indessen im vorliegenden Verfahren\nnicht entscheiderheblich und kann offen gelassen werden.\n\nAuch der Schuldenregulierungsvertrag (als Innominatkontrakt) zwischen Schuldner\nund Gläubiger wird als privatrechtlich qualifiziert (BRUNNER/BOLLER, a.a.O., N 7 zu\nArt. 335 SchKG; MARIO RONCORONI, in: Hunkeler [Hrsg.], Kurzkommentar SchKG,\nBasel 2009, N 6 zu Art. 335 SchKG; DANIEL HUNKELER, Das NACHLASSVERFAHREN\nnach revidiertem SchKG, Diss. Freiburg i. Ue. 1996 [zit. „HUNKELER, Nachlassverfahren“], S. 60, N 228; DOMINIQUE JUNOD MOSER/LOUIS GAILLARD, in: Dallèves/Foëx/Jeandin [Hrsg.], Poursuite et faillite, Commentaire romand, Basel 2005,\nN 13 und N 23 zu Art. 335 SchKG).\n\n"}