{"Signatur": "BE_OG_003", "Spider": "BE_ZivilStraf", "Datum": "2022-11-18", "PDF": {"Datei": "BE_ZivilStraf/BE_OG_003_KES-2022-840_2022-11-18.pdf", "URL": "https://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/KES_2022_840_323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7783f31ed313ec0ee82429623bd2eb8547614b7ceb2a735b1a500c6a2c4971ff77360fb294d0b44928dce0adedd5f844ff8?path=323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7783f31ed313ec0ee82429623bd2eb8547614b7ceb2a735b1a500c6a2c4971ff77360fb294d0b44928dce0adedd5f844ff8&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=KES_2022_840", "Checksum": "ae8460edf817a484fd100d338a4b3612"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["KES 2022 840"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "it"], "Text": "Bern Obergericht Kindes- und Erwachsenenschutzgericht 18.11.2022 KES 2022 840"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Tribunal de la protection de l'enfant et de l'adulte 18.11.2022 KES 2022 840"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Obergericht Kindes- und Erwachsenenschutzgericht"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Tribunal de la protection de l'enfant et de l'adulte"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna  Kindes- und Erwachsenenschutzgericht"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Kindes- und Erwachsenenschutzgericht  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Beschwerdefrist bei Behandlung ohne Zustimmung (Zwangsmedikation) | medizinische Massnahme bei psychischer Störung"}], "ScrapyJob": "446973/22/2112", "Zeit UTC": "04.12.2025 01:05:02", "Checksum": "a794da4bbe54c6814c0be800699f9dd1", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Obergericht Kindes- und Erwachsenenschutzgericht 18.11.2022 KES 2022 840\nRegeste:\nBeschwerdefrist bei Behandlung ohne Zustimmung (Zwangsmedikation) | medizinische Massnahme bei psychischer Störung\n\nObergericht Cour suprême\ndes Kantons Bern du canton de Berne\n\nKindes- und Erwachsenen- Tribunal de la protection\nschutzgericht de l'enfant et de l'adulte\n\nHochschulstrasse 17\nPostfach\nEntscheid\n3001 Bern KES 22 840\nTelefon +41 31 635 48 06\nFax +41 31 634 50 53\nObergericht-Zivil.Bern@justice.be.ch\nwww.justice.be.ch/obergericht Bern, 18. November 2022\n\nBesetzung Oberrichter Bettler (Referent), Oberrichter Josi und Oberrichterin\nSanwald\nGerichtsschreiberin Kislig\n\nVerfahrensbeteiligte A.________\nzurzeit Universitäre Psychiatrische Dienste, Bolligenstrasse 111,\n3000 Bern 60\nBeschwerdeführer\n\ngegen\n\nB.________\nVorinstanz\n\nGegenstand Behandlung ohne Zustimmung (Zwangsmedikation)\n\nBeschwerde gegen die Anordnung einer Behandlung ohne Zustimmung vom 5. Oktober 2022\nRegeste:\nDie Frist zur Anhebung einer Beschwerde gegen eine Behandlung ohne Zustimmung\n(Art. 434 ZGB) beträgt nach dem klaren Wortlaut von Art. 439 Abs. 1 Ziff. 4 und Abs. 2\nZGB zehn Tage seit Mitteilung des Entscheids, selbst wenn die Behandlung über einen\nlängeren Zeitraum andauert und aus mehreren Eingriffen besteht (E. 3.2.1)\nEine Einweisung zur Begutachtung genügt nicht als rechtliche Grundlage für eine Behandlung ohne Zustimmung (E. 4.2)\n\nErwägungen:\n\nI.\n\n1.\n1.1 Am 5. Oktober 2022 erfolgte die ärztliche fürsorgerische Unterbringung von\nA.________ (nachfolgend: Beschwerdeführer) in den Universitären Psychiatrischen\nDiensten Bern (UPD; pag. 19).\n1.2 Ebenfalls am 5. Oktober 2022 verfügte Dr. med. B.________, Oberärztin UPD, eine\nZwangsmedikation des Beschwerdeführers mit Haldol/Haloperidol und damit eine\nBehandlung ohne Zustimmung im Sinne von Art. 434 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210; pag. 17).\n1.3 Mit Entscheid vom 11. November 2022 wies die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Bern den Beschwerdeführer bis voraussichtlich am 30. November\n2022 zur Begutachtung in die UPD ein.\n\n2.\n2.1 Am 7. November 2022 (Faxschreiben) hat der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die Zwangsmedikation erhoben (pag. 1).\n2.2 Gemäss telefonischer Auskunft der UPD dauert die am 5. Oktober 2022 angeordnete Zwangsmedikation des Beschwerdeführers nach wie vor an (vgl. Telefonnotiz,\npag. 77; Kurzgutachten vom 16. November 2022, pag. 73).\n\nII.\n\n3.\n3.1 Gegen Massnahmen im Sinne von Art. 434 ZGB steht die Beschwerde beim Kin-\ndes- und Erwachsenenschutzgericht offen (Art. 439 Abs. 1 Ziff. 4 ZGB i.V.m.\nArt. 65 des Gesetzes über den Kindes- und Erwachsenenschutz [KESG; BSG\n213.316]). Weil sich vorliegend keine fachspezifischen Fragen des Erwachsenenschutzes stellen, erfolgt die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde\ndurch drei hauptamtliche Richterinnen und Richter (Art. 45 Abs. 3 des Gesetzes\nüber die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG;\nBSG 161.1]).\n\n2\n3.2\n3.2.1 Die Frist zur Anhebung einer Beschwerde gegen die Anordnung einer Behandlung\nohne Zustimmung beträgt nach dem klaren Wortlaut von Art. 439 Abs. 1 Ziff. 4 und\nAbs. 2 ZGB zehn Tage seit Mitteilung des Entscheids, auch wenn die Behandlung\nüber einen längeren Zeitraum andauert und aus mehreren Eingriffen besteht (vgl.\nBGE 143 III 337 E. 2.4.3 und E. 2.4.4 S. 341 f.). Lediglich bei Massnahmen zur\nEinschränkung der Bewegungsfreiheit kann das Gericht jederzeit angerufen werden (Art. 439 Abs. 2 ZGB). Aus der Entstehungsgeschichte ergibt sich, dass es\nsich dabei nicht um ein Versehen des Gesetzgebers handelt. Im Vorentwurf von\n2003 war noch vorgesehen, dass auch gegen eine Behandlung einer psychischen\nStörung jederzeit Beschwerde erhoben werden kann (Bericht ExpK Erwachsenenschutz Juni 2003, S. 69 f., abrufbar unter: www.bj.admin.ch). Der Gesetzgeber hat\nsich jedoch gegen diese Lösung entschieden. Für eine Auslegung entgegen dem\nWortlaut der Bestimmung bleibt damit kein Raum (kritisch dazu u.a. GEI-\nSER/ETZENSBERGER, in: Basler Kommentar, Schweizerisches Zivilgesetzbuch,\n7. Aufl. 2022, N. 35 zu Art. 439 ZGB und N. 27 zu Art. 434/435 ZGB; GUILLOD, in:\nFamKommentar, Erwachsenenschutz, 2013, N. 33 zu Art. 439 ZGB; PRZULJ, Medizinische Zwangsbehandlung im Rahmen der fürsorgerischen Unterbringung, in: hill,\nZeitschrift für Recht und Gesundheit, 2014 Nr. 201 Fn. 149).\n3.2.2 Die Beschwerde vom 7. November 2022 gegen die mit Verfügung vom 5. Oktober\n2022 angeordnete Behandlung ohne Zustimmung ist verspätet erfolgt.\n3.3 Auf die Beschwerde kann folglich nicht eingetreten werden.\n\nIII.\n\n"}