{"Signatur": "BE_OG_002", "Spider": "BE_ZivilStraf", "Datum": "2025-07-16", "PDF": {"Datei": "BE_ZivilStraf/BE_OG_002_HG-2023-72_2025-07-16.pdf", "URL": "https://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/HG_2023_72_323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7785bf43c129d017798b850a77d6684b2e30d1bd8a7ba1aa6c85a19252716b360b62c35db587628709f9b816b8ae3f20515?path=323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7785bf43c129d017798b850a77d6684b2e30d1bd8a7ba1aa6c85a19252716b360b62c35db587628709f9b816b8ae3f20515&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=HG_2023_72", "Checksum": "195ac957badf602eaf9f9b67ddb107e0"}, "Scrapedate": "2026-04-02", "Num": ["HG 2023 72"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "it"], "Text": "Bern Obergericht Handelsgericht 16.07.2025 HG 2023 72"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Tribunal de commerce 16.07.2025 HG 2023 72"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Obergericht Handelsgericht"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Tribunal de commerce"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna  Handelsgericht"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Handelsgericht  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Grundversorgungsauftrag PostFinance | Vertragsrecht übriges"}], "ScrapyJob": "446973/22/2236", "Zeit UTC": "02.04.2026 00:30:30", "Checksum": "48516d32b5f4e9ca6297e02566de446b", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Obergericht Handelsgericht 16.07.2025 HG 2023 72\nRegeste:\nGrundversorgungsauftrag PostFinance | Vertragsrecht übriges\n\nObergericht Cour suprême\ndes Kantons Bern du canton de Berne\n\nHandelsgericht Tribunal de commerce\n\nHochschulstrasse 17\nPostfach\nEntscheid\n3001 Bern HG 23 72\nTelefon +41 31 635 48 03\nFax +41 31 634 50 53\nhandelsgericht.bern@justice.be.ch\nwww.justice.be.ch/obergericht Bern, 16. Juli 2025\n\nBesetzung Oberrichterin Sanwald (Vizepräsidentin), Handelsrichter Schmid\nund Handelsrichter Kocher\nGerichtsschreiberin Brönnimann\n\nVerfahrensbeteiligte A.________\nvertreten durch Rechtsanwalt B.________\nKläger\n\ngegen\n\nPostFinance AG, Mingerstrasse 20, 3030 Bern\n(UID: CHE-114.583.749)\nvertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. C.________ und\nRechtsanwältin D.________\nBeklagte\n\nGegenstand Weiterführung der Geschäftsbeziehung\n\nKlage vom 26. Juni 2023\nRegeste:\nArt. 32 PG, Art. 43 und 45 VPG; Grundversorgungsauftrag der PostFinance:\n- Die PostFinance ist von ihrem Grundversorgungsauftrag im Bereich der Dienstleistungen des inländischen Zahlungsverkehrs in Schweizer Franken auch dann befreit,\nwenn sie nachweisen kann, dass ihr die Einhaltung von Bestimmungen im Bereich der\nFinanzmarkt-, Geldwäscherei- und Embargogesetzgebung einen unverhältnismässigen Aufwand verursacht (Art. 45 Abs. 1 Bst. a VPG). Der dem Verordnungsgeber mit\nArt. 32 Abs. 2 PG eingeräumte Spielraum ist für das anwendende Gericht verbindlich\nund der Bundesrat hat den Delegationsrahmen nicht offensichtlich gesprengt\n(E. 16.3).\n- Der PostFinance gelingt es in Bezug auf den in den USA als «Specially Designated\nNational» sanktionierten Kläger nicht, das Vorliegen einer Ausnahme von ihrem\nGrundversorgungsauftrag zu beweisen (E. 24 ff.).\n\nErwägungen:\n\nI. Prozessgeschichte\n\n1.\n1.1 Mit Klage vom 26. Juni 2023 gegen die PostFinance AG (nachfolgend: Beklagte)\nstellte A.________ (nachfolgend: Kläger) die folgenden Rechtsbegehren (pag. 1 ff.;\nHG 23 72):\nEs sei die Beklagte zu verpflichten, die Geschäftsbeziehung mit dem Kläger (Referenz Nummer\n________) aufrechtzuerhalten und das auf den Kläger lautende Konto mit der IBAN ________ in\nSchweizer Franken für den inländischen Zahlungsverkehr weiterzuführen unter Androhung der Bestrafung ihrer Organe gemäss Art. 292 StGB mit Busse im Widerhandlungsfall;\n\neventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, mit dem Kläger einen Kontovertrag für ein Konto in\nSchweizer Franken für den inländischen Zahlungsverkehr abzuschliessen und Zahlungsinstruktionen\ndes Klägers zu Lasten und zu Gunsten des Kontos auszuführen unter Androhung der Bestrafung ihrer\nOrgane gemäss Art. 292 StGB mit Busse im Widerhandlungsfall;\n\nalles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zu Lasten der Beklagten.\n\nGleichzeitig ersuchte er um Anordnung vorsorglicher Massnahmen (inkl. Superprovisorium; HG 23 73).\n1.2 Mit Verfügung vom 27. Juni 2023 wies die Instruktionsrichterin den Antrag auf Erlass superprovisorischer Massnahmen ab (pag. 39 ff.).\n1.3 Nach Eingang der Stellungnahme vom 12. Juli 2023 (pag. 42 ff.) im Verfahren um\nErlass vorsorglicher Massnahmen wies die Vizepräsidentin das Gesuch mit Entscheid vom 27. September 2023 ab. Die Prozesskosten des Verfahrens HG 23 73\nschlug sie zur Hauptsache (HG 23 72; pag. 73 ff.).\n\n2\n1.4 In ihrer Klageantwort vom 2. Oktober 2023 beantragte die Beklagte die kostenfällige Abweisung der Klage (pag. 80 ff.).\n1.5 Am 8. Januar 2024 reichte der Kläger eine Klageänderung im Verfahren HG 23\n72 sowie ein vorsorgliches Massnahmegesuch (inkl. Superprovisorium; HG 24 4)\nein (pag. 123 ff.). Die ergänzten Rechtsbegehren im ordentlichen Verfahren lauteten wie folgt (Änderungen hervorgehoben):\n1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, die Geschäftsbeziehung mit dem Kläger (Referenz Nummer\n________) aufrechtzuerhalten und das auf den Kläger lautende Konto mit der IBAN ________ in\nSchweizer Franken für den inländischen Zahlungsverkehr weiterzuführen unter Androhung der\nBestrafung ihrer Organe gemäss Art. 292 StGB mit Busse im Widerhandlungsfall;\n\neventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, mit dem Kläger einen Kontovertrag für ein Konto in\nSchweizer Franken für den inländischen Zahlungsverkehr abzuschliessen und Zahlungsinstruktionen des Klägers zu Lasten und zu Gunsten des Kontos auszuführen unter Androhung der Bestrafung ihrer Organe gemäss Art. 292 StGB im Widerhandlungsfall;\n\n2. es sei die Beklagte zu verpflichten, Bareinzahlungen des Klägers in Schweizer Franken von bis zu\nCHF 15'000 für QR-Rechnungen zu Gunsten von Zahlungsempfängern mit Sitz oder Wohnsitz in\nder Schweiz auszuführen unter Androhung der Bestrafung ihrer Organe gemäss Art. 292 StGB mit\nBusse im Widerhandlungsfall;\n\nalles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zu Lasten der Beklagten.\n\n"}