{"Signatur": "BE_OG_002", "Spider": "BE_ZivilStraf", "Datum": "2014-06-30", "PDF": {"Datei": "BE_ZivilStraf/BE_OG_002_HG-2013-149_2014-06-30.pdf", "URL": "https://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/HG_2013_149_323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e77872fc014070890d834731668ff18a21bf9dbf4651673015619091dd6b4fdfbddf6832821f6fd1cd681c8708f32e28fe97?path=323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e77872fc014070890d834731668ff18a21bf9dbf4651673015619091dd6b4fdfbddf6832821f6fd1cd681c8708f32e28fe97&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=HG_2013_149", "Checksum": "b1c71a8b23c0f5172d99cf6059c332bd"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["HG 2013 149"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "it"], "Text": "Bern Obergericht Handelsgericht 30.06.2014 HG 2013 149"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Tribunal de commerce 30.06.2014 HG 2013 149"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Obergericht Handelsgericht"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Tribunal de commerce"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna  Handelsgericht"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Handelsgericht  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Art. 261 Abs. 1 ZPO, relative Dringlichkeit einer vorsorglichen Massnahme | Lauterkeitsrecht"}], "ScrapyJob": "446973/22/2112", "Zeit UTC": "04.12.2025 08:34:22", "Checksum": "7e8a9cf5b1c06f8148ae54631c149280", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Obergericht Handelsgericht 30.06.2014 HG 2013 149\nRegeste:\nArt. 261 Abs. 1 ZPO, relative Dringlichkeit einer vorsorglichen Massnahme | Lauterkeitsrecht\n\nHG 13 149, publiziert im Dezember 2014\n\nEntscheid des Handelsgerichts des Kantons Bern\n\nvom 30. Juni 2014\n\nSpruchkörper\nOberrichter Greiner (Präsident)\nGerichtsschreiber Sarbach\n\nVerfahrensbeteiligte\nA AG,\nvertreten durch Rechtsanwalt X\nGesuchstellerin\n\ngegen\n\nB AG,\nvertreten durch Rechtsanwalt Y und/oder Rechtsanwalt Z\nGesuchsgegnerin\n\nGegenstand\nGesuch vom 19. Dezember 2013\n\nRegeste:\n Art. 261 Abs. 1 ZPO\n Der Erlass einer vorsorglichen Massnahme muss zeitlich dringlich sein. Verlangt wird\nneben der objektiven Dringlichkeit auch eine relative Dringlichkeit: Die Gesuchsstellerin\nmuss den Erlass vorsorglicher Massnahmen zeitlich so beantragt haben, dass dieses\nVerfahren mindestens so schnell beendet ist wie ein sofort eingeleitetes ordentliches\nHauptsacheverfahren.\n\nRedaktionelle Vorbemerkungen:\nDie A AG bietet seit 1998 ein bestimmtes Produkt für die Einrichtung von Baustellen im\nheutigen Design an. Die B AG vertreibt seit Januar 2012 ebenfalls ein bestimmtes Produkt\nfür die Einrichtung von Baustellen. Die A AG ist der Ansicht, dass die B AG mit ihrem\nProdukt Verwechslungsgefahr schafft, die Rechte der A AG und wettbewerbsrechtliche\nBestimmungen verletzt. Sie hatte die B AG deshalb mit Schreiben vom 13. Dezember 2012\nerstmals zur sofortigen Unterlassung ihres Angebots aufgefordert und ihr eine Frist bis am\n20. Dezember 2012 zur Abgabe einer schriftlichen Unterlassungserklärung angesetzt. Mit\nSchreiben vom 9. Januar 2013 wies die B AG die vorgeworfenen Verletzungen zurück und\nerklärte, sie werde der Aufforderung der A AG keine Folge leisten.\n\nAm 19. Dezember 2013 reichte die A AG Klage beim Handelsgericht ein. Sie beantragte\n(unter anderem), der B AG zu verbieten, ihr besagtes Produkt auf dem Gebiet der Schweiz\nanzubieten, zu vertreiben oder sonst wie in Verkehr zu bringen. Mit gleichentags\neingereichtem Gesuch beantragte die A AG, ebendieses Verbot für die Dauer des\nVerfahrens als vorsorgliche Massnahme zu erlassen. Mit Verfügung vom 20. Dezember\n2013 wies es das Handelsgericht aufgrund mangelnder besonderer Dringlichkeit ab, das\nVerbot als superprovisorische Massnahme zu erlassen. Mit Entscheid vom 30. Juni 2014\nwies es das Handelsgericht auch ab, das Verbot als vorsorgliche Massnahme zu erlassen.\n\nAuszug aus den Erwägungen:\n\nI. Prozessgeschichte\n\n(…)\n\nII. Formelles\n\n(…)\n\nIII. Sachverhalt\n\n(…)\n\nIV. Materielles\n\n(…)\n\n22. Im vorliegenden Fall ist es angezeigt, die Voraussetzung der zeitlichen Dringlichkeit\nan erster Stelle zu prüfen.\n\n22.1. Der Erlass einer vorsorglichen Massnahme muss zeitlich dringlich sein (vgl.\nFRANÇOIS BOHNET, in: Bohnet et al. [Hrsg.], Code de procédure civile commenté,\n2011, Art. 261 N. 12; LUCIUS HUBER, in: Sutter-Somm et al. [Hrsg.], Kommentar zur\nSchweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 2. A. 2013, Art. 261 N. 22; SABINE\nKOFMEL EHRENZELLER, in: Oberhammer et al. [Hrsg.], Kurzkommentar ZPO, 2. A.\n2014, Art. 261 N. 7; THOMAS SPRECHER, in: Spühler et al. [Hrsg.], Basler\nKommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. A. 2013, Art. 261 N. 39;\nSTAEHELIN ET AL., Zivilprozessrecht, 2. A. 2013, § 22 Rz. 11; MICHAEL TREIS, in:\nBaker & McKenzie [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung [ZPO], 2010,\nArt. 261 N. 10; JOHANN ZÜRCHER, in: Brunner et al. [Hrsg.], Schweizerische\nZivilprozessordnung [ZPO], 2011, Art. 261 N. 8).\nDieses Erfordernis findet sich zwar im Gesetz nicht ausdrücklich, folgt aber ohne\nWeiteres aus der Voraussetzung des nicht leicht wieder gutzumachenden\nNachteils gemäss Art. 261 Abs. 1 Bst. b ZPO (vgl. Botschaft vom 28. Juni 2006 zur\nSchweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006 7354 Ziff. 5.19; vgl. auch BOHNET,\na.a.O., Art. 261 N. 12; HUBER, a.a.O., Art. 261 N. 22; RÜETSCHI/ROTH, in:\nHilty/Arpagus [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgesetz gegen den unlauteren\nWettbewerb [UWG], 2013, Vor Art. 9–13a N. 62; SPRECHER, a.a.O., Art. 261 N. 39;\nSTAEHELIN ET AL., a.a.O., § 22 Rz. 11; JOHANN ZÜRCHER, in: Brunner et al. [Hrsg.],\nSchweizerische Zivilprozessordnung [ZPO], 2011, Art. 261 N. 9). Implizit kann die\nVoraussetzung der zeitlichen Dringlichkeit aus Art. 265 ZPO gelesen werden, der\nfür superprovisorische Massnahmen eine \"besondere Dringlichkeit\" verlangt (vgl.\nSPRECHER, a.a.O., Art. 261 N. 39; TREIS, a.a.O., Art. 261 N. 10).\n\n22.2. Massgeblich für die Beurteilung der zeitlichen Dringlichkeit ist der von der\nGesuchsstellerin geltend gemachte (primäre) Realerfüllungsanspruch. Ein\nallfälliger sekundärer Schadenersatzanspruch vermag die Dringlichkeit, die ein\nRealerfüllungsanspruch begründet, nicht aufzuheben, da er nicht nur an der\nInsolvenz der Gegenpartei scheitern kann, sondern häufig mit den Schwierigkeiten\nder Schadensbezifferung und des Schadensnachweises verbunden ist (vgl.\nANDREAS GÜNGERICH, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar,\nSchweizerische Zivilprozessordnung, Band I, 2012, Art. 261 N. 37; HUBER, a.a.O.,\nArt. 261 N. 22; SPRECHER, a.a.O., Art. 261 N. 39; STAEHELIN ET AL., a.a.O., § 22\nRz. 11; ZÜRCHER, a.a.O., Art. 261 N. 25; vgl. auch RÜETSCHI/ROTH, a.a.O., Vor\nArt. 9–13a N. 61).\n\n"}