{"Signatur": "BE_OG_002", "Spider": "BE_ZivilStraf", "Datum": "2012-12-09", "PDF": {"Datei": "BE_ZivilStraf/BE_OG_002_HG-2012-127_2012-12-09.pdf", "URL": "https://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/HG_2012_127_323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e778466e2b364f8e9bf2eb468d63884f70dcbcaf81a80842b03846d615807fa1f6e95c38b039d53914cbfb7216072ce133bc?path=323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e778466e2b364f8e9bf2eb468d63884f70dcbcaf81a80842b03846d615807fa1f6e95c38b039d53914cbfb7216072ce133bc&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=HG_2012_127", "Checksum": "8250d252005ae084c42fd87120c15dfe"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["HG 2012 127"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "it"], "Text": "Bern Obergericht Handelsgericht 09.12.2012 HG 2012 127"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Tribunal de commerce 09.12.2012 HG 2012 127"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Obergericht Handelsgericht"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Tribunal de commerce"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna  Handelsgericht"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Handelsgericht  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Art. 70, 71 ZPO - Zuständigkeit des Handelsgerichts bei Streitgenossenschaft | Darlehen"}], "ScrapyJob": "446973/22/2112", "Zeit UTC": "04.12.2025 08:44:37", "Checksum": "f5afbdc713022d6df83054804a2fb0b5", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Obergericht Handelsgericht 09.12.2012 HG 2012 127\nRegeste:\nArt. 70, 71 ZPO - Zuständigkeit des Handelsgerichts bei Streitgenossenschaft | Darlehen\n\nHG 12 127, publiziert April 2013\n\nEntscheid des Handelsgerichts des Kantons Bern\n\nvom 9. Dezember 2012\n\nBesetzung\nOberrichter Greiner (Präsident), Handelsrichter Bircher, Handelsrichterin Obrecht\nund Gerichtsschreiber Poggio\n\nZivilverfahren\n\nP.___________ AG,\nvertreten durch Rechtsanwalt R.\nKlägerin\n\ngegen\n\nA. B.,\nBeklagter 1\n\nA. C.,\nBeklagte 2\n\nbeide vertreten durch Fürsprecher D.\n\nGegenstand\nKlage vom 3. September 2012\n\nRegeste:\n\nArt. 70, 71 ZPO: Sowohl im Fall der passiven notwendigen als auch der passiven einfachen Streitgenossenschaft ist die sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts für sämtliche eingeklagten Streitgenossen abzulehnen, wenn die Voraussetzungen der sachlichen\nZuständigkeit nicht für jeden einzelnen Streitgenossen erfüllt sind.\nRedaktionelle Vorbemerkung:\nDie P.______ AG reichte am 12. September 2012 beim Handelsgericht Klage gegen das\nEhepaar A. ein. Der Ehemann A. B. war mit seiner Einzelfirma im Handelsregister eingetragen. Da die Ehefrau A. C. ihrerseits nicht im Handelsregister eingetragen war, bestritten\ndie Beklagten die handelsgerichtliche Zuständigkeit. Der vorliegende Entscheid befasst\nsich mit der Frage nach der sachlichen Zuständigkeit des Handelsgerichts des Kantons\nBern.\n\nAuszug aus den Erwägungen:\n(...)\nII.\n1. (...)\n\n2. In casu ist zunächst zu prüfen, ob die Parteien im Schweizerischen Handelsregister\noder in einem vergleichbaren ausländischen Register eingetragen sind (Art. 6 Abs. 2\nlit. c ZPO). Dies trifft einerseits auf die Klägerin als Aktiengesellschaft (KB 2) als auch\nauf den Beklagten 1 als natürliche Person und Inhaber einer Einzelunternehmung (KB\n19) zu. Unbestrittenermassen nicht im Handelsregister eingetragen ist hingegen die\nBeklagte 2 und Ehefrau des Beklagten 1.\n\n(...)\n\n3. Das Handelsgericht ist nur dann sachlich zuständig, wenn beide Parteien im Handelsregister oder in einem vergleichbaren ausländischen Register eingetragen sind. Natürliche Personen sind der Handelsgerichtsbarkeit nur unterworfen, wenn sie mit ihrem\nEinzelunternehmen im Handelsregister gemäss Art. 945 i.V.m. Art. 934 OR eingetragen sind (VOCK, BSK ZPO, Basel 2010, N. 11 und 12 zu Art. 6). Eine Ausnahme bildet\nArt. 6 Abs. 3 ZPO, gemäss welchem auch natürliche Personen (als Kläger) an das\nHandelsgericht gelangen können, wenn nur die Beklagte im Handelsregister eingetragen ist, ansonsten aber die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. Keine Wahlmöglichkeit besteht hingegen im umgekehrten Fall, in welchem nur der Kläger im Handelsregister eingetragen ist (RÜETSCHI, in: SUTTER-SOMM/ HASENBÖHLER/ LEUENBERGER\n(Hrsg.), Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), Zürich/ Basel/\nGenf 2010, N. 31 zu Art. 6). Massgebend ist der Eintrag im Zeitpunkt der Rechtshängigkeit (vgl. VOCK, a.a.O., N. 14 zu Art. 6; BERGER, Verfahren vor dem Handelsgericht,\nausgewählte Fragen, praktische Hinweise, in: ZBJV Band 148 2012, S. 473).\n\n4. Bei Streitgenossen müssen die Prozessvoraussetzungen, einschliesslich der sachlichen Zuständigkeit (Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO), für jeden einzelnen Streitgenossen vorliegen (BERGER, a.a.O., S. 476; DOMEJ, in: OBERHAMMER (Hrsg.), Kurzkommentar\nZPO, Schweizerische Zivilprozessordnung, Basel 2010, N. 17 zu Art. 70; LEUENBER-\nGER/ UFFER-TOBLER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern, 2010, N. 3.33; RUG-\nGLE, BSK ZPO, Basel 2010, N. 21 zu Art. 70). Bilden mehrere Beklagte eine notwendige Streitgenossenschaft, entfällt deshalb die Zuständigkeit des Handelsgerichts,\nwenn auch nur einer der Streitgenossen nicht in einer der verlangten Eigenschaften\n2\nim Handelsregister eingetragen ist (BERGER, a.a.O., S. 476). Art. 6 Abs. 2 lit. c ZPO ist\ndemnach so zu lesen, dass im Fall der passiven notwendigen Streitgenossenschaft\nsämtliche Beklagten im Handelsregister eingetragen sein müssen. Andernfalls sind\ndie ordentlichen Gerichte zuständig (DOMEJ, a.a.O., N. 18 zu Art. 70, m.w.H.; vgl.\nauch STAEHELIN/ SCHWEIZER, in: SUTTER-SOMM/ HASENBÖHLER/ LEUENBERGER (Hrsg.),\nKommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), Zürich/ Basel/ Genf\n2010, N. 13 zu Art. 70 und RUGGLE, a.a.O., N. 28 zu Art. 70, der jedoch – entgegen\nBGE 138 III 471, E. 5.1 – eine Zuweisung der notwendigen Streitgenossenschaft an\nein Sondergericht durch kantonales Recht für möglich hält, auch wenn die entsprechenden Voraussetzungen nicht von sämtlichen Streitgenossen erfüllt werden).\n\n5. Werden mehrere Beklagte vom Kläger zu einer einfachen Streitgenossenschaft verbunden, so werden in Lehre und Rechtsprechung verschiedene Meinungen vertreten:\n\nRUGGLE (a.a.O., N. 17 zu Art. 71) erklärt überzeugend, dass die einfache Streitgenossenschaft stillschweigend voraussetze, dass für alle Klagen die gleiche sachliche Zuständigkeit bestehe.\n\nGemäss BERGER (a.a.O., S. 476) ist das Handelsgericht bei einfacher Streitgenossenschaft nur für die Streitgenossen mit entsprechendem Registereintrag zuständig; auf\ndie Klagen gegen die übrigen Streitgenossen habe es nicht einzutreten.\n\n"}