{"Signatur": "BE_OG_001", "Spider": "BE_ZivilStraf", "Datum": "2020-11-20", "PDF": {"Datei": "BE_ZivilStraf/BE_OG_001_KES-2020-815_2020-11-20.pdf", "URL": "https://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/KES_2020_815_323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7788241b3486ca229c1e7f80e4afe4fccb4efdb7b39a3492023583048f01d110cb3d64b79d913c28070b2481e8fe34b2b17?path=323719a1159f182ebd8af5cfa97b333ff61114ecd421be6d2c393d33132eb663dc9daec69bda9215d03ee54d8043e7788241b3486ca229c1e7f80e4afe4fccb4efdb7b39a3492023583048f01d110cb3d64b79d913c28070b2481e8fe34b2b17&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=KES_2020_815", "Checksum": "f6a1999624bb4c94f3e706614d86b592"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["KES 2020 815"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Obergericht Zivilkammern 20.11.2020 KES 2020 815"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Chambres civile 20.11.2020 KES 2020 815"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Obergericht Zivilkammern 20.11.2020 KES 2020 815"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Obergericht Zivilkammern"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Cour suprême Chambres civile"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Obergericht Zivilkammern"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "2. Zivilkammer  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Unzulässigkeit der Anordnung einer Ungehorsamsstrafe gemäss Art. 292 StGB für die Nichtteilnahme an gemeinsamen Beratungsgesprächen mit dem Kindsvater | Diverses"}], "ScrapyJob": "446973/22/2112", "Zeit UTC": "04.12.2025 03:07:33", "Checksum": "d3089cc928e2d74461ac5fe6e6b2abe5", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Obergericht Zivilkammern 20.11.2020 KES 2020 815\nRegeste:\nUnzulässigkeit der Anordnung einer Ungehorsamsstrafe gemäss Art. 292 StGB für die Nichtteilnahme an gemeinsamen Beratungsgesprächen mit dem Kindsvater | Diverses\n\nObergericht Cour suprême\ndes Kantons Bern du canton de Berne\n\nKindes- und Erwachsenen- Tribunal de la protection\nschutzgericht de l'enfant et de l'adulte\n\nHochschulstrasse 17\nPostfach\nEntscheid\n3001 Bern KES 20 815\nTelefon +41 31 635 48 06 KES 20 816 (Gesuch uR Beschwerdeführerin)\nFax +41 31 634 50 53\nObergericht-Zivil.Bern@justice.be.ch\nwww.justice.be.ch/obergericht Bern, 20. November 2020\n\nBesetzung Oberrichterin Grütter (Referentin), Oberrichter Hurni und\nOberrichter Schlup\nGerichtsschreiberin Brütsch\n\nVerfahrensbeteiligte A.________\nvertreten durch Rechtsanwältin B.________\nBeschwerdeführerin/Gesuchstellerin\n\ngegen\n\nC.________\nBeschwerdegegner\n\nKindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Emmental,\nDorfstrasse 21, Postfach 594, 3550 Langnau i. E.\nVorinstanz\n\nD.________\nBetroffene\n\nGegenstand Anordnung einer Ungehorsamsstrafe gemäss Art. 292 StGB\nunentgeltliche Rechtspflege\n\nBeschwerde gegen den Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Emmental vom 24. August 2020\n(Referenz: 2019-4859)\n\nGesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom 25. September 2020\nRegeste:\n\nUnzulässigkeit der Anordnung einer Ungehorsamsstrafe gemäss Art. 292 StGB für\ndie Nichtteilnahme an gemeinsamen Beratungsgesprächen mit dem Kindsvater\nFehlende Justiziabilität der Begriffe einer «aktiven» und «konstruktiven» Mitwirkung am\nBeratungsprozess (E. 7.4).\nDie Kindsmutter kann nicht mittels einer Strafandrohung dazu bewogen werden, mit einer\nihr verhassten Person gemeinsam an einen Tisch zu sitzen. Solch eine Anordnung wäre\nnicht verhältnismässig und würde stark in die Persönlichkeitsrechte der Kindsmutter eingreifen. Die Anordnung wäre auch nicht zielführend. Der elterliche Konflikt hat ein zu grosses Ausmass erreicht und die negativen Emotionen, die sich bei einem erzwungenen Kontakt aufbauen und anstauen, würden ein konstruktives Gespräch verhindern (E. 7.5).\n\nErwägungen:\n\nI.\n\n1.\n1.1 D.________, geb. am ________ (nachfolgend: Betroffene/Kind), ist die gemeinsame Tochter von A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführerin/Kindsmutter) und\nC.________ (nachfolgend: Beschwerdegegner/Kindsvater). Die Kindseltern sind\nnicht miteinander verheiratet und leben seit Frühjahr 2019 getrennt. Die elterliche\nSorge üben sie gemeinsam aus. D.________ wohnt bei ihrer Mutter.\n1.2 Zwischen den Kindseltern herrscht ein massiver Trennungskonflikt, an dem teilweise auch die Grosseltern mütterlicher- und väterlicherseits involviert sind. Dies erschwert bzw. verunmöglicht den Vollzug des Besuchsrechts massiv. Seit anfangs\nDezember 2019 finden zwischen Vater und Kind keine Kontakte mehr statt.\n\n2.\n2.1 Mit Entscheid vom 26. Februar 2020 wies die Vorinstanz die Kindseltern an,\nwährend 6 Monaten regelmässig an einer angeordneten Beratung teilzunehmen\nund konstruktiv und aktiv am Beratungsprozess und der Erarbeitung von Lösungen\nbetreffend ihre elterlichen Konflikte mitzuwirken (Dispositivziffer 1). Auf eine\nbehördliche Regelung des persönlichen Verkehrs während der Zeit der angeordneten Beratung wurde verzichtet. Zusätzlich wurde für das Kind eine Beistandschaft\ngemäss Art. 308 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) errichtet.\n2.2 Dieser Entscheid wurde nicht angefochten und erwuchs in Rechtskraft. Daraufhin\nbeauftragte die Beiständin des Kindes die Stiftung E.________ in F.________ mit\nder Durchführung der angeordneten Beratung.\n\n2\n2.3 Am 29. April 2020 nahm die Kindsmutter an einem Einzelgespräch der Stiftung\nE.________ teil. Den daraufhin vorgesehenen, gemeinsamen Gesprächen mit dem\nKindsvater blieb die Kindsmutter fern.\n2.4 Mit Schreiben vom 3. Juli 2020 stellte die Vorinstanz der Kindsmutter in Aussicht,\nihr für den Fall, dass die gemäss Dispositivziffer 1 des Entscheids vom 26. Februar\n2020 verfügte angeordnete Beratung nicht bis spätestens am 30. September 2020\nangelaufen sei und sie (die Kindsmutter) nicht konstruktiv und aktiv am Beratungsprozess und der Erarbeitung von Lösungen betreffend die elterlichen Konflikte mitwirke, eine Bestrafung mit Busse gemäss Art. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) anzudrohen.\n2.5 Mit Entscheid vom 24. August 2020 befahl die Vorinstanz der Kindsmutter unter\nAndrohung der Ungehorsamsstrafe im Widerhandlungsfall gemäss Art. 292 StGB,\ndie Weisung gemäss Ziff. II./1. des Entscheids vom 26. Februar 2020 einzuhalten\n(Dispositivziffer 1).\n\n"}