{"Signatur": "BE_AK_001", "Spider": "BE_Anwaltsaufsicht", "Datum": "2023-03-01", "PDF": {"Datei": "BE_Anwaltsaufsicht/BE_AK_001_AA-2022-207_2023-03-01.pdf", "URL": "https://www.aa-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/AA_2022_207_c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61fc65d93b96ddb1a164c286b1de315bb3271cad8e613061534b24b14711be5bd78b6be91a83cfec7002734f276974600ec?path=c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61fc65d93b96ddb1a164c286b1de315bb3271cad8e613061534b24b14711be5bd78b6be91a83cfec7002734f276974600ec&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=AA_2022_207", "Checksum": "83d22f6ec65fe219a404bedac10f4f9e"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["AA 2022 207"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 01.03.2023 AA 2022 207"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats 01.03.2023 AA 2022 207"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 01.03.2023 AA 2022 207"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "5er Besetzung  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Verletzung der Sorgfaltspflicht (Art. 12 lit. a BGFA) | Disziplinarverfahren"}], "ScrapyJob": "446973/21/1982", "Zeit UTC": "25.09.2025 00:11:01", "Checksum": "51a29b69ab8ef02c6befcc041f4c50d7", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 01.03.2023 AA 2022 207\nRegeste:\nVerletzung der Sorgfaltspflicht (Art. 12 lit. a BGFA) | Disziplinarverfahren\n\nObergericht Cour suprême\ndes Kantons Bern du canton de Berne\n\nAnwaltsaufsichtsbehörde Autorité de surveillance\ndes avocats\n\nHochschulstrasse 17\nPostfach\nEntscheid\n3001 Bern AA 22 207\nTelefon +41 31 635 48 05\nanwaltsaufsicht.bern@justice.be.ch\nwww.justice.be.ch/obergericht Bern, 1. März 2023\n\nBesetzung Oberrichter Studiger (Präsident), Rechtsanwältin Biedermann\n(Referentin), Gerichtspräsidentin Dupuis, Rechtsanwalt Schnidrig,\nGerichtspräsident Blaser\nGerichtsschreiberin Spielmann\n\nVerfahrensbeteiligte Regionalgericht Oberland, Scheibenstrasse 11 B, 3600 Thun\nAnzeigerin\n\ngegen\n\nA.________\nDisziplinarbeklagter\n\nGegenstand Disziplinarverfahren\n\nAnzeige vom 4. Oktober 2022\n\nRegeste:\nVerletzung der Sorgfaltspflicht (Art. 12 lit. a BGFA)\nDer betroffene Rechtsanwalt hat die Sorgfaltspflicht verletzt, indem er vertrauliche und\nnicht für den Gerichtsgebrauch vorgesehene Vergleichsangebote im Rahmen einer Stellungnahme dem Gericht eingereicht hat.\nErwägungen:\n\nI. Prozessgeschichte und Sachverhalt\n\n1. Gestützt auf Art. 15 des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit\nder Anwältinnen und Anwälte (Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61) meldete die Zivilabteilung des Regionalgerichts Oberland (nachfolgend: Anzeigerin) der Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern mit Eingabe vom 4. Oktober 2022 (pag. 1-3),\nA.________ (nachfolgend: Disziplinarbeklagter) habe im Rahmen seiner Klageantwort [recte: Stellungnahme nach Art. 245 Abs. 2 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272)] vom 22. August 2022 im Verfahren CIV 22 1604 Ausführungen über den Hergang der aussergerichtlichen Vergleichsverhandlungen der beteiligten Parteien gemacht sowie zwei Schreiben der\nKlägerin vom 8. April 2022 und 29. Juni 2022 eingereicht, welche Vorschläge zur\nBeilegung der Streitsache zum Inhalt haben. In einem dieser Schreiben (jenem\nvom 29.06.2022) habe die Klägerin explizit festgehalten, dass der Vorschlag unpräjudiziell und im Gerichtsfall nicht verwertbar sei. Die Klägerin habe daraufhin mit\nEingabe vom 7. September 2022 die Anträge gestellt, wonach Ziffer 9 der Klageantwort [recte: Stellungnahme] unkenntlich zu machen sei und die Antwortbeilagen 4 und 5 aus den Akten zu weisen seien. Mit Eingabe an das Gericht vom 12.\nSeptember 2022 habe sich der Disziplinarbeklagte den Anträgen der Klägerin angeschlossen und sich für den Fehler entschuldigt.\n\nEs handle sich um Vorfälle, die eine Verletzung der anwaltlichen Berufsregeln darstellen könnten, insbesondere von Art. 12 lit. a BGFA, wonach die Anwältinnen und\nAnwälte ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft ausüben sowie der Artikel 6 – Anwältinnen und Anwälte informieren das Gericht nur mit ausdrücklicher Zustimmung\nder Gegenpartei über deren Vorschläge zur Beilegung der Streitsache – und Artikel\n26 der Schweizerischen Standesregeln, wonach als vertraulich bezeichnete Dokumente und Gesprächsinhalte keinen Eingang in gerichtliche Verfahren finden dürfen.\n\n2. Mit Schreiben vom 6. Oktober 2022 (pag. 7) orientierte die Aufsichtsbehörde die\nAnzeigerin, dass ihr im Disziplinarverfahren keine Parteistellung zukomme, aber sie\nauf Verlangen zu gegebener Zeit über den Ausgang des Verfahrens orientiert werde.\n\n3. Gleichentags teilte die Anwaltsaufsichtsbehörde dem Disziplinarbeklagten schriftlich mit (pag. 9), dass eine Meldung der Anzeigerin gegen ihn eingegangen sei und\nräumte ihm eine Frist bis am 28. Oktober 2022 ein, um kurz zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Ergänzend wies die Anwaltsaufsichtsbehörde den Disziplinarbeklagten darauf hin, dass die Anzeige implizit von der beruflichen Schweigepflicht entbinde.\n\n4. Mit E-Mail vom 7. Oktober 2022 (pag. 11) bat die Anzeigerin über den Ausgang des\nVerfahrens orientiert zu werden.\n\n2\n5. Der Disziplinarbeklagte nahm innert der angesetzten Frist mit Schreiben vom\n17. Oktober 2022 kurz wie folgt zu den Vorwürfen Stellung (pag. 13):\n\nVorab bestätigt der Disziplinarbeklagte den Erhalt des Schreibens vom 6. Oktober\n2022 und dankt für die Gelegenheit zur Stellungnahme. Zudem reicht er in der Beilage das Schreiben vom 12. September 2022 (pag. 15) an die Anzeigerin sowie\nsein Schreiben vom 12. September 2022 (pag. 17) an B.________ ein. Der Disziplinarbeklagte führt aus, ihm sei beim Versand der Klageantwort [recte: Stellungnahme] ein Fehler unterlaufen, indem er als «nicht für den Gerichtsgebrauch» bezeichnete Korrespondenz dem Gericht zugestellt habe. Er habe sich bei\nB.________ sofort nach Kenntnisnahme für das Versehen entschuldigt und sich\nbeim Gericht den Anträgen der Gegenpartei unterzogen. Zudem bestätigt der Disziplinarbeklagte, die Ausführungen in der Disziplinaranzeige vom 4. Oktober 2022\ndes Regionalgerichts Oberland seien korrekt.\n\n"}