{"Signatur": "BE_AK_001", "Spider": "BE_Anwaltsaufsicht", "Datum": "2023-08-28", "PDF": {"Datei": "BE_Anwaltsaufsicht/BE_AK_001_AA-2021-42_2023-08-28.pdf", "URL": "https://www.aa-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/AA_2021_42_c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61f6f9b43d9f3d2697ac6ed3ddb08687a08f3adfc83dfd902438d4b28d4578a77bc41a9b5a16bc58c903efdb01627226650?path=c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61f6f9b43d9f3d2697ac6ed3ddb08687a08f3adfc83dfd902438d4b28d4578a77bc41a9b5a16bc58c903efdb01627226650&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=AA_2021_42", "Checksum": "d563e18e7132297e4fe25fc936bc3604"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["AA 2021 42"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 28.08.2023 AA 2021 42"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats 28.08.2023 AA 2021 42"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 28.08.2023 AA 2021 42"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "7er Besetzung  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Disziplinarmassnahmen (Art. 17 BGFA) | Disziplinarverfahren"}], "ScrapyJob": "446973/21/1982", "Zeit UTC": "25.09.2025 00:11:00", "Checksum": "9d8ff07c24f909cb3ab4671a53a1041b", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 28.08.2023 AA 2021 42\nRegeste:\nDisziplinarmassnahmen (Art. 17 BGFA) | Disziplinarverfahren\n\nObergericht Cour suprême\ndes Kantons Bern du canton de Berne\n\nAnwaltsaufsichtsbehörde Autorité de surveillance\ndes avocats\n\nHochschulstrasse 17\nPostfach\nEntscheid\n3001 Bern AA 21 42\nTelefon +41 31 635 48 05\nanwaltsaufsicht.bern@justice.be.ch\nwww.justice.be.ch/obergericht Bern, 28. August 2023\n\nBesetzung Oberrichter Zuber (Präsident), Rechtsanwalt Prof. Dr. Stalder (Referent), Oberrichterin Friederich Hörr, Rechtsanwalt Schnidrig,\nGerichtspräsidentin Dupuis, Rechtsanwältin Biedermann,\nGerichtspräsident Blaser,\nGerichtsschreiberin Spielmann\n\nVerfahrensbeteiligte A.________\nAnzeiger\n\ngegen\n\nB.________\nDisziplinarbeklagter\n\nGegenstand Disziplinarverfahren\n\nAnzeige vom 8. Februar 2021\n\nRegeste:\nDisziplinarmassnahmen (Art. 17 BGFA)\nDisziplinarsanktionen sind nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip zu bemessen. In Würdigung aller Umstände erachtet die Anwaltsaufsichtsbehörde im vorliegenden Fall ein befristetes Berufsverbot von 12 Monaten als angebracht. Die Verletzung der Berufsregeln, die\nnicht nur die Interessen der Klientschaft, sondern auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in\ndie Integrität der Anwaltschaft schützen, ist manifest und das Verschulden des Disziplinarbeklagten ist als gross zu gewichten. Dass sich der Disziplinarbeklagte seiner Verfehlungen bewusst ist und Reue zeigt, ist dahingehend zu berücksichtigen, dass die auszusprechende Sanktion unter der gemäss Art. 17 Abs. 1 lit. d BGFA zulässigen Dauer eines befristeten Berufsausübungsverbotes liegt. Angesichts der Schwere des Verstosses gegen\ndie Berufsregeln ist kumulativ eine Busse auszusprechen (Art. 17 Abs. 2 BGFA).\nErwägungen:\n\nI. Sachverhalt\n\n1. A.________ (nachfolgend Anzeiger) erstattete am 8. Februar 2021 bei der Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern Anzeige gegen B.________ (nachfolgend\nDisziplinarbeklagter). Im Zusammenhang mit der Interessenwahrung und Rechtsvertretung des Anzeigers vereinnahmte der Disziplinarbeklagte auf seinem Klientengelderkonto insgesamt CHF 180'000.00. Davon leitete der Disziplinarbeklagte\nCHF 50'000.00 an den Anzeiger weiter, die übrigen CHF 130'000.00 blieb er ihm\ntrotz mehrmaliger Mahnung schuldig. Am 26. März 2019 unterzeichnete der Disziplinarbeklagte eine Schuldanerkennung mitsamt Abzahlungsvereinbarung über den\nRestbetrag von CHF 130'000.00, welcher er jedoch nicht bzw. nur unzureichend\nnachkam. Ausstehend sind noch immer rund CHF 95'000.00.\n\n2. Mit Verfügung vom 12. April 2022 sprach die Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons\nBern gegen B.________ wegen Verletzung von Art. 12 lit. a sowie lit. h des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61) ein dauerndes Berufsverbot aus, verbunden\nmit der Anordnung, seinen Eintrag im Anwaltsregister mit dem Hinweis auf das\ndauernde Berufsverbot zu ergänzen.\n\n3. Dagegen erhob B.________ am 13. Mai 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hiess die Beschwerde mit Urteil 100.2022.143U vom 27. Februar 2023 gut, hob die Verfügung\nder Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern auf und wies die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinn der Erwägungen an die Anwaltsaufsichtsbehörde\ndes Kantons Bern zurück.\n\n4. Mit Verfügung vom 10. Mai 2023 nahm die Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons\nBern das Verfahren unter der Verfahrensnummer AA 21 42 wieder auf.\n\nII. Erwägungen\n\nA) Zuständigkeit\n\n5. Der Disziplinarbeklagte ist im Anwaltsregister des Kantons Bern eingetragen. Die\nsachliche, örtliche und funktionelle Zuständigkeit der Anwaltsaufsichtsbehörde des\nKantons Bern ist gestützt auf Art. 14 BGFA i.V.m. Art. 12 Abs. 1 lit. b des Kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) gegeben.\n\n2\nB) Berufsregelverletzung nach Art. 12 lit h und lit. a BGFA\n\n1. Die Berufspflicht zur getrennten Aufbewahrung von anvertrauten Vermögenswerten\n\n6. Gemäss Art. 12 lit. h BGFA sind Anwälte verpflichtet, das ihnen anvertraute Vermögen getrennt von ihrem eigenen Vermögen aufzubewahren.\n\n7. Einerseits liegen Sinn und Zweck der Bestimmung darin, dass die Gläubiger eines\nAnwalts keine Möglichkeit haben, auf die anvertrauten Gelder zuzugreifen. Anknüpfungspunkt der Berufspflicht nach Art. 12 lit. h BGFA ist die auftragsrechtliche Herausgabepflicht gemäss Art. 400 Abs. 1 OR, wonach der Beauftragte zur Rückerstattung von allem, was ihm infolge der Geschäftsführung zugekommen ist, verpflichtet ist. Weiter trifft den Anwalt die Pflicht zur sorgfältigen Aufbewahrung der\nihm anvertrauten Vermögenswerte (WALTER FELLMANN, in: Fellmann/Zindel, Kommentar zum Anwaltsgesetz, Zürich 2011, Art. 12 N 150 f. m.w.H.).\n\n"}