{"Signatur": "BE_AK_001", "Spider": "BE_Anwaltsaufsicht", "Datum": "2021-02-04", "PDF": {"Datei": "BE_Anwaltsaufsicht/BE_AK_001_AA-2020-136_2021-02-04.pdf", "URL": "https://www.aa-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/AA_2020_136_c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61fedc7c7e9aaee7d8fb8ccbf1d9a34569d9ad6bc569b70234701750b7a76cb5ff8e1fdd6b7e0afca15d502a5ff1faca871?path=c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61fedc7c7e9aaee7d8fb8ccbf1d9a34569d9ad6bc569b70234701750b7a76cb5ff8e1fdd6b7e0afca15d502a5ff1faca871&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=AA_2020_136", "Checksum": "27db994f10e940f94e356a1faf7c151d"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["AA 2020 136"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 04.02.2021 AA 2020 136"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats 04.02.2021 AA 2020 136"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 04.02.2021 AA 2020 136"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "5er Besetzung  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Verletzung des Berufsgeheimnisses (Art. 13 BGFA); Prüfung und Verneinung der Löschung von Amtes wegen aus dem Anwaltsregister (Art. 8 Abs. 1 lit. b i.V.m. 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Bähler, Fürsprecherin Marti,\nGerichtspräsidentin Zürcher,\nGerichtsschreiberin Spielmann\n\nVerfahrensbeteiligte Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Hodlerstrasse 7,\n3011 Bern\nAnzeigerin\n\ngegen\n\nA.________\nDisziplinarbeklagter\n\nGegenstand Disziplinarverfahren\n\nAnzeige vom 30. Juni 2020\n\nRegeste:\nVerletzung des Berufsgeheimnisses (Art. 13 BGFA); Prüfung und Verneinung der\nLöschung von Amtes wegen aus dem Anwaltsregister (Art. 8 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art.\n9 BGFA\nDer Rechtsanwalt verletzte die Pflicht zur Wahrung des Berufsgeheimnisses gemäss Art.\n13 BGFA, indem er im Rahmen eines Betreibungsgesuchs diverse Dokumente (wie die\ndetaillierte Rechnung, Anwaltsvollmacht, Gesuch um Befreiung vom Anwaltsgeheimnis\nsowie die Stellungnahme seines vormaligen Mandanten im Verfahren betreffend Befreiung\nvom Anwaltsgeheimnis) an die Betreibungsbeamtin weitergeleitet hat.\nDer Disziplinarbeklagte wurde mit rechtskräftigem Strafbefehlt wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses schuldig erklärt. Eine Verletzung der Geheimhaltungspflicht – als fundamentale Berufspflicht – wiegt grundsätzlich schwer, aufgrund der konkreten Umstände\nist vorliegend von einer mittelschweren Verletzung auszugehen. In Anbetracht der gesamten Umstände bewirkt die Verurteilung des Disziplinarbeklagten keine Unvereinbarkeit mit\ndem Anwaltsberuf i.S.v. Art. 8 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 9 BGFA, die eine Löschung im Anwaltsregister zu rechtfertigen vermöchte.\n\n2\nErwägungen:\n\nI. Sachverhalt\n\n1. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region-Mittelland (nachfolgend Anzeigerin) teilte der Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern den Strafbefehl vom\n30. Juni 2020 in der Strafsache gegen A.________ (nachfolgend Disziplinarbeklagter) im Verfahren BM 20 9558 mit. Die Anzeigerin erklärte den Disziplinarbeklagten\ndarin schuldig wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses, indem er der Betreibungsbeamtin des Betreibungsamts Pfäffikon/ZH mit E-Mails vom 4. Juni 2019 sowie 27. Juni 2019 diverse Unterlagen zustellte, mit denen er in Kauf nahm, Geheimnisse, die ihm von einem Mandanten infolge des Mandatsverhältnisses anvertraut worden waren, zu offenbaren. Sie bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 25\nTagessätzen zu je CHF 270.00, ausmachend CHF 6'750.00. Der Vollzug der\nGeldstrafe wurde unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.\n\n2. Mit Schreiben vom 9. Juli 2020 setzte der Präsident der Anwaltsaufsichtsbehörde\ndem Disziplinarbeklagten Frist zur Einreichung einer kurzen Stellungnahme zu den\ngegen ihn erhobenen Vorwürfen.\n\n3. Innert angesetzter Frist reichte der Disziplinarbeklagte am 29. Juli 2020 eine Stellungnahme ein. Er anerkannte den im Strafbefehl umschriebenen objektiven Tatbestand und führte aus, dass er zu keinem Zeitpunkt die Absicht gehabt habe, das\nBerufsgeheimnis gegenüber seinem Klienten B.________ zu verletzen. Die betreffenden E-Mails habe er nur deshalb an die Betreibungsbeamtin gesendet, weil er\nden von ihm geforderten Nachweis gemäss Art. 8a Abs. 3 lit. d des Bundesgesetzes vom 11. April 1889 über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG; SR 281.1)\ngegenüber einer dem Amtsgeheimnis unterliegenden Behörde habe erbringen wollen. Er sei davon ausgegangen, dass er diese Unterlagen gegenüber einer dem\nAmtsgeheimnis unterstehenden Amtsperson offenbaren dürfe und dass er einer\nMitwirkungspflicht nachzukommen habe.\n\n4. Mit Verfügung vom 11. August 2020 nahm und gab der Präsident der Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern Kenntnis von der Meldung in Form eines Strafbefehls der Anzeigerin vom 30. Juni 2020 und der Stellungnahme des Disziplinarbeklagten vom 29. Juli 2020. Er stellte weiter fest, dass der Disziplinarbeklagte im\nAnwaltsregister des Kantons Bern eingetragen sei und somit der durch die Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern ausgeübten Aufsicht im Sinne von Art. 14\ndes Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und\nAnwälte (BGFA; SR 935.61) i.V.m. Art. 12 des Kantonalen Anwaltsgesetzes vom\n28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) unterstehe. Gegen den Disziplinarbeklagten\nwurde ein Disziplinarverfahren wegen möglicher Verletzung von Art. 13 BGFA\neröffnet.\n\n5. Mit Schreiben vom 24. August 2020 teilte die Anzeigerin mit, dass der im Verfahren\nBM 20 9558 ergangene Strafbefehl in Rechtskraft erwachsen ist. Zudem ersuchte\ndie Anzeigerin um Mitteilung über Art und Erledigung des Disziplinarverfahrens.\n\n"}