{"Signatur": "BE_AK_001", "Spider": "BE_Anwaltsaufsicht", "Datum": "2019-08-06", "PDF": {"Datei": "BE_Anwaltsaufsicht/BE_AK_001_AA-2018-36_2019-08-06.pdf", "URL": "https://www.aa-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/AA_2018_36_c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d96162e95232182a4af806075c712a30d5027669ba50681a685148458a09f296a93db546604462d0e446b27cc330540e1d5850a134501981d11016a0224f049f967410?path=c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d96162e95232182a4af806075c712a30d5027669ba50681a685148458a09f296a93db546604462d0e446b27cc330540e1d5850a134501981d11016a0224f049f967410&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=AA_2018_36", "Checksum": "37ed0e5637ea0dd6cfcdb255e6e06cd3"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["AA 2018 36"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 06.08.2019 AA 2018 36"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats 06.08.2019 AA 2018 36"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 06.08.2019 AA 2018 36"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "5er Besetzung  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Verletzung der Aufklärungspflicht (Art. 12 lit. a BGFA) | Disziplinarverfahren"}], "ScrapyJob": "446973/21/1496", "Zeit UTC": "30.05.2024 00:11:09", "Checksum": "1856d9087a15552dfeb7bfd26f7df15e", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 06.08.2019 AA 2018 36\nRegeste:\nVerletzung der Aufklärungspflicht (Art. 12 lit. a BGFA) | Disziplinarverfahren\n\nObergericht Cour suprême\ndes Kantons Bern du canton de Berne\n\nAnwaltsaufsichtsbehörde Autorité de surveillance\ndes avocats\n\nHochschulstrasse 17\nPostfach\nEntscheid\n3001 Bern AA 18 36\nTelefon +41 31 635 48 05\nanwaltsaufsicht.bern@justice.be.ch\nwww.justice.be.ch/obergericht Bern, 6. August 2019\n\nBesetzung Oberrichter Studiger (Präsident), Fürsprecher F. Müller (Referent),\nOberrichter Guéra, Gerichtspräsidentin Zürcher, Fürsprecher\nLabbé\nGerichtsschreiberin Spielmann\n\nVerfahrensbeteiligte 2. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17, 3001 Bern\nAnzeigerin\n\ngegen\n\nA.________\nDisziplinarbeklagter\n\nGegenstand Disziplinarverfahren\n\nAnzeige vom 9. Februar 2018\n\nRegeste:\nVerletzung der Aufklärungspflicht (Art. 12 lit. a BGFA)\nGinge es im Einzelfall darum, einen voreingenommenen Richter abzulehnen, lässt sich\ndurchaus ein Klienteninteresse an einem Ablehnungsgesuch begründen. Geht es indessen darum, stereotyp jedwelchen gesetzlichen Spruchkörper auf verschiedenen Instanzen\nabzulehnen, bedürfte es für die Geltendmachung eines Klienteninteresses einer eigenständigen, nachvollziehbaren Begründung. Diese fehlt. Dazu kommt, dass vom Anwalt\ngefordert werden muss, den Klienten dahingehend aufzuklären, dass jedenfalls innerschweizerisch solche Ablehnungsbegehren bis anhin nie Erfolg hatten, so dass mit an\nSicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch für den konkreten Klienten mit einem kostenfälligen Verlustgang und Zeitversäumnis zu rechnen ist. Dem Klienten sind die Zweckmässigkeit oder eben Unzweckmässigkeit von Rechtsvorkehrungen vor Augen zu führen.\nDiese Aufklärungspflicht wurde vorliegend verletzt.\nErwägungen:\n\nI. Prozessgeschichte\n\n1. Mit Anzeige vom 9. Februar 2018 gelangte die 2. Zivilkammer des Obergerichts\ndes Kantons Bern, handelnd durch B.________, an die Anwaltsaufsichtsbehörde.\nSie reichte dieser in Wahrnehmung der den Gerichtsbehörden auferlegten Meldepflicht gemäss Art. 32 Abs. 3 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006\n(KAG; BSG 168.11) i.V.m. Art. 15 des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die\nFreizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (BGFA; SR 935.61) einen Entscheid\nvom 8. Februar 2018 (ZK 18 17 / ZK 18 18 / ZK 18 19 / ZK 18 20) der 2. Zivilkammer i.S. C.________ / D.________ betreffend Ausstand ein, zwecks Prüfung allfälliger disziplinarrechtlicher Massnahmen gegen den Disziplinarbeklagten (pag. 1 ff.).\nAuf den Inhalt dieser Eingabe wird später einzugehen sein.\n\n2. Die Anwaltsaufsichtsbehörde eröffnete dem Disziplinarbeklagten am 12. Februar\n2018 (pag. 39) die Möglichkeit, kurz zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen.\n\n3. Am 12. Februar 2018 reichte die Anzeigerin der Anwaltsaufsichtsbehörde eine von\nder 2. Zivilkammer als querulatorisch und rechtsmissbräuchlich beurteilte Beschwerde betreffend Ausstand ein (pag. 41 ff.), wovon dem Disziplinarbeklagten\nam 13. Februar 2018 Kenntnis gegeben wurde (pag. 65).\n\n4. Am 15. Februar 2018 nahm der Disziplinarbeklagte gegenüber der Anwaltsaufsichtsbehörde Stellung und reichte namentlich eine Bestätigung seines Klienten\nC.________ ein, wonach dieser über das Prozessrisiko informiert worden sei\n(Bestätigung vom 15. Februar 2018, pag. 73). Der Disziplinarbeklagte beantragte\nsinngemäss, es sei kein Disziplinarverfahren zu eröffnen (pag. 67 ff.). Am 7. März\n2018 reichte der Disziplinarbeklagte der Anwaltsaufsichtsbehörde eine Vollmacht\nseines Klienten betreffend Beschwerde an das Bundesgericht im Zusammenhang\nmit dem oben in Ziffer 1 erwähnten Entscheid der Anzeigerin ein (pag. 77 ff.). Am\n3. April 2018 reichte der Disziplinarbeklagte der Anwaltsaufsichtsbehörde zudem\nden Entscheid des Bundesgerichtes 1B_517/2017 vom 13. März 2018 ein, um daraus abzuleiten, der Vorwurf einer aussichtslosen Beschwerdeführung sei widerlegt\n(pag. 83 ff.). Am 14. Juni 2018 ging bei der Anwaltsaufsichtsbehörde ein weiteres\nSchreiben des Disziplinarbeklagten ein, in dem er sämtliche Vorgänge bei dieser\nBehörde als Verstoss gegen Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) allein oder in Verbindung mit Art. 18\nEMRK sowie gegen Art. 3 EMRK rügte (pag. 105 ff.). Diesem Schreiben wurden\nverschiedene Unterlagen beigelegt.\n\n5. Mit Verfügung vom 30. August 2018 eröffnete der Präsident der Anwaltsaufsichtsbehörde ein Disziplinarverfahren gegen den Disziplinarbeklagten wegen möglicher\nVerletzung von Art. 12 lit. a BGFA. In seiner Stellungnahme vom 21. September\n2018 an die Anwaltsaufsichtsbehörde äusserte sich der Disziplinarbeklagte eingehend zum erhobenen Vorwurf und negierte eine Verletzung von Berufsregeln.\n\n2\nHierauf und auf seine weiteren Eingaben (pag. 141 ff.) wird ebenfalls später einzugehen sein.\n\n"}