{"Signatur": "BE_AK_001", "Spider": "BE_Anwaltsaufsicht", "Datum": "2018-08-22", "PDF": {"Datei": "BE_Anwaltsaufsicht/BE_AK_001_AA-2017-62_2018-08-22.pdf", "URL": "https://www.aa-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/AA_2017_62_c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61f90b3922b77b9ca95190b3b1897ce618b1d17b5cd234ed0afb6d001bb88de725f37d1ee8b0f269e65f32f65032d740d9a?path=c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61f90b3922b77b9ca95190b3b1897ce618b1d17b5cd234ed0afb6d001bb88de725f37d1ee8b0f269e65f32f65032d740d9a&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=AA_2017_62", "Checksum": "ea7aa44aca9adb7f27ab882f7bde1e17"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["AA 2017 62"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 22.08.2018 AA 2017 62"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats 22.08.2018 AA 2017 62"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 22.08.2018 AA 2017 62"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "5er Besetzung  des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Interessenkonflikte (Art. 12 lit. c BGFA) | Disziplinarverfahren"}], "ScrapyJob": "446973/21/1982", "Zeit UTC": "25.09.2025 00:11:10", "Checksum": "5880e1718aa002032044cae26fde7148", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 22.08.2018 AA 2017 62\nRegeste:\nInteressenkonflikte (Art. 12 lit. c BGFA) | Disziplinarverfahren\n\nObergericht Cour suprême\ndes Kantons Bern du canton de Berne\n\nAnwaltsaufsichtsbehörde Autorité de surveillance\ndes avocats\n\nHochschulstrasse 17\nPostfach\nEntscheid\n3001 Bern AA 17 62\nTelefon +41 31 635 48 05\nanwaltsaufsicht.bern@justice.be.ch\nwww.justice.be.ch/obergericht Bern, 22. August 2018\n\nBesetzung Oberrichter Studiger (Präsident), Fürsprecher Dr. Fahrländer (Referent), Oberrichter J. Bähler, Gerichtspräsident Richner, Rechtsanwalt Dr. Rothenbühler,\nGerichtsschreiberin Spielmann\n\nVerfahrensbeteiligte Kantonales Wirtschaftsstrafgericht, Speichergasse 8,\n3011 Bern\nAnzeigerin\n\ngegen\n\nA.________\nDisziplinarbeklagter\n\nGegenstand Disziplinarverfahren\n\nAnzeige vom 3. April 2017\n\nRegeste:\nInteressenkonflikte (Art. 12 lit. c BGFA)\nAnders als der betroffene Rechtsanwalt, kam die Anwaltsaufsichtsbehörde zum Schluss,\ndie Interessenkonflikte bei der Übernahme eines Strafmandates wären bei pflichtgemässer\nÜberprüfung von Anfang an erkennbar gewesen.\nErwägungen:\n\nI. Sachverhalt\n\n1. Mit Eingabe vom 3. April 2017 (pag. 1 ff.) reichte Gerichtspräsidentin B.________\nnamens des Kantonalen Wirtschaftsstrafgerichts (nachfolgend Anzeigerin) bei der\nAnwaltsaufsichtsbehörde Anzeige gegen Rechtsanwalt A.________ (nachfolgend\nDisziplinarbeklagter) sowie seinen früheren Büropartner C.________ ein. Sie wirft\ndem Disziplinarbeklagten vor, er habe gegen das Doppelvertretungsverbot gemäss\nArt. 12 lit. c sowie gegen die allgemeine Pflicht verstossen, den Anwaltsberuf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben, wie sie in Art. 12 lit. a des Bundesgesetzes\nvom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (BGFA; SR\n935.61) festgehalten ist. Die Vorwürfe beziehen sich auf verschiedene (teilweise\nbestrittene) Mandate, die der Disziplinarbeklagte und sein damaliger Büropartner\nfür D.________ und E.________ (im Wesentlichen) im Zeitraum 2010 - 2011 ausübten, darunter namentlich die Strafverteidigung von D.________ in einem Betrugsverfahren. Der Anzeige sind diverse Beilagen beigelegt.\n\n2. Mit Schreiben vom 16. Mai 2017 (pag. 175) setzte der Präsident der Anwaltsaufsichtsbehörde dem Disziplinarbeklagten Frist zur Einreichung einer kurzen Stellungnahme zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen.\n\n3. Am 7. Juni 2017 reichte der Disziplinarbeklagte eine Kurzstellungnahme ein (pag.\n177 ff.), in welcher er sämtliche Vorwürfe bestritt. Dieser legte er verschiedene Dokumente bei.\n\n4. Mit Verfügung vom 16. November 2017 (pag. 229 f.) wurde gegen den Disziplinarbeklagten dieses Disziplinarverfahren wegen möglicher Verletzung von Art. 12 lit. a\nsowie Art. 12 lit. c BGFA eröffnet. Der Disziplinarbeklagte wurde zur ausführlichen\nStellungnahme zu den Vorwürfen innert 21 Tagen ab Erhalt der Verfügung eingeladen.\n\n5. Nach zweimal genehmigter Fristerstreckung (Verfügungen vom 13. Dezember\n2017, pag. 239 und vom 4. Januar 2018, pag. 245) reichte der Disziplinarbeklagte\nam 24. Januar 2018 seine Stellungnahme (pag. 247 ff.) ein. Er beantragt, das Aufsichtsverfahren sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge einzustellen. Für den\nFall, dass das Verfahren nicht bereits gestützt auf die schriftliche Stellungnahme\neingestellt werden sollte, ersucht er um Durchführung einer mündlichen Verhandlung, die Edition bestimmter Beweismittel (insb. um den Beizug der Verfahrensakten AA 17 63 aus dem Anwaltsaufsichtsverfahren gegen C.________) sowie ausdrücklich um die Einvernahme seiner Person.\n\n6. Mit Verfügung vom 29. Januar 2018 (pag. 283) wurden dem Disziplinarbeklagten\ndie mitwirkenden Mitglieder der Anwaltsaufsichtsbehörde bekanntgegeben, verbunden mit der Aufforderung, allfällige Ablehnungsgründe innert 10 Tagen ab Erhalt der Verfügung geltend zu machen. Weiter wurde der Referent ersucht, allfällige\nBeweismassnahmen bis zum 20. Februar 2018 zu beantragen. Innert dieser Fris-\n\n2\nten gingen indes weder Ablehnungsgründe ein, noch wurden Beweismassnahmen\nbeantragt.\n\nII. Formelles\n\n7. Die sachliche und örtliche Zuständigkeit der Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons\nBern ist gestützt auf Art. 14 BGFA in Verbindung mit Art. 12 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) gegeben, denn der Disziplinarbeklagte ist im Anwaltsregister des Kantons Bern eingetragen.\n\nDie Berufsregeln der Anwälte sind seit dem 1. Juni 2002 im BGFA geregelt. Die\ndortige Umschreibung in Art. 12 BGFA ist abschliessender Natur, d.h. für abweichende kantonale Vorschriften besteht kein Raum mehr, wie das Bundesgericht am\n18. Juni 2004 in BGE 130 II 270 ff. E. 3 festgestellt hat. Zur Auslegung von Art. 12\nBGFA können deshalb verbandsrechtliche Standesregeln nur noch insoweit herangezogen werden, als diese eine landesweit geltende Auffassung zum Ausdruck\nbringen (BGE 130 II 270 E. 3.1.1 und seitherige konstante Rechtsprechung). Auf\ndie vom Schweizerischen Anwaltsverband (SAV) am 1. Juli 2005 in Kraft gesetzten\nSchweizerischen Standesregeln (SSR) trifft dies ohne Zweifel zu.\n\n"}