{"Signatur": "BE_AK_001", "Spider": "BE_Anwaltsaufsicht", "Datum": "2017-08-03", "PDF": {"Datei": "BE_Anwaltsaufsicht/BE_AK_001_AA-2016-190_2017-08-03.pdf", "URL": "https://www.aa-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/tribunavtplus/ServletDownload/AA_2016_190_c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61fc0f33463722c98b7a81be23ca0f776c371a8df895c0c079cf63a365036cf7eb9579dfa0d99f46cefd0d6ae2500df6fe9?path=c4892be059dbbbe2ab13725f999aaabb84c52f17ba96bb16efdbdf2989d961620f4d9c4982ea57374778bf4a7be5b61fc0f33463722c98b7a81be23ca0f776c371a8df895c0c079cf63a365036cf7eb9579dfa0d99f46cefd0d6ae2500df6fe9&pathIsEncrypted=1&dossiernummer=AA_2016_190", "Checksum": "14639adf3bc432ae2f005605cb0074f1"}, "Scrapedate": "2023-01-01", "Num": ["AA 2016 190"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 03.08.2017 AA 2016 190"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats 03.08.2017 AA 2016 190"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 03.08.2017 AA 2016 190"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Berne Autorité cantonale de surveillance des avocats "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Berna Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": " des Obergerichts des Kantons Bern"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Verletzung der Sorgfaltspflicht (Art. 12 lit. a BGFA) | Disziplinarverfahren"}], "ScrapyJob": "446973/21/1982", "Zeit UTC": "25.09.2025 00:11:14", "Checksum": "054463df777210164ae2919f1da37961", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 03.08.2017 AA 2016 190\nRegeste:\nVerletzung der Sorgfaltspflicht (Art. 12 lit. a BGFA) | Disziplinarverfahren\n\nObergericht Cour suprême\ndes Kantons Bern du canton de Berne\n\nAnwaltsaufsichtsbehörde Autorité de surveillance\ndes avocats\n\nHochschulstrasse 17\nPostfach\nEntscheid\n3001 Bern AA 16 190\nTelefon +41 31 635 48 05\nanwaltsaufsicht.bern@justice.be.ch\nwww.justice.be.ch/obergericht Bern, 3. August 2017\n\nBesetzung Oberrichter Trenkel (Präsident), Rechtsanwalt Pascal Zbinden\n(Referent), Oberrichter Philippe Guéra, Oberrichter Daniel Bähler,\nFürsprecher Dr. Karl Ludwig Fahrländer,\nGerichtsschreiberin Spielmann\n\nVerfahrensbeteiligte Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, v.d. A.________, leitender\nStaatsanwalt, Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG\nAnzeigerin\n\ngegen\n\nB.________\nDisziplinarbeklagter\n\nGegenstand Disziplinarverfahren\n\nAnzeige vom 8. September 2016\n\nRegeste:\nVerletzung der Sorgfaltspflicht (Art. 12 lit. a BGFA)\nBerufsregelverletzung durch die Vereitelung der Inhaltskontrolle der Briefpost durch die\nStaatsanwaltschaft.\nErwägungen:\n\n1. Mit Schreiben vom 8. September 2016 meldete die Staatsanwaltschaft Brugg-\nZurzach (nachfolgend Anzeigerin) der Anwaltsaufsichtsbehörde, dass Rechtsanwalt B.________ (nachfolgend Disziplinarbeklagter) als amtlicher Verteidiger seines inhaftierten Mandanten mehrfach Korrespondenz seines Mandanten über den\nWeg der Anwaltspost an Dritte, namentlich dessen Mutter weiterleitete. Der Disziplinarbeklagte bestreite diesen Vorwurf nicht. Mit diesem Vorgehen seien die vom\nBeschuldigten an Dritte verfassten Briefe der Inhaltskontrolle durch die Staatsanwaltschaft entzogen worden, womit der Disziplinarbeklagte den Zweck der Untersuchungshaft – namentlich der Begegnung der Verdunkelungsgefahr – verhindert\nhabe.\n\n2. Mit Schreiben vom 13. September 2016 setzte der Präsident der Anwaltsaufsichtsbehörde dem Disziplinarbeklagten Frist zur Einreichung einer kurzen Stellungnahme bis zum 4. Oktober 2016.\n\n3. Mit Kurzbrief vom 30. September gab die Anzeigerin die Stellungnahme des Disziplinarbeklagten vom 26. September 2016 im damals hängigen Gesuch um Haftentlassung seines Mandanten sowie eine Kopie des Schreibens des Disziplinarbeklagten an seinen Mandanten vom 21. Juli 2016 zu den Akten.\n\n4. In seiner Stellungnahme vom 4. Oktober 2016 bestätigte der Disziplinarbeklagte\ndie Weiterleitung von 4 Schreiben seines Mandanten an dessen Mutter. Sein Mandant führe eine Bäckerei in der unmittelbaren Nähe seiner Kanzlei. Die plötzliche\nVerhaftung seines Mandanten habe zahlreiche administrative Vorkehrungen erfordert. Er, der Disziplinarbeklagte, sei in engem Kontakt mit der Mutter seines Mandanten gestanden, zwecks Weiterleitung von unabdingbaren Instruktionen hinsichtlich des Bäckereibetriebes. In den 4 an die Mutter seines Mandanten direkt weitergeleiteten Schreiben sei das laufende Verfahren überhaupt kein Thema gewesen.\nDie Inhaltskontrolle durch die Verfahrensleitung zu umgehen, sei nie seine Absicht\ngewesen. Um den Verdacht der Kollusion auszuräumen, habe er im Einverständnis\nseines Mandanten Kopien der 4 Schreiben am 22. September 2016 der Staatsanwaltschaft zur nachträglichen Einsichtnahme zugestellt.\n\n5. Mit Schreiben vom 6. Oktober 2016 wurden dem Disziplinarbeklagten Kopien der\nvon der Anzeigerin am 30. September 2016 nachgereichten Unterlagen zugestellt\nund ihm Gelegenheit gegeben, bis am 18. Oktober 2016 seine Stellungnahme vom\n4. Oktober 2016 hinsichtlich der zusätzlichen Unterlagen zu ergänzen.\n\n6. In seiner ergänzenden Stellungnahme vom 18. Oktober 2016 machte der Disziplinarbeklagte erneut geltend, dass nie die Absicht bestanden habe, die Inhaltskontrolle der Staatsanwaltschaft zu umgehen, weder seinerseits noch seitens seines\nMandanten. Insbesondere sei das von der Anzeigerin nachträglich zu den Akten\ngegebene Schreiben vom 21. Juli 2016 an seinen Mandanten, in dem darauf hin-\n\n2\ngewiesen wurde, dass die Post an den Verteidiger mit dem Zusatz «Anwaltspost»\nversehen werden könne, damit die Zustellung schneller gehe, keineswegs als ein\nVersuch der Kollusion zu werten, wie die Anzeigerin möglicherweise vermute.\n\n7. Mit Verfügung vom 18. November 2016 nahm der Präsident der Anwaltsaufsichtsbehörde Kenntnis von der kurzen Stellungnahme des Disziplinarbeklagten vom\n4. Oktober 2016 sowie der ergänzenden Stellungnahme vom 18. Oktober 2016 und\neröffnete gegen den Disziplinarbeklagten ein Disziplinarverfahren wegen möglicher\nVerletzung von Art. 12 lit. a des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte vom 23. Juni 2000 (BGFA; SR 935.61). Der Disziplinarbeklagte\nwurde eingeladen, innert 3 Wochen eine ausführliche Stellungnahme einzureichen.\n\n"}