{"Signatur": "AR_OG_008", "Spider": "AR_Gerichte", "Datum": "2021-01-01", "PDF": {"Datei": "AR_Gerichte/AR_OG_008_ERZ-20-8-ARGVP-2020-_nodate.pdf", "URL": "https://rechtsprechung.ar.ch/download/AR%20GVP/Gerichtsentscheide/2020/OG-20200429-ERZ-20-8-20210901-ARGVP-2020-3791.pdf", "Checksum": "10255a2f6aa06b3158ef0cb5fde725c3"}, "Scrapedate": "2025-12-21", "Num": ["ERZ-20-8 ARGVP 2020 3791"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Appenzell Ausserrhoden Obergericht Einzelrichter ERZ-20-8 ARGVP 2020 3791"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Appenzell Ausserrhoden Obergericht Einzelrichter"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Appenzell Rhodes-Extérieures  Einzelrichter"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Appenzello Interno  Einzelrichter"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "OG"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "AR GVP 32/2020 Nr. 3791 \nBewilligung der vorzeitigen Vollstreckbarkeit eines Entscheides (Art. 315 Abs. 2 ZPO). 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Folglich ist die Bewilligung der vorzeitigen Vollstreckbarkeit gestützt \nauf Art. 315 Abs. 2 ZPO ausgeschlossen.  \nVerfügung des Einzelrichters des Obergerichts, 29.04.2020, ERZ 20 8 \nAus den Erwägungen: \n5. a) A. ist der Au\n\nAR GVP 32/2020 Nr. 3791\n\nBewilligung der vorzeitigen Vollstreckbarkeit eines Entscheides (Art. 315 Abs. 2 ZPO). Ein Entscheid,\nwelcher die Regelung des Unterhalts sowie der Betreuung der Kinder zum Inhalt hat, ist ein Gestaltungsentscheid im Sinne von Art. 315 Abs. 3 ZPO. Folglich ist die Bewilligung der vorzeitigen Vollstreckbarkeit gestützt\nauf Art. 315 Abs. 2 ZPO ausgeschlossen.\n\nVerfügung des Einzelrichters des Obergerichts, 29.04.2020, ERZ 20 8\n\nAus den Erwägungen:\n5. a) A. ist der Auffassung, der angefochtene Entscheid komme bezüglich der Betreuung einem Gestaltungsurteil gleich. Die aufschiebende Wirkung könne deshalb nicht entzogen werden.\nS. hält dem entgegen, die Regelung der Betreuung sei kein Gestaltungsurteil, weil damit kein Rechtsverhältnis\nbegründet oder abgeändert werde.\n\nb) Gemäss Art. 315 Abs. 1 ZPO hemmt die Berufung grundsätzlich (zu den gesetzlichen Ausnahmen vgl. Art.\n315 Abs. 4 und 5 ZPO) die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit des angefochtenen Entscheids im Umfang der\nRechtsmittelanträge. Die Berufungsinstanz kann allerdings gemäss Art. 315 Abs. 2 ZPO abweichend von diesem Grundsatz auf Antrag hin (BENEDIKT SEILER, Die Berufung nach ZPO, 2013, Rz. 1010 ff.) die Vollstreckung\n(besser: Vollstreckbarkeit; SEILER, a.a.O., Rz. 1005) des angefochtenen Urteils vorzeitig bewilligen, sofern es\nsich bei diesem Urteil um kein Gestaltungsurteil im Sinne von Art. 315 Abs. 3 ZPO handelt. Nach Art. 87 ZPO\nhat eine Gestaltungsklage die Begründung, Änderung oder Aufhebung eines bestimmten Rechts oder Rechtsverhältnisses zum Inhalt. Dieser Inhalt deckt sich mit demjenigen der Gestaltungsentscheide gemäss Art. 103\nAbs. 2 lit a BGG (KATHRIN KLETT, Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, N. 14 zu Art. 103\nBGG; SEILER, a.a.O., Rz. 1035). Als Beispiele für Gestaltungsentscheide werden meist Vaterschafts- und\nScheidungsurteile, sowie Entscheide über die Auflösung einer juristischen Person genannt (BEAT MATHYS, in:\nBaker & McKenzie [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, 2010, N. 12 zu Art. 315 ZPO; SEILER, a.a.O.,\nRz. 1032 und 1035). Aber nicht nur Statusklagen fallen unter Art. 315 Abs. 3 ZPO und Art. 103 Abs. 2 lit. a\nBGG; Gestaltungsentscheide sind etwa auch Entscheide über das Besuchsrecht (ALEXANDER R. MARKUS, in:\nBerner Kommentar, ZPO, 2012, N. 16 S. 938 zu Art. 87 ZPO; SEILER, a.a.O., Rz. 1033, mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 5A_482/2007 vom 17. Dezember 2007 E. 1; Urteil des Obergerichts Zürich NQ120076\nvom 14. Januar 2013 E. 2.1.), die Obhut (Urteil des Bundesgerichts 5A_754/2013 vom 4. Februar 2014 E. 2.3)\noder über die Gestaltung der Elternrechte bei Scheidung oder Trennung (BESSENICH/BOPP, in: Sutter-\nSomm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl.\n2016, N. 8 S. 790 zu Art. 87 ZPO; MARC W EBER, in: Basler Kommentar, ZPO, 3. Aufl. 2017, N. 10 zu Art. 87\nZPO; SEILER, a.a.O., Rz. 1037 S. 443; FLORIAN MOHS, in: Gehri/Jent-Sørensen/Sarbach [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2015, N. 3 S. 237 zu Art. 87 ZPO; ALEXANDER R. MARKUS, a.a.O., N. 16 S.\n937 zu Art. 87 ZPO). Keine Gestaltungsurteile sind dagegen Entscheide über Kindesschutzmassnahmen (SEI-\nLER, a.a.O., Rz. 1034, mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 5A_94/2007 vom 31. Mai 2007).\n\nSeite 1/2\nGerichtsentscheid AR GVP 32/2020 Nr. 3791\n\nAngefügt sei, dass sich aus dem Urteil des Bundesgerichts 5A_754/2013 vom 4. Februar 2014 E. 2.3 ergibt,\ndass ein im Rahmen vorsorglicher Massnahmen - wozu etwa Eheschutzentscheide gehören - getroffener Entscheid über die Obhut nicht unter Art. 315 Abs. 3 ZPO und Art. 103 Abs. 2 lit. a BGG fällt. Vorliegend steht jedoch kein Massnahmenentscheid zur Diskussion, sondern die endgültige Regelung der Elternrechte. Es\nkommt somit mit Blick auf die vorliegende Fragestellung darauf an, in welchem Verfahren über die Obhut entschieden wird. Dies scheint NIKOLAS VON W ERDT (in: SEILER/VON W ERDT/GÜNGERICH/OBERHOLZER, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2015, N. 8 zu Art. 103 BGG) zu übersehen, wenn er unter Hinweis auf den eingangs erwähnten Entscheid des Bundesgerichts ohne Präzisierung oder Einschränkung die Meinung vertritt, die Regelung der Obhut falle nicht unter Art. 103 Abs. 2 lit. a BGG. KATHRIN KLETT (a.a.O., N. 14 S. 1630 zu Art. 103\nBGG) dagegen erwähnt das Urteil 5A_754/2013 im Zusammenhang mit der Nichtanwendbarkeit von Art. 103\nAbs. 2 lit. a BGG auf vorsorgliche Massnahmen. Nach Ansicht des Obergerichts Zürich handelt es sich bei der\nObhutszuteilung nicht um ein Gestaltungsurteil (Beschluss LP100009 vom 17. Juli 2012 E. II./F S. 53).\n\n"}