B. Gerichtsentscheide 3664 stelle bemüht hatte, obwohl eine Erwerbstätigkeit ihr tatsächlich möglich und zuzumuten gewesen wäre (Urteil BGer 5P.170/2004, E. 1.2.2, in: AJP 2004, S. 1420). Die Unterhaltspflicht des Berufungsklägers ist im Eheschutzgesuch vom 8. Mai 2013 und danach anlässlich der Eheschutzverhandlung vom 25. Ju- ni 2013 thematisiert worden. Ab diesem Zeitpunkt musste er damit rechnen, an den Unterhalt von Frau und Kind Beiträge leisten zu müssen, und er war gehalten, alles zu unternehmen, seine Leistungsfähigkeit zu erhalten bzw. wiederherzustellen (vgl. AR GVP 17/2005, Nr. 3456). Ab 19. Juli 2013 war der Berufungskläger ohne Arbeitsstelle. Bis Anfang 2014, dem Zeitpunkt, ab dem die Vorinstanz ein hypothetisches Einkommen angerechnet hat, verblieben ihm rund 5 1/2 Monate, seine Erwerbssituation zu ändern. Dies war ausrei- chend. Mithin kann die von der Vorinstanz vorgenommene rückwirkende An- rechnung eines hypothetischen Einkommens nicht beanstandet werden. OGP, 20.11.2015 3664 Beschwerdebegründung (Art. 321 Abs. 1 ZPO). Zur Begründung einer Be- schwerde gehören auch Anträge bzw. Rechtsbegehren. Diese sind – soweit möglich – zu beziffern. Aus den Erwägungen: 3. Das Gericht hat von Amtes wegen die Zulässigkeitsvoraussetzungen der Beschwerde zu prüfen (Art. 60 ZPO; Gasser/Rickli, Kurzkommentar Schweizerische Zivilprozessordnung, Zürich/St.Gallen 2010, N 6 zu Art. 321). Dazu gehören genügende Anträge (Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/Hasenböh- ler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessord- nung, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2013, N 35 zu Art. 311). a) Art. 321 Abs. 1 ZPO schreibt vor, dass eine Beschwerde begründet einzureichen ist. Nach Lehre und Rechtsprechung gehören zu einer Begrün- dung auch Anträge bzw. Rechtsbegehren (Gasser/Rickli, a.a.O., N 4 zu Art. 321 ZPO; Myriam Gehri, in: Gehri/Jent-Sørensen/Sarbach [Hrsg.], ZPO Kommentar, 2. A., Zürich 2015, N 4 zu Art. 311; Philippe Reich, in: Ba- ker & McKenzie [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Bern 2010, N 8 zu Art. 321; Reetz/Hilber, a.a.O., N 34 zu Art. 311 ZPO; Karl Spühler, in: Schweizerische Zivilprozessordnung, Basler Kommentar, 2. A., Basel 2013, N 12 zu Art. 311; Benedikt Seiler, Die Berufung nach ZPO, Zürich 2013, Rz. 872 ff.). Es sind konkrete Anträge zu stellen, aus denen hervorgeht, in welchem Umfang der vorinstanzliche Entscheid angefochten wird (Frei- burghaus/Afheldt, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kom- 116 B. Gerichtsentscheide 3664 mentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2. A., Zürich/Ba- sel/Genf 2013, N 14 zu Art. 321; Oliver Kunz, in: Kunz/Hoffmann-Nowot- ny/Stauber [Hrsg.], ZPO-Rechtsmittel, Berufung und Beschwerde, Ba- sel 2013, N 31 zu Art. 321). Es sind – soweit möglich – bezifferte Anträge zu stellen (BGE 137 III 617 E. 4; Urteil BGer 4D_61/2011, E. 2, in: SZZP 2/2012, S. 92 f.; Oliver Kunz, a.a.O., N 33 zu Art. 321 ZPO; Myriam Gehri, a.a.O., N 5 zu Art. 321 ZPO). Die Beschwerdeinstanz kann bei Gutheissung der Be- schwerde den Entscheid aufheben und die Sache an die Vorinstanz zurück- weisen (sog. kassatorischer Entscheid) oder neu entscheiden, wenn die Sa- che spruchreif ist (sog. reformatorischer Entscheid; Art. 327 Abs. 3 ZPO). Die beiden Entscheidarten stehen grundsätzlich gleichwertig nebeneinander (Freiburghaus/Afheldt, a.a.O., N 10 zu Art. 327 ZPO). Daher kann sich ein Beschwerdeführer nicht darauf beschränken, die Aufhebung des angefochte- nen Entscheids und die Rückweisung an die Vorinstanz zu beantragen (Gas- ser/Rickli, a.a.O., N. 2 f. zu Art. 327 ZPO; Myriam Gehri, a.a.O., N 5 zu Art. 321 ZPO, mit Hinweisen; Oliver Kunz, a.a.O., N 31 zu Art. 321 ZPO). Er muss einen Antrag in der Sache stellen, widrigenfalls auf sein Rechtsmittel nicht eingetreten wird (Urteil OGer ZG, Z2 2014 19, E. 3.2, in: Zeitschrift für kantonale Rechtsprechung, CAN 2015, S. 41 f.; Gasser/Rickli, a.a.O., N 2 f. zu Art. 327 ZPO). Ein blosser Aufhebungsantrag verbunden mit einem Rück- weisungsantrag, aber ohne Antrag zur Sache, kommt nur dann in Frage, wenn die Rechtsmittelinstanz wegen fehlender Spruchreife nur kassatorisch entscheiden kann (Ivo W. Hungerbühler, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Zürich/St.Gallen 2011, N 17 zu Art. 311; Oliver Kunz, a.a.O., N 31 zu Art. 321 ZPO). Ausnahmsweise ist auf eine Berufung mit formell mangelhaften Rechtsbegehren einzutreten, wenn sich aus der Begründung ergibt, was der Berufungskläger in der Sache ver- langt (BGE 137 III 617 E. 6.2). b) Im Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin fehlt ein Beschwerdean- trag in der Sache. Die Beschwerdeführerin beantragt lediglich die Aufhebung der Ziffern 1 bis 4 des Entscheids vom 11. März 2015 und die Rückweisung der Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz. Der Beschwerdebe- gründung lässt sich zwar entnehmen, dass die Beschwerdeführerin die defini- tive Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts beansprucht. Hingegen fehlt eine Bezifferung (Nach Auffassung des Obergerichts Solothurn genügt eine Bezifferung in der Begründung des Rechtsmittels nicht; diese habe im Beru- fungsantrag, d.h. in den Rechtsbegehren selber zu erfolgen: Entscheid vom 9. März 2011, in: ius.focus 8 [2013], S. 22). In der Beschwerdeschrift findet sich ein einziger Franken-Betrag. Dieser kann aber nicht i.V.m. dem Rechts- begehren gebracht werden. Der Hinweis in Rz. 27 2. Absatz der Beschwerde- schrift auf den „beantragten vollen Umfang“ des Bauhandwerkerpfandrechts geht ins Leere, weil die Beschwerdeschrift – wie eben erwähnt – keinen An- trag enthält. Die Beschwerdeführerin verlangt somit weder in den Beschwer- 117 B. Gerichtsentscheide 3664 deanträgen noch in der Begründung die definitive Eintragung eines Bauhand- werkerpfandrechts in einem bestimmten Betrag. Abzulehnen ist, den vor der Vorinstanz gestellten Antrag vermutungsweise als Antrag im Rechtsmittelver- fahren anzunehmen. Es ist nicht Sache des Gerichts und schon gar nicht der Gegenpartei, basierend auf Vermutungen den Umfang des Prozessgegen- standes zu bestimmen. Die Beschwerdeführerin musste zudem mit der Mög- lichkeit rechnen, dass das Obergericht bei Gutheissung der Beschwerde neu entscheidet, wenn die Sache spruchreif ist (Art. 327 Abs. 3 lit. b ZPO). Spruchreife (Myriam Gehri, a.a.O., N 5 zu Art. 327 ZPO; Freiburg- haus/Afheldt, a.a.O., N 10 zu Art. 327 ZPO) kann vorliegend nicht ausge- schlossen werden. Jedenfalls hat die Beschwerdeführerin nicht dargetan, es komme mit Sicherheit nur eine Rückweisung in Frage (vgl. Oliver Kunz, a.a.O., N 31 am Schluss und N 32 zu Art. 321 ZPO). Demnach liegt kein ge- nügender materieller Antrag vor, der zum Urteil erhoben werden könnte. Folg- lich kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden (Urteil BGer 5A_82/2013, E. 3.2; Gasser/Rickli, a.a.O., N 5b zu Art. 311 und N 2 f. zu Art. 327 ZPO; Reetz/Hilber, a.a.O., N 35 zu Art. 311 ZPO). Der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass im Beschwerdeverfahren – jedenfalls nach Ablauf der Rechtsmittelfrist – keine Nachfristen für die Verbesserung der Rechtsbe- gehren oder der Begründung angesetzt werden (Urteil BGer 5A_82/2013, E. 3.3f; Urteil BGer 5A_438/2012, E. 2.4, in: SZZP 1/2013, S. 29 f.; Urteil BGer 4A_659/2011, E. 5, in: SZZP 2/2012, S. 128 ff.; Urteil OGer ZG, Z2 2014 19, E. 3.2, in: Zeitschrift für kantonale Rechtsprechung, CAN 2015 S. 41 f.; Philippe Reich, a.a.O., N 8 zu Art. 321 ZPO; Reetz/Hilber, a.a.O., N 35 zu Art. 311 ZPO). Versäumtes kann auch nicht in weiteren Eingaben nachgeholt werden (Urteil BGer 4A_380/2014, E. 3.2.2, in: SZZP 1/2015, S. 50 f.). OGP, 09.09.2015 Eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde beim Bundesgericht wurde mit Verfügung vom 26. Oktober 2015 zufolge Rückzugs abgeschrieben (Verfügung BGer 5A_830/2016) 118