{"Signatur": "AG_SVWG_002", "Spider": "AG_Gerichte", "Datum": "2021-10-21", "PDF": {"Datei": "AG_Gerichte/AG_SVWG_002_3-BB-2020-9_2021-10-21.pdf", "URL": "https://decwork.ag.ch/api/main/v1/de/decrees_pdf/13434", "Checksum": "4898c37f3f14742bd9b7791c001ffdfa"}, "Scrapedate": "2026-09-03", "Scrapetime": "03:13:53", "Num": ["3-BB.2020.9"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Aargau Spezialverwaltungsgericht Steuern 21.10.2021 3-BB.2020.9"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Aargau Spezialverwaltungsgericht Steuern"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Argovie  Steuern"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Argovia  Steuern"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Spezialverwaltungsgericht / Abteilung Steuern Spezialverwaltungsgericht / Abteilung Steuern"}], "ScrapyJob": "446973/34/2748", "Zeit UTC": "03.09.2026 03:13:53", "Checksum": "167b124d03c960261d8b1e89716397f0", "Chunktext": "Auszug aus dem Entscheid Aargau Spezialverwaltungsgericht Steuern 21.10.2021 3-BB.2020.9\n\n S. 5 ff.). Das Recht auf Ehe und Familienbegründung wird durch die in Artikel 13 BdBSt vorgesehene Familienbesteuerung, die keineswegs gezielt\ngegen den Eheschluss als solchen gerichtet ist, nicht seines Kerngehalts\nentleert, auch wenn sich aus ihr eine spürbare steuerliche Mehrbelastung\nvon Verheirateten im Vergleich zu Konkubinatspaaren ergeben kann, die\nunter dem Gesichtspunkt der (rechtsgleichen) Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit problematisch erscheinen kann (vgl.\nBGE 110 Ia 7 ff.).\n\nDas in Artikel 14 EMRK enthaltene Diskriminierungsverbot gilt nach seinem Wortlaut nur in bezug auf die in der Konvention festgelegten Rechte\nund Freiheiten. Da aus den vom Beschwerdeführer angerufenen Freiheitsrechten zur streitigen Frage – wie festgestellt – nichts abgeleitet werden\nkann, ist eine Verletzung dieser Bestimmung von vornerein ausgeschlossen.\"\n\n4.5.\nDie EMRK sieht in Art. 25 die Möglichkeit der Individualbeschwerde vor, mit\nder Privatpersonen gegen die Verletzung der EMRK vor den Strassburger\nOrganen Beschwerde führen können. Bis Ende Oktober 1998 waren hierfür\n3 Organe in Strassburg vorgesehen, die Menschenrechtskommission, das\nMinisterkomitee und der Gerichtshof. Die Menschenrechtskommission\nprüfte zunächst die Zulässigkeit der Beschwerden und wies diese in Fällen\nab, in denen die Beschwerde offensichtlich unbegründet war (vgl. Arthur\nHaefliger, Die Europäische Menschenrechtskonvention und die Schweiz,\nBern 1993, S. 303).\n\nDie Menschenrechtskommission beurteilte einen Fall ungleicher Besteuerung von Ehegatten gegenüber Konkubinatspaaren in England (Urteil des\nEGMR vom 11. November 1986, LINDSAY v. UNITED KINGDOM\nNr. 11089/84, \"Entscheid Lindsay\"). Unter dem damals anwendbaren\nRecht wurde das Einkommen von Ehepaaren nach einer Frist von 5 Jahren\nfür die Steuerveranlagung zusammengerechnet. Bei einem Konkubinatsverhältnis erfolgte keine Zusammenrechnung der Einkommen, was im Entscheid Lindsay gemäss den dortigen Beschwerdeführern zu einer tieferen\nSteuerlast von Konkubinatspaaren im Vergleich zu Ehepaaren führte. Laut\nden damaligen Beschwerdeführern würde dies eine Störung des Ehelebens im Vergleich zu Konkubinatsverhältnissen darstellen, die Missachtung der Ehe fördern und Art. 8 und Art. 12 EMRK, die den Schutz der Ehe\nund des Familienlebens vorsähen, widersprechen.\n\nDie Menschenrechtskommission befand, dass durch die höhere Besteuerung von Ehepaaren gegenüber Konkubinatspaaren keine Störung der\nAchtung des Privat- und Familienlebens im Sinne des Art. 8 EMRK ersichtlich sei und somit kein Eingriff bestehe. Die Beschwerde wurde entsprechend abgewiesen (vgl. Urteil des EGMR vom 11. November 1986, LIND-\nSAY v. UNITED KINGDOM Nr. 11089/84; vgl. Mark E. Villiger, a.a.O.,\nRz. 570).\n- 10 -\n\n5.\nWie bereits unter E. 3.3 f. erwähnt, sind für das Bundesgericht gemäss\nArt. 190 BV sowohl Bundesgesetze als auch das Völkerrecht massgebend,\nauch wenn diese verfassungswidrig sind. Im Fall von Konflikten zwischen\nBundes- und Völkerrecht darf das Bundesgericht dem gegen Völkerrecht\nverstossenden Bundesgesetz die Anwendung versagen (vgl. Ulrich Häfelin/Walter Haller/Helen Keller/Daniela Thurnherr, a.a.O., Rz. 2088 – 2091).\nIn der neueren Praxis anerkannte das Bundesgericht sogar grundsätzlich\nden Vorrang des Staatsvertragsrechts gegenüber Bundesgesetzen, auch\nwenn letztere jünger sind. So führt das Bundesgericht in seinem Urteil vom\n27. Juni 1996 in Sachen Schweizerischer Bund für Naturschutz (SBN),\nSchweizer Heimatschutz (SHS), World Wildlife Fund Schweiz (WWF),\nDr. Emanuel Isler und Dr. Ambros Isler (BGE 122 II 234) das Folgende aus\n(E. 4 e):\n\n\"Die Eidgenossenschaft kann sich der völkerrechtlichen Verpflichtung\nnicht unter Berufung auf inländisches Recht entziehen; das Völkerrecht hat\ngrundsätzlich Vorrang (vgl. BGE 119 V 171 E. 4 S. 176 ff.; BGE 109 Ib\n165 E. 7b S. 173). Dies verlangt von den Rechtsanwendungsinstanzen\neine völkerrechtskonforme Handhabung des Landesrechts.\"\n\nEbenso führt es im Urteil vom 11. November 1996 in Sachen S. (BGE 122 II\n485) aus, dass der Grundsatz des \"lex posterior\" (Vorrang des jüngeren\nGesetzes vor dem älteren Staatsvertrag) bei Völkerrechtsnormen aufgrund\nderen hierarchischer Stellung nicht anwendbar sei (E. 3 a):\n\n\"Le fait que l'art. 37 EIMP soit entré en vigueur en 1983, soit postérieurement à l'entrée en vigueur pour la Suisse de la Convention (1967) et de\nl'accord bilatéral (1977) n'y change rien: le principe de la primauté du droit\ninternational sur le droit interne découle de la nature même de la règle\ninternationale, hiérarchiquement supérieure à toute règle interne, de sorte\nque l'argument tiré de la lex posterior est inapplicable (voir la jurisprudence\ndéjà ancienne du Tribunal fédéral citée dans JAAC 53/1989 no 54, ad note\n52, p. 409/410 et p. 452; cf. également ATF 122 II 234, consid. 4c, d et e).\nL'application de l'art. 1 al. 1 EIMP, qui se borne à rappeler le principe de la\nréserve des traités internationaux, conduit d'ailleurs au même résultat.\"\n\nDies steht im Gegensatz zur bisherigen \"Schubert\"-Praxis, die dem jüngeren Bundesgesetz grundsätzlich den Vorrang vor älterem Staatsvertragsrecht gibt. Diese neuere Praxis wird im Urteil vom 26. Januar 2010 in Sachen X. (BGE 139 I 16) wie folgt zusammengefasst (E. 5.1):\n\n"}