{"Signatur": "AG_OG_001", "Spider": "AG_Gerichte", "Datum": "2024-10-31", "PDF": {"Datei": "AG_Gerichte/AG_OG_001_ZBE-2024-8_2024-10-31.pdf", "URL": "https://decwork.ag.ch/api/main/v1/de/decrees_pdf/9981", "Checksum": "1d340185d5d13fafd9d743a8f3733e5f"}, "Scrapedate": "2025-08-25", "Num": ["ZBE.2024.8"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Aargau Obergericht Zivilkammern 31.10.2024 ZBE.2024.8"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Argovie Obergericht Zivilkammern 31.10.2024 ZBE.2024.8"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Argovia Obergericht Zivilkammern 31.10.2024 ZBE.2024.8"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Aargau Obergericht Zivilkammern"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Argovie Obergericht Zivilkammern"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Argovia Obergericht Zivilkammern"}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Obergericht / Zivilgericht / 3. Zivilkammer Obergericht / Zivilgericht / 3. 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April 2021 ersuchte das Bezirksgericht Rheinfelden, Präsidium des Zivilgerichts, die Gemeindekanzlei R._____ mit Verfügung vom 15. Dezember 2023 um die Aufnahme eines Sicherungsinventars.\n\n2.2.\nDie Gemeindekanzlei R._____ reichte am 23. Juli 2024 beim Bezirksgericht Rheinfelden das Sicherungsinventar ein.\n\n2.3.\nMit Entscheid vom 8. August 2023 erkannte das Bezirksgericht Rheinfelden, Präsidium des Zivilgerichts:\n\n\" 1.\nDas Sicherungsinventar über den Nachlass von D._____, geboren am\ntt.mm.jjjj, von Q._____ und T._____, gestorben am tt.mm.jjjj, wohnhaft\ngewesen […], R._____, wird genehmigt.\n\n2.\nDie Erbin 1 wird darauf aufmerksam gemacht, dass sie die Erbschaft innert drei Monaten ab Zustellung dieser Verfügung ausschlagen kann\n(Art. 566 bis 568 ZGB).\n\n3.\nDie Entscheidgebühr von Fr. 500.– und die Inventarkosten von\nFr. 119.80, zusammen Fr. 619.80, sind von der Erbschaft zu tragen.\"\n\n3.\n3.1.\nMit Eingabe vom 26. August 2024 erhoben die Nachkommen des Erblassers beim Obergericht des Kantons Aargau Beschwerde gegen diesen Entscheid. Die Eingabe wurde von C._____ in seinem eigenen Namen sowie\nin Vertretung seiner beiden Geschwister unterzeichnet.\n\n3.2.\nDer Instruktionsrichter setzte den Nachkommen am 4. September 2024\neine Nachfrist von fünf Tagen zur eigenhändigen Unterzeichnung bzw. zur\nNachreichung einer Vollmacht für C._____ an.\n-3-\n\n3.3.\nAm 6. September 2024 (Postaufgabe) reichte B._____ seine persönliche\nUnterschrift nach.\n\n3.4.\nMit Eingabe vom 7. September 2024 übermittelte auch A._____ ihre persönliche Unterschrift.\n\nDas Obergericht zieht in Erwägung:\n\n1.\n1.1.\nAngefochten ist ein Entscheid des Gerichtspräsidiums Rheinfelden betreffend Genehmigung eines infolge Nacherbeneinsetzung erstellten Inventars\nnach Art. 490 Abs. 1 ZGB. Dem Inhalt und Verfahren nach handelt es sich\nbei einem solchen Inventar um ein Sicherungsinventar im Sinne von\nArt. 553 ZGB (RICKLI, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch, 7. Aufl. 2023,\nN. 2 zu Art. 490 ZGB). Dabei handelt es sich um einen Akt der freiwilligen\nGerichtsbarkeit (Urteil des Bundesgerichts 5A_1036/2020 vom\n14. Juli 2021 E. 2.1). Die Zivilprozessordnung (ZPO) regelt gemäss Art. 1\nlit. b das Verfahren für gerichtliche Anordnungen der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Gemäss Art. 248 lit. e ZPO ist für diese Angelegenheiten das summarische Verfahren anwendbar. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 139 III 225 E. 2.2) gilt Art. 1 lit. b ZPO allerdings nur dort, wo\ndas Bundesrecht selbst eine gerichtliche Behörde vorschreibt. In den übrigen Bereichen der freiwilligen Gerichtsbarkeit, in welchen die Kantone in\nder Bezeichnung der zuständigen Behörde frei sind, wenden diese weiterhin kantonales Verfahrensrecht an, wobei sie eine eigene Regelung aufstellen oder auf eine bestimmte Verfahrensordnung verweisen können. Deren Normen stellen diesfalls aber nicht Bundesrecht, sondern kantonales\nRecht dar.\n\n1.2.\nBei der Anordnung und Genehmigung eines Inventars im Sinne von\nArt. 490 Abs. 1 ZGB sind die Kantone frei in der Bezeichnung der zuständigen Behörde (Art. 490 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 54 Abs. 1 SchlT ZGB). Der\nKanton Aargau hat diese Zuständigkeit dem Gerichtspräsidium übertragen\n(§ 66 Abs. 3 EG ZGB) und die Bestimmungen des summarischen Verfahrens gemäss den Art. 248 ff. ZPO als anwendbar erklärt (§ 66 Abs. 4\nEG ZGB), welche somit als kantonales Recht zur Anwendung gelangen.\n-4-\n\n2.\n2.1.\n2.1.1.\nIm summarischen Verfahren ergangene Endentscheide sind bei einem\nStreitwert von mindestens Fr. 10'000.00 mit Berufung anfechtbar, ansonsten mit Beschwerde (Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 sowie Art. 319\nlit. a ZPO). Dies gilt auch für erbrechtliche Angelegenheiten, die grundsätzlich als solche vermögensrechtlicher Art erscheinen (Urteil des Bundesgerichts 5A_395/2010 vom 22. Oktober 2010 E. 1.2.2; EMMEL/AMMANN, in:\nPraxiskommentar zum Erbrecht, 5. Aufl. 2023, N. 12 zu Vorbem. zu\nArt. 551 ff. ZGB). Sicherungsmassregeln, und somit auch das Inventar\ni.S.v. Art. 490 Abs. 1 ZGB (vgl. EMMEL/AMANN, a.a.O., N. 3 zu Vorbem. zu\nArt. 551 ff. ZGB), betreffen regelmässig den ganzen Nachlass. Dabei ist für\nden Streitwert auf den Bruttowert der Aktiven abzustellen (DIGGELMANN, in:\nBrunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung,\nKommentar, 2. Aufl. 2016, N. 30 zu Art. 91 ZPO). Nachdem die Erbschaft\nmehr als Fr. 10'000.00 beträgt (vgl. Sicherungsinventar act. 27), ist als\nRechtsmittel die Berufung gegeben. Das als \"Beschwerde\" bezeichnete\nRechtsmittel der Berufungsführer ist deshalb als Berufung entgegenzunehmen.\n\n"}